Buchbesprechung

»Lust an Debatten wecken«

Studentische Reden an der der Universität Flensburg

Eine Rezension von Bettina Schröm


Der Unter­ti­tel des Ban­des weckt die Neu­gier: »Rhe­to­rik-Übun­gen in Schu­le und Hoch­schu­le – Bei­spie­le und Emp­feh­lun­gen« ist da zu lesen. Wie schön, denkt man sich. Denn gera­de dort, in den Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, hat die Rhe­to­rik einen schwe­ren Stand, gilt eher als Dis­zi­plin des »Übers-Ohr-Hau­ens« denn als Mit­tel der seriö­sen Über­zeu­gung und wird in der Regel daher weder theo­re­tisch noch prak­tisch ver­mit­telt. Päd­ago­gi­sche und didak­ti­sche Anlei­tun­gen zum The­ma blei­ben so meist auf die gän­gi­gen Kli­schees beschränkt.

Zumin­dest eine posi­ti­ve Erkennt­nis ist aus der Lek­tü­re des Buches gewon­nen: An der Euro­pa-Uni­ver­si­tät Flens­burg ist es anders, ganz offen­bar pflegt man den rhe­to­ri­schen Dis­kurs und das sogar der­ge­stalt, dass Stu­die­ren­de auf­ge­for­dert wer­den, Reden zu selbst gewähl­ten The­men vor dem Ple­num zu hal­ten. Bei­spie­le sind im vor­lie­gen­den Bands abge­druckt, die Band­brei­te der The­men reicht von »Poké­mon go« über Tat­toos bis hin zur gefor­der­ten Abschaf­fung der Noten in Grund­schu­len; die Ergeb­nis­se sind durch­aus über­zeu­gend und zei­gen, wie loh­nend es ist, wenn sich Stu­die­ren­de mit der Tech­nik des Argu­men­tie­rens und der Rhe­to­rik beschäf­ti­gen.

Es ist so nicht die Leis­tung der Stu­die­ren­den, die den Leser ein wenig ent­täuscht zurück­lässt, son­dern die Erwar­tung, die der Unter­ti­tel des Ban­des weckt. Außer einem kur­zen Vor­wort und einem knapp drei­sei­ti­gen Glos­sar sucht der Leser ver­ge­bens die ver­spro­che­nen Emp­feh­lun­gen, geschwei­ge denn so etwas wie didak­ti­sche Hand­rei­chun­gen, wie mit dem The­ma Rhe­to­rik in Schu­le und Hoch­schu­le umzu­ge­hen sei.

Eines bleibt als Fazit alle­mal: die Moti­va­ti­on, es selbst ein­mal in eige­nen Semi­na­ren mit den Reden zu ver­su­chen, um auf die­se Art die »Lust an Debat­ten (…) zu wecken«, wie es sich ganz offen­bar auch die Dozen­ten in Flens­burg vor­ge­nom­men haben.


»Sprache für die Form«, Doppelausgabe Nr. 12 und 13, Herbst 2018