Buchbesprechung

»Es wird Zeit, dass Design sich einmischt«

Florian Pfeffer fragt nach der neuen Rolle des Designs

Eine Rezension von Elena Hadulla


Es heißt, heute könne jeder gestalten. Was bedeutet dann noch »Design«? Ist es überall gegenwärtig, oder löst sich das Postulat »Design löst Probleme« gänzlich auf? Im kleinen Kreis tauschen sich Praktizierende und Sachkundige aus, die sich für Designtheorie interessieren. Sie wollen ihre eigene Disziplin konkretisieren und ein neues Selbstverständnis erzielen. Sie versuchen Strömungen auszumachen und stellen sich die Frage, ob es überhaupt konkrete Bewegungen in eine Richtung gibt oder ob Designtrends einfach nur herumschwirren und nicht zu fassen sind. Welche neuen Funktionen erfüllt Design heute?

Florian Pfeffer hat in seinem Buch »To Do: Die neue Rolle der Gestaltung in einer veränderten Welt« alle diese Fragen gestellt. Allerdings betont er schon einleitend, dass die Antworten von den Gestaltern selbst erarbeitet werden müssten. Der Autor und Professor für Kommunikationsdesign an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe möchte eher sammeln – »ohne zu urteilen« (S. 10).

Dabei hat er nicht nur eine Bewegung in der Gesellschaft ausgemacht, sondern er benennt auch viele kleine und große Aktionen, Strategien und Phänomene, die es wert sind, gebündelt festgehalten zu werden. Das Buch »To Do« soll dadurch etwas Bestimmtes verdeutlichen: Die Bewegung in der Gesellschaft ist da, alles ist im Wandel. Um sich mitreißen zu lassen in einer solch flexiblen, schnell fließenden Strömung, muss man erst auf die Revolution aufmerksam werden, die in der sich stetig verändernden Welt entsteht, frei nach Francis Picabias bekanntem Zitat: »Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann.«

In seinem Buch wagt Florian Pfeffer einen Blick aus der Vogelperspektive auf die gesamte kreative Industrie, um alternative Möglichkeiten zum traditionellem Design zu finden. Das Buch berührt viele Sujets, fast wie ein Nachschlagewerk, das die aktuelle Lage beschreibt, in der sich Gestaltung befindet. Vordergründig wünscht sich der Leser oftmals, mehr zu einem Thema zu erfahren. Was sich aber genau aufgrund dieser portionierten Menge an Informationen einstellt – als ob der Text einem Dinge vorenthalten würde –, könnte auch als Textstrategie verstanden werden. Durch den Wunsch, mehr zu erfahren, die einzelnen Themen stärker auszuarbeiten, stellt sich eine Motivation ein, selbst Entwickler von Strategien zu werden, in Aktion zu treten und Teil des Hier und Jetzt zu werden.

Die Layoutstruktur des Werkes unterstützt diese implizite Aufforderung. Die weißen Seiten stellen Phänomene, Projekte und Standpunkte eines neuen Terrains vor und die verkürzten hellgrünen Seiten zeigen die passenden Wege auf, denen man folgen kann, um diese neuen Terrains der Gestaltung zu betreten. Neue Begriffe werden ausführlich erläutert und aus Zitaten, die Pfeffers Strategien untermalen, resultiert eine lange Liste an »To-Read«-Literatur, die er kommentiert aufführt, um seine Empfehlung auszusprechen.

Aufgrund des lockeren Schreibstils wirkt das Buch trotz seiner komplexen Inhalte wie ein Plausch unter Freunden. Als würde Pfeffer fragen: »Was möchtest du zu dieser Entwicklung beitragen?« Das macht einerseits euphorisch, andererseits wirken die vielen Projekte mit »Weltverbesserungsanspruch« in derart geballter Ladung doch sehr einschüchternd. Aber man muss auch nicht alle der dargebotenen Wege gleichzeitig beschreiten. Fazit bleibt: »Es wird Zeit, dass Design sich einmischt und sich die Finger schmutzig macht.« (S. 29)


»Sprache für die Form«, Ausgabe Nr. 11, Herbst 2017