Buchbesprechung

»Unternehmensstrategien sind auch Schreibstrategien«

Wie »Schreiben mit System« PR-Texte besser macht

Eine Rezension von Bettina Schröm


Wer glaubt, schreiben habe etwas mit der Muse zu tun, wird vom Buchtitel zunächst abgeschreckt: »Schreiben mit System« heißt der von Peter Stücheli-Herlach und Daniel Perrin herausgegebene Band. Das mutet sehr nüchtern an. Doch es lohnt die Lektüre, denn auf 230 Seiten haben verschiedene Autoren ein Kompendium für PR-Texter geschaffen, das viele Aspekte berücksichtigt und für Anfänger wie Fortgeschrittene Neues birgt.

Die Vielstimmigkeit wird hier zum Konzept: Vom Geschäftsbericht bis zur Rede, von der Wissenschaftskommunikation bis zur Mitarbeiterzeitschrift werden unterschiedliche Formen dessen betrachtet, was unter dem Thema »PR-Text« verstanden werden kann. Vielstimmigkeit ist im übrigen auch der grundlegende Tenor des Werks, den die beiden Herausgeber in ihrer Einleitung vorgeben: In Zeiten medialer Vielfalt sei es unmöglich, für jeden Anlass einen eigenen Beitrag zu schaffen, so die Annahme. Vielmehr gehe es darum, Kernaussagen in so genannten Textpartituren aufzufächern. Um im Bild zu bleiben: Das Orchester, das den Text spielen soll, setzt sich aus unterschiedlichen Medien und Darstellungsformen zusammen – Bild, Bewegtbild, Ton und Internet werden auf diese Weise einbezogen. Eine Story, viele Kanäle, so könnte das vereinfachte Motto aussehen, das in der Praxis aber doch einer gewissen Virtuosität bedarf. Und der Schreiber trägt Verantwortung: »Zentrale Unternehmensaufgaben sind immer auch Schreibaufgaben, Unternehmensstrategien sind immer auch Schreibstrategien, organisatorische Rollen sind Schreibrollen« (s. S. 22), so die Herausgeber.

So ist es gut, dass einzelne Themen doch noch einmal genauer unter die Lupe genommen werden. Der Band, der am Institut für angewandte Medienwissenschaft der Zürcher Hochschule Winterthur entstanden ist, widmet sich sowohl der Strategie als auch der konkreten Umsetzung. Es geht ganz allgemein darum, wie man überhaupt über Unternehmensidentität schreibt und sie damit in gewisser Weise konstituiert, und es geht um konkrete Formen, das zu tun. Die Autoren widmen sich dabei dem geschriebenen und gesprochenen Wort, sie berücksichtigen auch Bereiche wie Politik- und Wissenschaftskommunikation und sogar die Gestaltung von Texten. Dass sie allesamt Spezialisten ihrer jeweiligen Themen sind, macht das Buch auch für PR-Erfahrene interessant.

Eine übersichtliche Gestaltung, die Beispiele einrückt und am Ende der jeweiligen Kapitel das Wichtigste noch einmal zusammenfasst, macht es dem Leser leicht. Wer sich weiter vertiefen möchte, dem bieten ausführliche Angaben zur weiterführenden Literatur mannigfache Anregungen.

Eines wird gerade in der Summe deutlich. PR-Texte sind zwar nicht unbedingt auf den Musenkuss angewiesen, eine Kunst ist das Schreiben im Rahmen professioneller Kommunikation aber durchaus – allerdings eine Kunst, die sich systematisch erlernen und verbessern lässt.


»Sprache für die Form«, Ausgabe Nr. 3, Herbst 2013