Buchbesprechung

»Was als ein Bild gilt …«

Matthias Bruhn über Theorie, Geschichte und Praxis von Bildern

Eine Rezension von Sophia Haug


Was können Designer mit einem Buch für Kulturwissenschaftler anfangen? Nichts? Falsch. Solange es sich um das Thema Bild handelt, können die einen von den anderen mit Sicherheit etwas lernen.

So schafft es das Buch »Das Bild. Theorie – Geschichte – Praxis« von Matthias Bruhn, den Bogen zwischen beiden Disziplinen zu schlagen. Das Buch ist zwar in erster Linie für Studenten der Kulturwissenschaft geschrieben, aber auch Designer können Nutzen daraus ziehen. Besonders die Kapitel 1, 4, 9 und 10 sind für Gestalter sehr interessant.

In Kapitel 1 »Das Bild vom Bild: Sehweisen, Redeweisen« versucht der Autor, einen groben Überblick zu geben. »Was als ein Bild gilt und wahrgenommen wird, hat gesellschaftliche wie individuelle Hintergründe, hängt von intellektuellen und psychologischen Faktoren […] ab.« In Kapitel 4 »Formen, Wahrnehmungen« geht es um verschiedene Anschauungs- und Deutungsweisen, den Kontext, die Empfindung und die unterschiedlichen Gestaltungsformen. In Kapitel 9 »Ikonen, Urbilder, Vorbilder« wird das Thema der Bildsemiotik und der Fotografie näher erläutert. In Kapitel 10 »Bild neben Bild: Vergleich, Kombination, Übersicht« geht es um die Veränderung, Interpretation und Wirkung des Bildes.

Matthias Bruhn beleuchtet den Begriff Bild von allen Seiten. Dabei treten mehrere Aspekte in den Vordergrund: Bilder haben unterschiedliche Funktionen. Bilder informieren, erzeugen Wissen, reflektieren und fördern das Verstehen. Ein Bild kann unterschiedlich interpretiert und gedeutet werden. Bilder stehen immer in einem Kontext. Bilder werden unterschiedlich verwendet und haben immer einen anderen Nutzen.

Dabei geht Bruhn auf historische Gegebenheiten ein, ebenso berücksichtigt und thematisiert er aktuelle Forschungsergebnisse. Diese Mischung verstärkt die Aktualität und den wissenschaftlichen Wert seiner Arbeit. Bruhn bezieht sich auf Bilder aus allen erdenklichen Bereichen und aus allen Epochen der Geschichte. Alte Gemälde finden genauso Beachtung wie moderne Wandbilder, Zeitungsfotos, Film-Stills oder Fotos von Plastiken ebenso wie Röntgenbilder oder Computertomografien. Bildliche Kommunikation ist in Kunst, Unterhaltung oder Werbung ebenso relevant wie in Naturwissenschaften, im Verlagswesen oder in Nachrichtenagenturen.

Schnell wird dem Leser klar, dass Bruhn einen sehr offenen Bildbegriff vertritt. Eine eindeutige Definition gibt es nicht, dafür sind Bilder in all ihren Erscheinungsformen zu verschieden.

Dr. phil. Matthias Bruhn ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der Abteilung »Das Technische Bild« des Hermann-von-Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik an der Humboldt-Universität Berlin. Bruhn studierte Kunstgeschichte und Philosophie. Er publizierte zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten wie beispielsweise zu Kunstgeschichte, Fotogeschichte und Fachkommunikation. Ebenfalls hat er mehrere Werke zur Bildwissenschaft, Bildwirtschaft und Bildforschung verfasst. Das Lehrbuch »Das Bild. Theorie – Geschichte – Praxis« von 2008 ist sein erstes Einführungsbuch zum Thema »Bild« für Studenten.

Jedes Kapitel beginnt mit zwei Bildern und einem Textabschnitt, der die Bilder beschreibt. Jedes der 14 Kapitel schließt mit Fragen und Anregungen, ebenso mit Lektüreempfehlungen. Am Rand des Fließtextes befinden sich zahlreiche Stichwörter. Sie dienen zur Orientierung und sind ein Instrument zur schnellen Erfassung des Absatzinhaltes. Am Ende des Buches befindet sich ein ausführlicher Serviceteil mit einem Sachregister, Literaturhinweise – nach Kategorien geordnet – oder Verweise auf Internetressourcen wie Institute, Netzwerke und Blogs.

»Das Bild« verfügt über keine Zusammenfassung oder Einleitung des Themas. Das Buch beschreibt keine Entwicklung des Bildes in der Geschichte – stattdessen ist es thematisch aufgebaut. Wichtige Personen werden genannt, gehen aber oftmals im Lesefluss unter. Der Inhalt wird an manchen Stellen erschwert begriffen und aufgenommen, da das Buch eine enorme Stofffülle wiedergibt.

In der Summe ist Bruhns Buch durchaus empfehlenswert – besonders für alle, die sich mit der Materie Bild intensiver beschäftigen möchten, Kulturwissenschaftler oder ebenso Designer.


»Sprache für die Form«, Ausgabe Nr. 2, Frühjahr 2013