Die Polizei von Großbritannien und das NaCTSO haben 2015, gemeinsam mit anderen Initiativen, die Kampagne »Prevent Tragedies« mit einer Website ins Leben gerufen (Abb. 23).

Abbildung 23: Prevent Tragedies Website, Screenshot, http://www.preventtragedies.co.uk/, Stand: 30.9.2016.

Abbildung 23: Prevent Tragedies Website, Screenshot, http://www.preventtragedies.co.uk/, Stand: 30.9.2016.

Diese Kampagne soll zu verhindern helfen, dass sich Menschen zu Terrororganisationen hingezogen fühlen und sich ihnen anschließen, u. a. indem sie Angehörige auf die Thematik aufmerksam macht und Hilfestellung und Rat anbietet. Bis auf die Teaser-Bilder und das Logo, der stilisierten, »schützenden« Hände sind die Stilmittel der Website (z. B. die Typografie, Farbgebung – blau, grün – und der hohe Weißanteil) schlicht und sachlich (Logos). Das erste Teaser-Bild argumentiert verbal und visuell mit den Topoi der Fürsorge und Prävention. Der Link des »Left-Behind«-Teasers führt zu einem sehr emotionalen Video (Pathos). Polizisten berichten darin von ihren Erfahrungen, wie Eltern reagieren, die erfahren haben, dass deren Kinder in Krisen- und Kriegsgebiete ausgereist sind, um sich Terrororganisationen anzuschließen.

Fazit

Das amerikanische NCTC (National Counter Terrorism Center) argumentiert hauptsächlich vordergründig mit Ethos (bzw. mit Ethos-stärkenden Strategien) sowie mit dem Logos- und hintergründig mit dem Pathos-Appell. Bei der Counter-Terrorism-Guide-Website steht der Appell an die Emotion (Pathos) durch Erzeugen von Unbehagen und durch Schockieren im Vordergrund. Hier werden u. a. Stilmittel, Bildwelten und Narrative aus Games und Serien zur Herstellung von Evidenz und als Aktionismus-Argumentation »Wir haben alles im Griff und tun etwas« genutzt. Zur visuellen Legitimation werden hauptsächlich der Topos der Autorität (auch durch Expertenwissen), der Topos von Gut gegen Böse und die Demonstration von Gerechtigkeit als Ethos-stärkende Strategie verwendet. Desweiteren spielen hintergründig auch der Topos des Vaterlandes und der Topos der Ähnlichkeit eine Rolle.

Das ECTC (European Counter Terrorism Center) legitimiert sich visuell stark über die Zugehörigkeit zu der Institution und Autorität »Europol«. Die Argumentation ist sehr sachlich (Logos), hintergründig wird auch mit dem Ethos-Appell und dem Topos der Autorität durch Expertenwissen argumentiert sowie mit der Beispielargumentation der »Taskforce Fraternité«. Das Beispiel stellt ebenfalls Evidenz mit dem Stilmittel der Infografik her und demonstriert auch einen Aktionismus »Wir haben alles im Griff und tun etwas«.

Das britische NaCTSO (National Counter Terrorism Security Office) legitimiert sich ebenfalls visuell über die Autorität der Regierung, da es keinen eigenen Webauftritt, wie z. B. das NCTC hat, sondern die gesamte (visuelle) Darstellung auf der Service-Website der Regierung stattfindet. Die visuelle Kommunikation findet hauptsächlich auf der sachlich-informativen (Logos-)Ebene statt. Das NaCTSO soll den »protect and prepare« Strang der Counter-Terrorismus-Strategie der Regierung unterstützen. Dies lässt sich auch an der (visuellen) Kommunikation, insbesondere an den Teaser-Bildern und an dem Logo der Kampagne »Prevent Tragedies« (stilisierte »schützende« Hände) ablesen, die mit den Topoi der Fürsorge und Prävention argumentieren. Hintergründig legitimiert sich das NaCTSO visuell neben dem Ethos der Zugehörigkeit zur britischen Regierung auch mit Ethos stärkenden Strategien (Demonstration von Wohlwollen sowie Umsicht und Vorsicht).

Literatur:

Bitzer, Lloyd F.: The Rhetorical Situation. In: Philosophy & Rhetoric, 1, 1968, S. 1—14.

Ihlen, Øyvind; Wæraas, Arild: Green legitimation: The construction of an environmental ethos. In: International Journal of Organizational Analysis, 17(2), 2009, S. 84—102.

Kennedy, George: Aristotle on Rhetoric. A Theory of civic discourse. Oxford: Oxford University Press, 1991.

Krapinger, Gernot (Hg.): Aristoteles Rhetorik. Stuttgart: Reclam, 1999.

Nickel, Rainer (Hg.): Aristoteles. Die Nikomachische Ethik. Düsseldorf, Zürich: Artemis und Winkler, 2001.

Ottmers, Clemens: Rhetorik. Stuttgart, Weimar: J.B. Metzler, 2007(2).

Smith, Craig R.: Ethos dwells pervasively. A hermeneutic reading of Aristotle on credibility. In: Hyde, Michael J. (Hrsg.): The Ethos of Rhetoric. Columbia, South Carolina: University of South Carolina Press, 2004.


»Sprache für die Form«, Ausgabe Nr. 10, Frühjahr 2017