Buchbesprechungen

»Die Produktivität von Schwarz«

James Fox über »Die Welt im Licht der Farbe«

Eine Rezension von Marie Schneegaß


»Die Welt im Licht der Far­be« von James Fox erschien 2023 und wur­de aus dem eng­li­schen Ori­gi­nal »The World accor­ding to color« von Domi­nik Fehr­mann über­setzt. Auf 344 Sei­ten schickt der Autor sei­ne Leser auf eine Rei­se durch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Pig­ment­far­ben und ihre Bedeu­tung für den Men­schen. Mit Lie­be zum Detail wid­met er sich in Kapi­teln von etwa 30 Sei­ten den sie­ben Pri­mär­far­ben nach Aris­to­te­les: Schwarz, Rot, Gelb, Blau, Weiß, Vio­lett und Grün.

Genau­so wie die Geschich­te des Uni­ver­sums beginnt auch die­se – mit Schwarz. Neben einer kur­zen Ein­füh­rung zur Wahr­neh­mung von Far­be durch das mensch­li­che Auge legt der Autor die geball­te Viel­falt von Schwarz dar. Wie es chan­giert zwi­schen der Ver­kör­pe­rung eines Ur-Dun­kels und dem Aus­druck von Schön­heit. Es dürf­te eini­ge Desi­gner also freu­en, dass ihr gelieb­tes Schwarz in die­sem Buch die ver­dien­te Aner­ken­nung erhält.

Von »Rot« als ers­tem Farb­roh­stoff, mit dem man sich in Höh­len­wän­den ver­ewig­te, han­gelt sich Fox ent­lang der Evo­lu­ti­on bis zur Poli­ti­sie­rung von »Grün« in der Gegen­wart. Auf dem Weg dort­hin zeigt er, wie Far­be und Sta­tus mit­ein­an­der ver­wo­ben sind: Wer im früh­zeit­li­chen Chi­na Rot trägt, ohne der ent­spre­chen­den sozia­len Schicht anzu­ge­hö­ren, ver­üb­te ein schwe­res Ver­bre­chen (S. 80). Gleich­zei­tig ver­än­dert sich auch der Preis von Far­ben. Wäh­rend sie zunächst als kost­ba­res Gut ein­ge­setzt wur­de, explo­diert die Welt bald vor bun­ten Ein­drü­cken mit der Ein­füh­rung syn­the­ti­scher Fär­be­mit­tel (S. 213).

Beim Lesen des Buchs ent­steht für jede Far­be ein Gefühl. Fox gibt ihnen eine eige­ne Iden­ti­tät, lässt sie in Wech­sel­wir­kung mit­ein­an­der tre­ten. Dabei geht der Autor auch auf die »Pro­duk­ti­vi­tät von Schwarz« ein (S. 50). In ihrer Natur liegt es bei­spiels­wei­se, Far­ben vor einem schwar­zen, also ver­meint­lich neu­tra­len, Hin­ter­grund Leben ein­zu­hau­chen und sie strah­len zu las­sen. Sol­che nütz­li­chen Infor­ma­tio­nen inner­halb kur­zer Aus­flü­ge in die Kunst­ge­schich­te oder in bio­gra­fi­sche Erzäh­lun­gen erleich­tern den Ein­stieg in jedes neue Kapitel.

»Die Welt im Licht der Far­be« ist kei­ne wis­sen­schaft­li­che Abhand­lung. Das Buch inspi­riert und lädt dazu ein, die eige­ne Umwelt ein biss­chen genau­er zu unter­su­chen. Ähn­lich wie der eif­ri­ge Schü­ler, dem wir die Far­be »Vio­lett« zu ver­dan­ken haben (S. 209), steckt hin­ter James Fox ein Far­ben­thu­si­ast, der mit sei­ner umfas­sen­den Recher­che ein ver­ständ­li­ches Gesamt­bild anfer­tigt, über die Ver­bin­dung zwi­schen Mensch und Farbe.