Einführung

Designer sollten Rhetoriker werden

Ohne Sprache kommt die Gestaltung nicht in Form

Von Volker Friedrich


»Nichts ist prak­ti­scher als eine gute Theo­rie.« Die­ser Satz wird vie­len Autoren zuge­schrie­ben, u. a. Imma­nu­el Kant.[1] Wer auch immer die Autoren­schaft für sich pro­kla­mie­ren darf, er hat einen klu­gen Satz geschrie­ben. Kant jeden­falls nennt Grün­de für die Theo­rie-Skep­sis, die unter Prak­ti­kern manch­mal zu fin­den ist[2]; die­se Theo­rie-Skep­sis gip­felt dar­in, dass man mit die­sen und jenen theo­re­ti­schen Über­le­gun­gen in der Pra­xis ja nichts anfan­gen könne.

Gestal­ter schei­nen häu­fig von einer gro­ßen Lei­den­schaft oder Lie­be zu ihrem Metier getra­gen zu wer­den, sie tun gern, was sie tun, und sind oft vom gesell­schaft­li­chen Nut­zen und Wert ihres Tuns über­zeugt, also auch von mora­li­schen und ethi­schen Vor­stel­lun­gen ange­trie­ben. Desi­gner üben ihre Pra­xis mit Inten­si­tät aus, ste­cken viel Ener­gie in die Ent­wick­lung von Ideen und Kon­zep­ten und deren Ver­wirk­li­chung. Fragt man Desi­gner jedoch, nach wel­chen Regeln sie arbei­ten, wel­che Sys­te­ma­ti­ken ihrer Pra­xis unter­lie­gen, wie ihr Tun theo­re­tisch unter­füt­tert wer­den kann, kommt nicht immer ein Gespräch in Gang. Man­che schwei­gen, man­che zei­gen – Bei­spie­le über Bei­spie­le, damit der Fra­ge­stel­ler die Ant­wort sehen möge. Weni­ge Gestal­ter, so befragt, wagen sich auf das Glatt­eis der Theorie …

Dar­an kann indes kein Zwei­fel bestehen: Design spielt in unse­rer Welt eine beträcht­li­che Rol­le, sei es bei der Gestal­tung von Pro­duk­ten oder von Kom­mu­ni­ka­ti­on – Design durch­webt den All­tag der Men­schen. Erstaun­lich ist vor die­sem Hin­ter­grund, dass Design – im Ver­gleich zu ande­ren Dis­zi­pli­nen – »unter­theo­re­ti­siert« ist: Auch wenn die Zahl der Publi­ka­tio­nen über Design­theo­rie wächst, so sind vie­le der Theo­rie­ent­wür­fe von einem hohen Abs­trak­ti­ons­grad gekenn­zeich­net und lei­der manch­mal auch von einer gerin­gen Kraft, Design als Pra­xis zu erklä­ren. Obgleich Desi­gner sich so vie­ler For­men­spra­chen zu bedie­nen wis­sen, man­gelt es an einer Spra­che für die Form. Desi­gner gestal­ten eben, dar­in drü­cken sie etwas aus – über das, was sie tun, klar, ver­ständ­lich und begrün­det zu reden, fällt ihnen nicht immer leicht, erst recht nicht, es mit Hil­fe einer strin­gen­ten Theo­rie zu tun. Gera­de dann aber, wenn Stu­den­ten an das Fach her­an­ge­führt wer­den und ihre Urteils­kraft schu­len sol­len, erscheint es mir uner­läss­lich, auch auf theo­re­ti­sche Ori­en­tie­run­gen zurück­grei­fen zu kön­nen, erst sie erlau­ben es, aus Ein­zel­fäl­len Struk­tu­ren her­aus­zu­fil­tern, die sich wie­der­ho­len und somit hand­lungs­lei­tend werden.

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