Mythen des Alltags
Postkarte
Kleines Medium mit großer Wirkung
Im Briefkasten: Werbung, Rechnung, Bußgeldbescheid – die Laune könnte nicht tiefer sinken. Aber unter den vielen weißen Umschlägen ragt ein buntes, glänzendes Kärtchen hervor. Vorne: Strand, Palmen, Meer – ein Paradies. Hinten, handschriftlich: »Mit sonnigen Urlaubsgrüßen aus Costa Rica!«
Eine Postkarte ist das ideale Beispiel für eine kleine Geste mit großer Wirkung. Besonders der Überraschungseffekt macht aus dem handgeschriebenen Gruß etwas viel Größeres. Die Postkarte ist ein »emotionales Luxusgut«.[1] Sie vermittelt dem Empfänger, einen hohen Stellenwert bei dem Absender zu haben. Statt in einer schnelllebigen, entmaterialisierten Welt eine weitere digitale Nachricht zu erhalten, spürt man bei einer Postkarte echte Menschlichkeit. Man stellt sich vor, wie der Absender durch einen dieser Metall-Drehständer in einem Allerleiladen suchte, um eine passende Karte zu finden. Urlaubserinnerungen kommen hoch, mit etwas Phantasie kann man sogar den Duft dieser kleinen Läden riechen: eine Melange aus Kaffee, Gelato, Gebäck, gemischt mit Sonnencreme und Waschpulver.
»Wer hat uns denn eine Postkarte geschickt?!« Anhand der Motivwahl können bereits Rückschlüsse auf den Versender gezogen werden. Das Design von Postkarten reicht von einer formatfüllenden Fotografie über collageartige Überlagerungen verschiedener Motive bis hin zu wilden Zusammenstellungen aus Schrift, Illustrationen und Bildern. Die meisten Postkarten teilen jedoch einen gewissen Grad an Kitsch und viel Photoshop. Und sie lösen Erinnerungen und Gefühle aus. Beat Schlatter schreibt in seinem Buch »Postcards«: »Eine Postkarte (…) kurbelt das Fernweh an und stillt vorübergehend die Sehnsucht.«[2] Wer das öfter erleben möchte, kann sich bei der Internetplattform »Postcrossing« anmelden. Das im Jahr 2005 gegründete Projekt funktioniert nach einem simplen Prinzip. Man versendet eine Postkarte an einen Nutzer und im Gegenzug erhält man von irgendwo auf der Welt einen Gruß zurück.[3] Laut Veit Didczuneit vom »Museum für Kommunikation Berlin« macht nämlich auch der Aspekt, dass die Karte »den Weg physisch gegangen« ist, das Phänomen Postkarte aus.[4] Alexander Edenhofer, der Sprecher der »Deutschen Post«, ergänzt, dass Postkarten nachhaltiger seien, denn Empfänger behalten sie länger.[4] Nicht ohne Grund findet man in Kisten voll Erinnerungsstücke oft auch die eine oder andere Postkarte.
»Und was steht hinten noch drauf?!« Nach einer Umfrage von »mypostcard«, steigt die Zahl an Menschen, die regelmäßig Postkarten versenden, seit den letzten Jahren wieder an.[5] Man könnte Kurse im Postkartenschreiben anbieten, sofern man die Überzeugung einer Münchner Postkartensammlerin teilt: Sie findet, es könnten auf einer ganz kleinen Fläche, einem kleinen Stück Papier, riesengroße Geschichten erzählt werden.[6] Egal ob dieses Potenzial ausgeschöpft wird oder ob die meisten Absender bei einem Ein- bis Zweizeiler und sonnigen Grüßen bleiben, die Hauptaussage einer Postkarte bleibt gleich: Man befindet sich an dem auf der Vorderseite abgebildeten Ort und man hat an den Empfänger gedacht. Oder wie der französische Philosoph Jacques Derrida sehr romantisch sagte: »Im Grunde liegt der Postkarte (…) eine einfache Formel zugrunde, nämlich ›Ich liebe dich‹«.[7]
- [1] https://www.wuv.de/Archiv/150-Jahre-Postkarte-Revival-des-Urlaubsgrußes, Stand: 22.12.2022.
- [2] Schlatter, Beat: Postcards. Basel: Christoph Merian Verlag, 2020. S. 8.
- [3] https://www.postcrossing.com, Stand: 22.12.2022.
- [4] https://www.spiegel.de/reise/fernweh/postkarten-werden-immernoch-gern-verschickt-a-987090.html, Stand: 22.12.2022.
- [4] https://www.spiegel.de/reise/fernweh/postkarten-werden-immernoch-gern-verschickt-a-987090.html, Stand: 22.12.2022.
- [5] https://www.lifepr.de/inaktiv/mypostcard-postkarten-app-berlin-ug-haftungsbeschraenkt/Umfrage-Deutschlands-Postkartenversand-in-Zahlen-Kommunikation-in-Zeiten-von-Corona/boxid/819357, Stand 22.12.2022.
- [6] https://www.ardmediathek.de/video/schwaben-altbayern/die-gute-alte-postkarte/br-fernsehen/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvL2M0MmI3YWRiLWNmODYtNDhhYS04ODdiLWU3YzJiOTUzM2I1NA, Stand 22.12.2022.
- [7] https://www.arte.tv/de/videos/094484-008-A/geschichte-schreiben/, Stand 22.12.2022.
Buchbesprechung
“Control the narrative”
Ellen Lupton über »Storytelling« im Design
Jedes Designprodukt erzähle eine Geschichte, so der Standpunkt der Autorin Ellen Lupton und der Ausgangspunkt ihres Buches »Design is Storytelling«. Im Buch untersucht die Autorin die Psychologie der visuellen Kommunikation aus Sicht des »Storytellings« und regt an, »Storytelling« im Design zu nutzen. »Design is Storytelling« ist eine Inspiration und Sammlung für kreatives Denken, das zeigt, wie mit narrativen Techniken bedeutende Grafiken, Produkte, Dienstleistungen und Erlebnisse gestaltet werden können.
Das Buch »Design is Storytelling« ist in die Bereiche »Action« (S. 3), »Emotion« (S. 3) und »Sensation« (S. 3) gegliedert. Im ersten Kapitel, »Action«, wird das Grundgerüst des »Storytellings« beschrieben. Anhand literarischer Geschichten werden der schematische Aufbau einer Geschichte erklärt und verschiedene Strategien zum Festlegen einer Narration gezeigt. Beispiele aus dem Design unterstützen das Geschriebene. Das zweite Kapitel, »Emotion«, handelt von der Ausgestaltung einer Geschichte. Hier geht es um die Emotionen, die mit bestimmten gestalterischen Mitteln beim Betrachter ausgelöst werden sollen. Das dritte Kapitel des Buches, »Sensation«, ist der Wahrnehmung gewidmet. Man erfährt, wie ein Mensch Dinge wahrnimmt und wie man diese Wahrnehmungsmuster für die Gestaltung eines Designproduktes nutzen kann. Am Ende des Buches gibt es zusätzliche Hilfestellungen, die die erlernten »Tools« (S. 12) ergänzen.
Im ersten Kapitel, »Act 1: Action« (S. 15), wird der Handlungsaufbau einer Geschichte veranschaulicht. Am Beispiel des klassischen Märchens »Die drei kleinen Schweinchen« macht Lupton den Aufbau eines Erzählbogens sichtbar und zeigt, anhand der Raumgestaltung von »Ikea« und verschiedenen Ausstellungsräumen, wie der »Narrative Arc« (S. 22) im Design genutzt wird und welche unterschiedliche Wirkungen beim Kunden hervorgerufen werden können. Der Kunde soll zum Held der Geschichte werden, die der Designer entstehen lässt: »control the narrative« (S. 31). “Sounds, Materials, and graphics add atmosphere and build dramatic tension.” (S. 33) Mehrere Illustrationen verbildlichen das Beschriebene. Wie sich die Wichtigkeit dieser »experience economy« (S. 66) von der Vergangenheit bis hin zur Gegenwart entwickelt hat, wird im zweiten Kapitel thematisiert. In der zweiten Hälfte des ersten Kapitels werden Techniken genannt, mit denen man den Erzählbogen im Designprozess abbilden kann. Mit dem »Storyboard« (S. 34) soll man die Szenen eines Films und den Nutzerverlauf von interaktiven Medien darstellen können, die »Rules of Threes« (S. 40) helfe bei der Entwicklung überraschender Geschichten, und »Scenario Planning« (S. 44) und »Design Fiction« (S. 50) erweitern das Wissen zur Gestaltung von Geschichten.
In zweiten Kapitel, »Act 2: Emotion« (S. 57), werden gestalterische Mittel gezeigt, mit denen man den Inhalt einer Geschichte detailliert ausschmücken und Emotionen beim Betrachter auslösen kann, um ihn zur Handlung zu Bewegen. Zu Beginn des Kapitels beschreibt Lupton, wie Emotionen entstehen und welche Grundbedürfnisse des Menschen erfüllt sein müssen, um bestimmte Emotionen wecken zu können. Designer sollen sich zu Beginn des Designprozesses überlegen, welche Emotionen beim Betrachter ausgelöst werden müssen, um ihn zur Handlung zu bewegen (“Emotion triggers action”, S. 60). Um das Nutzererlebnis eines Kunden nachvollziehen zu können, empfiehlt Lupton allen Designern, im Rahmen der »emotional journey« (S. 72) eigene erfahrbare Situationen zu beobachten und zu bewerten. Dadurch soll der Designer feststellen können, welche Aktionen angenehm waren und welche verbessert werden könnten. Diese gewonnenen Erkenntnisse sollen im Entwicklungsprozess eines Designproduktes verwendet werden. Luptons beliebtes Beispiel der Märchen spielt auch hier wieder eine Rolle (“Imagine that Cinderella’s fairy godmother is a digital product. What ratings would this fictional app earn for customer experience?”, S. 76). Komplementierende Strategien während des Designprozesses seien die Erstellung von »Personas« (S. 90) und die Überprüfung von Designideen mithilfe der »Co-creation« (S. 82). In »Color and Emotion« (S. 104) wird über die kulturell abhängige Bedeutung von Farben gesprochen und wie in der Designbranche diese unterschiedlichen Wahrnehmungen genutzt werden. Und in »Emoji« (S. 100) zeigt Lupton anhand mehrerer Illustrationen, welche Wirkungsweisen die unterschiedlichen Positionierungen von einfachen Strichen haben können.
Im dritten Kapitel, »Act 3: Sensation« (S. 113), spricht Lupton über die Art, wie das Gehirn Dinge wahrnimmt und wie dies für die Gestaltung genutzt werden kann. Hinterlegt werden die Schilderungen mit verschiedenen Studien. Beispiele, mit denen der Leser die beschriebene Wahrnehmung testen kann, liefert Lupton gleich mit. Zudem stellt Lupton Plakate und Illustrationen vor, bei denen das Wissen, in welcher Reihenfolge das Auge Dinge wahrnimmt, genutzt wurde, um bildhafte Hierarchien entstehen zu lassen, die zu Geschichten werden. Dass sich ein Designer nicht nur auf die visuelle Gestaltung konzentrieren soll, zeigt Lupton mit dem »Tool« »Multisensory Design« (S. 142). Mit dem Ansprechen von Geschmacks-, Hör- und Tastsinn könne ein Designprodukt oder eine Dienstleistung vollkommen abgerundet werden – und eine Sensation entstehen.
Am Ende des Buches gibt Lupton zusätzliche Hilfestellungen, die die erlernten Fähigkeiten des »Storytellings« ergänzen sollen. Mit »Improve your writing« (S. 154) soll man das Schreiben von Texten verbessern können, mit »Project Generator« (S. 156) das »Storytelling« anhand vorgegebener Themen üben. Durch die angegebenen Kapitel, auf die sich die jeweilige Übung bezieht, lässt sich der Inhalt des Buches verinnerlichen. Das Buch wird mit einer Checkliste zusammengefasst, mit der man eigene Designprodukte auf die im Buch beschriebenen Aspekte des »Storytellings« überprüfen kann.
Luptons Buch »Design is Storytelling« ist eine Sammlung hilfreichen Wissens und Techniken, mit denen man das »Storytelling« in seiner Designarbeit verbessern kann. Zu jedem Thema und jeder Grafik gibt es Quellenverweise, die ermöglichen, sich näher über das jeweilige Thema zu informieren. Nachdem man den Anfang des ersten Kapitels gelesen hat, sind die »Tools« innerhalb der Kapitel so unterteilt, dass sie alleine verständlich sind und nicht in der angegebenen Reihenfolge gelesen werden müssen. Bei den Einteilungen des Buches hat Lupton Bezeichnungen aus dem Theater übernommen. Das Buch wird eingeleitet mit “Curtain is closed. Stage is dark” (S. 4) und beendet mit “Curtain close, and house lights come up. Search the area for personal belongings.” (S. 152) Die Kapitel sind wie Szenenanfänge beschrieben: »Act 1« (S. 15), »Act 2« (S. 57), »Act 3« (S. 113). Lupton spricht also nicht nur im Text über das »Storytelling«, es wird auch gestalterisch direkt angewandt. So hat der Leser das Gefühl, beim Lesen in ein Schauspielstück einzutauchen und das »Storytelling« selbst zu erleben.
Ellen Luptons Schreibstil ist leicht verständlich, thematische Fachwörter werden in einem einfachen Englisch wiedergegeben. Sie spricht den Leser direkt an und sorgt für ein Gefühl des realen Gespräches. Der Text ist humorvoll geschrieben und angenehm zu lesen. Dass Ellen Lupton eine langjährige Kuratorin für zeitgenössisches Design war, merkt man vor allem bei den Beispielen im Interior Design. Die vorgezeigten, teils auch sehr bekannten, Beispiele und begleitenden Grafiken unterstützen das Geschriebene und betonen, dass »Storytelling« im erfolgreichen Design schon lange praktiziert wird. Von Kommunikationsdesignern, Produktdesignern und Editorial Designern bis hin zu Markenstrategen, Studenten und Kunden – empfehlenswert ist das Buch für »anyone interested in using design to inspire action and stir emotion« (S. 6).
Mythen des Alltags
Schlüsselschüssel
Der einzig wahre Platz für den Schlüssel
Nach einem langen Arbeitstag kommt man nach Hause, parkt das Auto auf der Straße vor dem Wohnhaus, steigt aus, läuft zum Haus, schließt die Haustüre auf, schleppt sich und seine Einkäufe in den 4. Stock, versucht die Wohnungstüre aufzuschließen, ohne die Einkaufstüten fallen zu lassen, schiebt die Tür auf, stellt die Tüten ab, schubst die Türe hinter sich zu, streift sich die Schuhe von den Füßen und schmeißt den Schlüssel in die Schüssel.
Jeder kennt sie. Viele haben eine in in der Wohnung, im Haus – hinter vielen Haus- und Wohnungstüren ist sie zu finden: die Schlüsselschüssel. Vielleicht nicht unbedingt als Schüssel, nicht immer in der gleichen Variante oder Art und Form. Aber fast jeder hat einen bestimmten Ablageort für seinen Schlüssel – ob Schüssel, Teller, Brett, eine bestimmte Stelle auf einem Schrank, Tisch oder Sideboard, ein Haken an der Wand oder ein gekauftes Gadget, extra nur für diesen einen Zweck: nicht den Schlüssel zu verlieren, zu verlegen oder zu vergessen.
Schlüssel sind das Werkzeug zum Verschließen und Öffnen eines Schlosses, z. B. eines Türschlosses.[1] Es gibt viele Arten von Schlüsseln, darunter Bauschlüssel, Buntbartschlüssel, Dreikantschlüssel, Kleinzylinderschlüssel, Nachschlüssel und Zylinderschlüssel.[2] Der Aufbau eines Schlüssels besteht aus verschiedenen Komponenten; dazu gehören die Reite, das Gesenk, der Halm und der Bart. Früher bestanden Schlüssel meist aus Holz, später - und heute ausschließlich - aus Metall. Schon in der Bronzezeit, ab ca. 1300 v. Chr., wurden Schlüssel hergestellt, diese waren 30 bis 50 cm lang[3], heute meist wenige Zentimeter, um die 5-7 cm. Mehrere Schlüssel an einem (Schlüssel)Ring ergeben ein Schlüsselbund. Pro Schloss gibt es im Regelfall zwei Schlüssel, außer bei Wohnungsschlüssel, da gilt der Grundsatz: so viele Schlüssel wie Bewohner.[4] Falls mehr Schlüssel gebraucht werden, kann man zum Schlüsseldienst gehen, wo die Sicherungskarte[5] vorgelegt werden muss. Die Sicherungskarte bekommt der Käufer einer Schließanlage als Eigentumsnachweis, damit er den Schlüssel nachmachen kann. Lieber einen Schlüssel zu viel, als einen zu wenig. Für den Fall, dass man sich dennoch aussperrt, gibt es den Schlüsseldienst, der dabei hilft, wieder in die eigene Wohnung zu gelangen. Leider kann dies sehr kostspielig enden. Eine Notöffnung kann unter der Woche bis zu 100 €, nachts und am Wochenende sogar bis zu 250 € kosten.[6] Besonders teuer wird es, wenn man in einem Mehrfamilienhaus wohnt, seinen Schlüssel verliert und daraufhin im gesamten Gebäude alle Schlösser ausgetauscht und alle Schlüssel erneuert werden müssen. Das Gleiche gilt für öffentliche Gebäude oder Bürogebäude. Gehen wir einmal davon aus, jeder Mensch in Deutschland besitzt nur drei Schlüssel (Haus, Auto und Briefkasten), wären das schon 249600000 Schlüssel. Etwa alle 35 Minuten geht in Deutschland ein Schlüssel verloren. Das sind 800000 verlorene Schlüssel pro Jahr und ein Gesamtschaden von 100 Millionen Euro.[7]
Man ist wieder spät dran, eigentlich sollte man schon längst unterwegs sein. Schuhe und Jacke sind angezogen, die Tasche ist gepackt. Die Hand greift schon automatisch in Richtung Schlüsselschüssel, die Augen drehen sich langsam hinterher – und kurz bevor die Hand die Schüssel erreicht, sehen die Augen, dass die Schüssel leer ist. Die Hände tasten den Körper ab – ohne Ergebnis. Dann fängt das große Suchen an. Ist er vielleicht noch in der Hosentasche von gestern, in die Sofarille gerutscht, irgendwo hineingefallen oder steckt er noch im Auto?[8] Nach langem Suchen, einer noch längeren Verspätung findet man ihn unterm Bett, weil er beim Ausziehen der Hose gestern Abend herunter und darunter gefallen ist.
Es werden viel Zeit und besonders Nerven gespart, wenn man sich hinter der Eingangstüre einen festen Platz für seinen Schlüssel platziert und diesen in seinen Alltag integriert …
- [1] de.wikipedia.org/wiki/Schlüssel, Stand 13.1.2023.
- [2] www.wagner-sicherheit.de/schluesseldienst/schluessel/, Stand 13.1.2023.
- [3] de.wikipedia.org/wiki/Schlüssel, Stand 13.1.2023.
- [4] www.juraforum.de/news/wie-viele-wohnungsschluessel-fuer-die-haustuer-bekommt-ein-mieter_247342, Stand 13.1.2023.
- [5] www.schliessanlagen365.de/news/was-ist-eine-sicherungskarte, Stand 13.1.2023.
- [6] www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/ausgesperrt-wo-der-schluesseldienst-besonders-viel-verlangt/21135544.html, Stand 13.1.2023.
- [7] www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/weitere-versicherungen/generalschluessel-verloren-drohende-kosten-bis-zum-preis-eines-kleinwagens-10679, Stand 9.11.2022.
- [8] www.isteshaltbar.de/frage-und-antwort/wie-viele-menschen-verlieren-ihre-schluessel, Stand 9.11.2022.
Buchbesprechung
»Notfalls das Konzept überdenken«
Internationales Jahrbuch behandelt angewandte Rhetorik
Mit den Wörtern ist es wie mit dem Fußball: Am Ende zählt das Ergebnis. Bleibt etwas hängen? Hat man überzeugt? Oder sind Leser und Zuhörer einfach nur froh, wenn der Schlusspfiff ertönt? Insofern kann bezüglich der Rhetorik auch eine Fußball-Weisheit abgewandelt herhalten: Die Wahrheit liegt auf dem Blatt. Und dann, je nach Medium, natürlich auch noch in der Stimme, der Mimik, der Gestik, der Erscheinung. Seit der Antike sind es die Rhetoriker, die sich in Theorie und Praxis darüber auslassen, wie all jene Dinge einzusetzen sind und wie man die Wörter auf dem Blatt so gruppiert, dass sie die gewünschte Wirkung haben. Doch die beiden Parteien – Theoretiker und Praktiker – sind im Lauf der Jahrhunderte ein wenig auseinandergedriftet, schreibt in seinem Vorwort zum Rhetorik-Jahrbuch (Nr. 41) der Bandherausgeber Volker Friedrich.
Hier eine Annäherung zu schaffen, ist eines der Anliegen der Publikation, die sich der »angewandten Rhetorik« widmet und ganz unterschiedliche Schlaglichter wirft auf rhetorisches Handeln. Zumindest in der Lehre tätige Menschen dürften gleich in mehreren Kapiteln auf interessante Aspekte treffen. Von der Schreibdidaktik an Hochschulen bis zur Rhetorik in Videokonferenzen, von den »Frames« in der Berichterstattung über künstliche Intelligenz bis zur Moderation von Kulturveranstaltungen: Es geht hier vorwiegend um Sprech- und Schreibanlässe, die vielen Menschen vertraut sind. Matthias Bernstorfs Aufsatz über »Die Trauerrede in öffentlichen Deutungsmachtkonflikten« bildet da fast eine »klassische« Ausnahme.
Und es geht ums Gefühl: Bernd Steinbrink holt das Rhetorik-Handwerk in Anlehnung an den amerikanischen Psychologen Robert Cialdini aus dem Rationalen und zeigt, welche emotionalen Mechanismen wirksam werden – gerade auch, um den eventuellen Missbrauch erkennen zu können: »Nur die Reflektion und Analyse kann davor schützen.« (S. 4)
Helmut Eberl nimmt sich in dem Text »Über Gefahren der Ausdruckslosigkeit und den schönen Schein« die Antrittsrede des aktuellen Bundespräsidenten Steinmeier analytisch zur Brust – und fällt ein recht kritisches Urteil zur dort gezeigten Überzeugungskraft des Staatsoberhaupts.
Wie wir Videokonferenzen rhetorisch überzeugender und kurzweiliger gestalten können, ist Anliegen von Jürg Häusermann in »Online-Rhetorik«, und wer den Text gelesen hat, wird sich beim digitalen Meeting nicht mehr naiv vor eine x-beliebige Kulisse setzen. Ebenso aktuell ist die Untersuchung von Alicia Sommerfeld. Sie offenbart, welche Narrative rund um das Thema »KI Made in Europe« die Medienberichterstattung bestimmen.
Viktoria Kirjuchina und Thomas Grundnigg zeigen im Beitrag »Visuelle Rhetorik zwischen Theorie und Praxis«, wie die bewusste Anwendung rhetorischer Methoden Designern auf die Sprünge helfen kann – oder besser könnte, wenn sich die Designtheorie stärker auf die Rhetorik besinnen würde. In der Trennung von »Argument« und »Ausdruck« sehen die Autoren ein entscheidendes Moment, und mit dem Begriff »Überzeugungsnarrativ« schlagen sie eine überzeugende Brücke zum »visual storytelling«.
Monika Oertner schildert in ihrem Text »Ignorantia doctorum – Hochschulschreibdidaktik und die Rhetoriktradition«, wie die Schreibberatungen an Hochschulen von rhetorischen Modellen profitieren können und was die Rhetorik zur Schreibdidaktik beitragen kann.– In einer mündlichen Hochschultradition stehen die zahlreichen Debattierclubs, die es unterdessen gibt. Elisa Schwarz und Daniil Pakhomenko zeigen in »Wir müssen reden«, dass dort noch nicht alle Potenziale ausgeschöpft werden und mit Hilfe eines rhetorischen Unterbaus bessere Ergebnisse erzielt werden könnten.
Am Ende des Bandes steht ein Interview, das der Herausgeber mit Olga Mannheimer geführt hat »Über die Moderation von Kulturveranstaltungen«. Mannheimer ist Übersetzerin, Lektorin, Literaturexpertin und erfahrene Moderatorin. Ihre Ratschläge sind kurzweilig und hilfreich. Abgesehen von der Uhr als wichtigstem Werkzeug eines Moderators empfiehlt sie: »flexibel bleiben und notfalls das Konzept überdenken« (S. 120) – ein Ratschlag, den man gerne mit ins restliche Leben nimmt.– Ergänzt werden die Beiträge um Rezensionen aktueller Fachliteratur.