Ironie
lat. ironia, dissimulatio; griech. eironeia; dt. feiner, verdeckter Spott | | Mit Ironie wird »uneigentlich« gesprochen, das Gesagte steht im Gegensatz zum Gemeinten (»Golf ist der Sport für arme Leute«). Dieser mehr oder minder verdeckte Spott ist eine scharfe Waffe (läuft aber Gefahr, nicht dekodiert zu werden). | | Häufig wird in Illustrationen und Karikaturen mit Ironie gearbeitet, mancherorts ist sie ein beliebtes Stilmittel in der Werbung (z. B. in England).
Ethos
lat. mores; griech. ethos; dt. Charakter, Sitte, ethische Haltung | | Wie überzeugend (persuasiv) und wirkungsvoll kommuniziert wird, kann über die Appellfunktion einer Botschaft gesteuert werden: sie kann an Logos, Ethos oder Pathos appellieren. Ein Logos-Appell wendet sich an den Intellekt, wirbt mit Vernunftgründen, mit rationalen Argumenten; ein Ethos-Appell wendet sich an das moralische Empfinden, wirbt mit den Charaktereigenschaften des Senders, der Glaubwürdigkeit eines Produktes; ein Pathos-Appell wendet sich an die Emotion, versucht Gefühle hervorzurufen. | | Entscheidet der Gestalter, den Schwerpunkt auf den Ethos-Appell zu legen, so sieht er die größte Überzeugungskraft für ein Produkt z. B. in dessen, in des Herstellers und in seiner Seriösität und will darüber um die Gunst eines Kunden oder Betrachters werben.
Metonymie
lat. metonymia, denominatio, transnominatio; griech. metonymia; dt. Begriffsübertragung, Umbenennung | | Eine Metonymie ersetzt einen Begriff durch einen anderen, der ihm verwandt ist. In »Berlin schafft Steuern ab« steht »Berlin« für »die deutsche Bundesregierung«. | | Bedient sich visuelle Gestaltung einer Übertragung, so kann das der Wirkungsverstärkung dienen.
Symbol
lat. symbolum ; griech. symbolon; dt. Zeichen, Kennzeichen | | Ein Symbol ist ein Zeichen (sei es verbal, gegenständlich, visuell, akustisch), das für etwas anderes steht. Um diese Beziehung zwischen Zeichen und Bezeichnetem (in semiotischer Terminologie: Signifikant und Signifikat) zu verstehen, muss das Symbol entschlüsselt und gedeutet werden. | | In der Gestaltung sind Symbole von großer Bedeutung, mit ihnen werden Bezugnahmen auf Zusammenhänge außerhalb des Wahrnehmbaren hergestellt.
Metapher
lat. translatio; griech. metaphora; dt. Übertragung, Sprachbild | | Die Metapher dürfte die am häufigsten eingesetzte Stilfigur sein. Sie kann als verkürzter Vergleich beschrieben werden: Aus dem Vergleich »Achilleus ist wie ein Löwe« wird die Metapher »Achilleus ist ein Löwe«. Mit einer Metapher übertragen wir auf einen bestimmten Gegenstandsbereich Begriffe eines anderen Gegenstandsbereiches. Die Übertragung erfolgt direkt, ohne vergleichende Partikel wie »wie« oder »als ob«. Die große Wirkkraft unverbrauchter Metaphern wird mit ihrem Abweichen vom normalen Sprachgebrauch und Sprachgewohnheiten erklärt. | | Im Design spielen Metaphern auf vielen Ebenen ihre Rolle. So wird aus einem Computer-Eingabegerät eine »Maus« (begrifflich wie haptisch).
Personifikation
lat. fictio personae; griech. prosopopiia; dt. Vermenschlichung | | Wenn abstrakte Begriffe oder Sachen als Personen verkörpert und vermenschlicht werden, spricht die Rhetorik von »Personifikation«. | | Gestalterisch wird mit Personifikationen zum Beispiel in der Werbung gearbeitet, um Figuren zu schaffen (wie das »HB-Männchen« oder »Meister Proper«), die für bestimmte Eigenschaften und Qualitäten eines Produktes (Entspannung, kraftvolles Reinigen) stehen.
Persuasion
lat. persuasio; griech. peitho; dt. Überzeugung, Überredung | | Die Rhetorik fragt, wie durch Kommunikation Wirkung erzielt werden kann. Unter Persuasion versteht man eine Form der Kommunikation, die das Ziel hat, beim Adressaten Meinungs- oder Einstellungsveränderungen zu bewirken, ihn also zu überzeugen. | | Genau diese Aufgabe – zu überzeugen – stellt sich dem Designer, sowohl in der Gestaltung als auch in der Vermittlung der Gestaltung.
Gert Ueding
Prof. em. Dr. Gert Ueding, Literaturkritiker und Essayist, war von 1988 bis 2009 als Nachfolger von Walter Jens an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen Inhaber des seinerzeit einzigen Lehrstuhls für Rhetorik in Deutschland. Er gab das »Historische Wörterbuch der Rhetorik« heraus und zählt zu den bedeutendsten Rhetorikwissenschaftlern unserer Zeit.