Buchbesprechung

»Studieren Sie nicht«

Paul Ardens Aphorismen: mit und ohne Humor

Eine Rezension von Eva Hillemayr


Zu neuem Denken fordert Paul Arden in »Egal, was du denkst, denk das Gegenteil« seine Leser auf. Das 144 Seiten dünne Buch des Designers, der als Legende der britischen Werbeszene galt, beschäftigt sich mit kreativem Denken – und zwar in Form einer Aphorismen-Sammlung. Da nahezu jede Doppelseite mit einer Illustration versehen ist und auch die Schrift groß und prägnant gehalten wurde, kann das Werk eigentlich in einer halben Stunde gelesen werden. Das macht das Buch zu einem guten Begleiter auf Reisen mit vielen Umstiegen. Aber auch eine Lektüre in Auszügen ist möglich. Die Kapitel sind kurz, die Texte kurzweilig.

Die eigens für dieses Buch zusammengetragenen Illustrationen, teilweise von namhaften Designern, unterstreichen Ardens Statements und sorgen für ästhetischen Zugewinn. Doch mancherorts wirken sie ein wenig platt, zum Beispiel auf der Doppelseite, die sich dem Studium widmet: Während der 23-Jährige Student mit seinem Fahrrad über die linke Hälfte der Seite fährt, kann sich der 23-jährige Berufstätige rechts natürlich schon den eigenen Porsche leisten. Das ist weder humorvoll noch richtig.

Bei der Covergestaltung wurden optisch dagegen keine Mühen gescheut. Im minimalistischen Schwarz-Weiß präsentiert sich das Büchlein, das im deutschen Bastei Lübbe Verlag veröffentlicht wurde. Es passt diesbezüglich perfekt zu den vorangegangenen Werken des 2008 verstorbenen Autors.

Die Hülle ist hübsch anzuschauen. Der Inhalt enttäuscht den Leser ein wenig. Die Reihenfolge der Sinnsprüche scheint willkürlich. Dabei basieren die Texte teilweise auf historischen Ereignissen wie die Anekdote von Vivienne Westwoods erstem, gescheiterten Laden. Oder sie erzählen von Ardens persönlichen Erfahrungen in der Kreativagentur Saatchi & Saatchi. Obwohl jeder Gedanke eigenständig dargestellt wird, dreht sich Paul Arden oft im Kreis. So kann man die Kapitel über Unvernunft auf Seite 42 und 44 in etwa zwei Sätzen zusammenfassen. Fast ist man versucht zu sagen: Der Titel des Buches sagt alles. Doch das allein ist auch nicht wenig. Denn die Statements fordern humorvoll auf, das eigene Denken zu hinterfragen. Setzt man diese Eigenleistung voraus, sind die Sätze mehr als bloße Wiederholungen der einschlägigen Erfolgsliteratur.

Am Ende bleibt der Leser zwiespältig. Manchmal möchte man Paul Arden schlichtweg widersprechen. »Wenn sie nicht die Zulassungsvoraussetzung oder genügend Geld haben, um eine Universität zu besuchen, gehen Sie einfach hin (…) Irgendwann wird man Sie akzeptieren, weil Sie dazugehören.« (S. 118) Das mag vielleicht früher einmal funktioniert haben. Wer heutzutage studiert, weiß, wie absurd diese Vorstellung ist. Nach Beherzigung dieses Tipps wird man trotzdem auf keiner Prüfungsliste auftauchen und erfolgreich an Vorlesungen teilnehmen können.

Ardens Buch ist sicherlich etwas für Werber – und für junge Erwachsene, die er mit Aussagen konfrontiert, über die es sich doch nachzudenken lohnt: »Also studieren Sie nicht, es sei denn, Ihr Studienfach liegt Ihnen wirklich am Herzen.« (S. 111) Als Zierde im Bücherregal eignet es sich allemal.


»Sprache für die Form«, Ausgabe Nr. 10, Frühjahr 2017