Filmbesprechung

Everybody switch chairs”

Für Perspektivwechsel plädiert »Design & Thinking«

Why do you need a bridge?” fragt Mana­ge­rin Sara Beck­mann ihre Stu­den­ten. Mit einer klei­nen Geschich­te über einen Kun­den, der einen Auf­trag für einen Brü­cken­bau ver­gibt, ver­mit­telt sie das Ver­ste­hen und Hin­ter­fra­gen einer Auf­ga­be. Die Ant­wort scheint sim­pel: “I want to get to the other side.” Doch dafür gibt es auch ande­re Mög­lich­kei­ten: einen Tun­nel oder ein Boot. “Why do you need to get to the other side?” – “I have to deli­ver a mes­sa­ge.” Mit die­ser Infor­ma­ti­on kön­ne man sich dann auf die wirk­li­che Lösung der Auf­ga­be kon­zen­trie­ren, so Beck­man: Was ist der bes­te Weg, um die Nach­richt auf die ande­re Sei­te zu bekom­men?[1]

Sie illus­triert mit die­sem Bei­spiel, wor­auf es den »Design & Thinking«-Machern ankommt: sich los­zu­lö­sen vom übli­chen Pro­blem- und Lösungs­den­ken und dafür das Den­ken in Alter­na­ti­ven zu üben. Die sei­en dann zu fin­den, wenn man nicht das Pro­dukt, son­dern die Bedürf­nis­se des Nut­zers ana­ly­sie­re. »Design and Thin­king« wur­de 2012 von Muris Media[2] in Zusam­men­ar­beit mit dem Tai­pei Design Cen­ter U.S. ver­öf­fent­licht. Desi­gner, Mana­ger, Inge­nieu­re und Regis­seu­re haben dabei inter­dis­zi­pli­när zusam­men­ge­ar­bei­tet. Meh­re­re Aus­zeich­nun­gen folg­ten, der Film sei, so steht es auf der Home­page,  in 40 Län­dern auf 400 Events gezeigt wor­den, u. a. an der Har­vard Uni­ver­si­tät und bei Microsoft.

»Design & Thin­king« ist ein Doku­men­tar­film. Es geht um das Kon­zept eines Gestal­tungs­pro­zes­ses in sei­ner gan­zen Viel­falt. Dabei wird der Gestal­tungs­pro­zess aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven beleuch­tet. Men­schen aus unter­schied­li­chen Fach­be­rei­chen wer­den im Por­trät gezeigt und zu Beginn gefragt, was sie selbst unter »Design Thin­king« ver­ste­hen. Dabei sind unter­schied­li­che Beru­fe ver­tre­ten: Natür­lich Desi­gner, aber auch Geschäfts­män­ner, Päd­ago­gen, Unter­neh­mer, Fahr­rad­fah­rer, Chef­kö­che, Wis­sen­schaft­ler, Fil­me­ma­cher etc. Alle erzäh­len davon, was sie in ihren Beru­fen gestal­ten. Den  Fil­me­ma­chern geht es dabei dar­um zu zei­gen, wie Men­schen mit ihrem krea­ti­vem Den­ken die Welt ver­än­dern kön­nen. Und die bunt gewähl­te inter­dis­zi­pli­nä­re Mischung legt den Sach­ver­halt aus der Per­spek­ti­ve von Men­schen dar, die den Begriff wei­ter fas­sen als der Desi­gner es sel­ber tut.

In 16 Kapi­teln wird der Betrach­ter von der ein­lei­ten­den Fra­ge »What is design thin­king?« in ver­schie­de­ne Berei­che geführt. Die­se behan­deln unter ande­rem »Recher­che, Modell­bau, Arbeits­um­feld und Team­work«, aber auch Spe­zi­fi­sche­res wie das The­ma »Desi­gner in einer Geschäftswelt«.

Der Begriff »Design Thin­king« wird dabei brei­ter defi­niert als gemein­hin üblich. Ein Bei­spiel dafür soll hier auf­ge­führt wer­den, da es wie das ein­lei­ten­de Brü­cken-Bei­spiel von Nicht-Gestal­tern gege­ben wur­de und viel­leicht gera­de des­halb den Ablauf auf den Punkt trifft. Paul Pan­ga­ro beschreibt den Design-Thin­king-Pro­zess sehr sim­pel, bevor er ihn wei­ter aus­führt: “First you think and then you make.”[3] Er teilt den Pro­zess in logi­sche  Arbeits­schrit­te: Zuerst müs­se man den Benut­zer defi­nie­ren und sei­ne Bedürf­nis­se ver­ste­hen sowie mit­tels Eth­no­gra­fie und Beob­ach­tung die­se Bedürf­nis­se genau in Erfah­rung brin­gen. Sein nächs­ter Arbeits­schritt ist ein Brain­stor­ming mit anschlie­ßen­der Aus­wahl. Zuletzt wird ein Pro­to­typ erstellt, wel­cher fort­lau­fend durch Ite­ra­ti­on[4] ver­bes­sert wird. Aller­dings – dar­in sind sich auch die Fil­me­ma­cher einig – kann Design nicht auf eine For­mel redu­ziert wer­den. Es blei­ben letzt­lich unend­lich vie­le Vari­an­ten für die Lösung eines Pro­blems. Krea­ti­vi­tät soll nicht in Algo­rith­men über­setzt wer­den.[5]

Der Film fokus­siert dar­auf, ver­schie­de­ne Facet­ten von Krea­ti­vi­tät und Erfin­der­geist zu zei­gen. Gestal­tung, so die Macher, ent­wi­ckelt sich weg von der Tätig­keit des klas­si­schen Gra­fi­kers hin zu einer Dis­zi­plin, die unter­schied­li­che Fach­be­rei­che ein­be­zieht. Dem­entspre­chend wird der Begriff »Desi­gner« neu defi­niert. Ziel der Fil­me­ma­cher ist es, Mög­lich­kei­ten zu zei­gen, wie man Orga­ni­sa­tio­nen dazu bewe­gen kann, sich Gedan­ken über das sich ver­än­dern­de Umfeld von Wirt­schaft, Kul­tur und Gesell­schaft zu machen. Die Her­aus­ge­ber beschrei­ben ihren Film sel­ber als einen Auf­ruf zu unkon­ven­tio­nel­lem Den­ken und inter­dis­zi­pli­nä­rer Zusam­men­ar­beit – und die­se Vor­stel­lung haben die Macher selbst bei­spiel­haft umge­setzt. Alle sind Gestal­ter, jeder gestal­tet etwas, das ist die Grund­an­nah­me der Regis­seu­re. Die Tätig­keit der visu­el­len Gestal­ter mit einer künst­le­ri­schen Grund­aus­bil­dung, wird dabei aller­dings weder aus­rei­chend dif­fe­ren­ziert betrach­tet noch ein­be­zo­gen. Der klas­si­sche Gra­fik­de­si­gner, der inhalt­lich sowie optisch gestal­tet, kommt so zu kurz.

Buchbesprechung

»Eine Schale Tee«

Frank Berzbach regt zur Achtsamkeit im Kreativalltag an

»Wie wol­len wir leben?« (S. 14), fragt Frank Berz­bach und rich­tet sich dabei an Krea­ti­ve, die in einer Bran­che arbei­ten, in der Arbeit oft zu einem gro­ßen Teil Lebens­form gewor­den ist und auch wei­ten Ein­fluss auf das Pri­vat­le­ben nimmt. Eine Situa­ti­on, die dann zum Pro­blem wer­den kann, wenn die Arbeit alle Lebens­be­rei­che bestimmt, das Los­las­sen immer schwie­ri­ger wird und in der Frei­zeit die ver­meint­li­che Untä­tig­keit zu Schuld­ge­füh­len führt. (S. 14)

In sei­nem ers­ten Buch zum The­ma Krea­tiv­all­tag »Krea­ti­vi­tät aus­hal­ten, Psy­cho­lo­gie für Desi­gner«[1] hat Frank Berz­bach einen Kata­log von Mög­lich­kei­ten vor­ge­stellt, die zu einem erfolg­rei­chen Krea­tiv­all­tag füh­ren kön­nen. In »Die Kunst ein krea­ti­ves Leben zu füh­ren, Anre­gung zu Acht­sam­keit« wen­det er sich nun an »Men­schen, für die Krea­ti­vi­tät eine grund­sätz­li­che Lebens­form ist« (S. 14), und setzt in den sechs Kapi­teln »Das Leben als Ate­lier«, »Die Kunst zu arbei­ten«, »Krea­ti­vi­tät ist eine stil­le Ange­le­gen­heit«, »Leben und Lei­den«, »Krea­ti­vi­tät und Spi­ri­tua­li­tät« und »Eine Scha­le Tee« den Fokus auf den Ursprung schöp­fe­ri­schen Han­delns und die inne­re Hal­tung gegen­über der eige­nen Arbeit.

Nur wer als Krea­ti­ver unzu­frie­den mit dem Ist-Zustand einer Sache ist, kann schöp­fe­risch aktiv und gestal­te­risch tätig wer­den. Die­se Unzu­frie­den­heit kann aber auch zu einem nega­ti­ven inner­li­chen Druck her­an­wach­sen (S. 21 ff.) Hin­zu kommt der sich selbst auf­er­leg­te Anspruch, sich als Per­son stän­dig selbst zu defi­nie­ren, da ein durch die Gesell­schaft zuge­wie­se­ner Platz fehlt (S. 120). Die­se Kom­bi­na­ti­on führt im schlimms­ten Fall zu Depres­si­on und »burn­out«.

Als Ursa­che für den hohen Anspruch an sich selbst sieht der Autor die moder­ne Leis­tungs­ge­sell­schaft, die eine Unfä­hig­keit zur Muße her­vor­ge­bracht hat. Ohne schlech­tes Gewis­sen kön­ne heu­te kaum jemand mehr nicht arbei­ten. (S. 46) Frank Berz­bach wirft die Fra­ge auf, mit wel­cher inne­ren Hal­tung wir unse­re Arbeit absol­vie­ren und wie wir Druck im Arbeits­le­ben begeg­nen kön­nen. Dazu bie­tet er eine Rei­he von Lösungs­an­sät­zen an, die eine Anre­gung zur Beschäf­ti­gung mit dem The­ma Acht­sam­keit sind.

Anhand der Aus­ein­an­der­set­zung mit Ele­men­ten aus der Spi­ri­tua­li­tät, außer­halb strik­ter Glau­bens­struk­tu­ren und fern der Eso­te­rik, gibt Berz­bach Anre­gun­gen zur Betrach­tung des eige­nen Lebens. Der Zen-Bud­dhis­mus bie­tet zum Bei­spiel die Mög­lich­keit »Medi­ta­ti­on« als »Metho­de« zu nut­zen, um »den krea­ti­ven Pro­zess anzu­re­gen« (S. 150). Das Leben im Klos­ter ist eine Meta­pher für die Abge­schie­den­heit, Ruhe und Bedacht­heit, die eine krea­ti­ve Idee manch­mal braucht, um wach­sen zu kön­nen und sich zu ent­wi­ckeln. (S. 47)

Acht­sam­keit in die­sem Kon­text ist das »sich ins Gedächt­nis (…) rufen, dass man umsich­tig und bewusst auf das ach­tet, was in der unmit­tel­ba­ren Umge­bung geschieht« (S. 99). Der Autor ver­tritt die Auf­fas­sung, »gute Arbeit und gutes Leben gehö­ren zusam­men« (S. 67), und regt dazu an, als Krea­ti­ver nicht das eige­ne Ich aus dem Fokus zu ver­lie­ren. Am Bei­spiel des Zele­brie­rens einer Tas­se Tee zeigt er die Mög­lich­keit auf, durch das Schaf­fen einer neu­en All­tags­kul­tur den Arbeits­tag mit Pau­sen auf­zu­bre­chen und sich über sein Han­deln bewusst zu wer­den. Inne­hal­ten in der »atem­lo­sen Arbeits­kul­tur« soll man mit Bedacht arbei­ten (S. 179 ff.). »Team­fä­hig­keit, stän­di­ge Erreich­bar­keit, Groß­raum­bü­ros, trans­pa­ren­te Archi­tek­tur und zu gro­ße finan­zi­el­le Unsi­cher­heit sor­gen für Kon­for­mi­tät und sie sind Gift für krea­ti­ve Lebe­we­sen.« (S. 74)

Mit Bezug auf Erkennt­nis­se und Aus­sa­gen vie­ler »Phi­lo­so­phen, Wis­sen­schaft­ler und Mys­ti­ker« (S. 15) wirft der Autor einen geziel­ten Blick auf die heu­ti­gen Arbeits­be­din­gun­gen im Krea­tiv­be­reich und for­dert uns her­aus, uns damit aus­ein­an­der­zu­set­zen, wie wir arbei­ten und leben wol­len, fern von all­ge­gen­wär­ti­gen Begrif­fen wie »Work-Life-Balan­ce« und »Flow-Zustand«.

»Die Kunst, ein krea­ti­ves Leben zu füh­ren« ist ein Buch, das sei­ne Wir­kung erst nach dem Lesen, beim Sich-bewusst-Wer­den und dem­entspre­chen­den Han­deln voll ent­fal­tet. Somit ist es für Krea­ti­ve in den ver­schie­dens­ten Aus­bil­dungs- und Berufs­sta­di­en emp­feh­lens­wert und eine Lek­tü­re, die dazu geeig­net ist, sie von Zeit zu Zeit in Erin­ne­rung zu rufen, um bestimm­te Abschnit­te erneut zu lesen. Eine aus­führ­li­che Lite­ra­tur­lis­te regt zur wei­te­ren Beschäf­ti­gung mit den ange­spro­che­nen The­men an. Man merkt die­sem Buch an, dass es ohne Druck, ohne Dead­lines erar­bei­tet wur­de. (S. 6) So ist es selbst ein gutes Bei­spiel dafür, wie Arbei­ten in der Zukunft funk­tio­nie­ren kann.

Illustrationen

Sprache als Motor des Zeichnens

365 Zeichnungen pro Jahrbuch – seit 1990

  • 1990 Zu Beginn des Jahres kehrt mein Geliebter mit einem womöglich leise erzieherischen Geschenk von einer Italienreise zurück. Ein Kalendarium in feinster Buchform, in Bodonilettern, sollte mir die Möglichkeit geben etwaige Termine darin einzutragen. Eine Seite für jeden Tag. Während ich nun überlegte, welche Termine ich dorthinein eintragen könnte, begann ich auf das feine Papier zu zeichnen. Kleine, ein bisschen krakelige Gedankenzeichnungen und Texte aus Finelinern und Tippex begannen die Seiten zu dominieren. »Schön sind Gehirntrauben« , aber auch »Von allen Richtungen bleibt Nord und kotzt einen an« lauten zwei gute Aufzeichnungen in diesem 1. Jahrbuch.
    1990 Zu Beginn des Jah­res kehrt mein Gelieb­ter mit einem womög­lich lei­se erzie­he­ri­schen Geschenk von einer Ita­li­en­rei­se zurück. Ein Kalen­da­ri­um in feins­ter Buch­form, in Bodo­ni­let­tern, soll­te mir die Mög­lich­keit geben etwa­ige Ter­mi­ne dar­in ein­zu­tra­gen. Eine Sei­te für jeden Tag. Wäh­rend ich nun über­leg­te, wel­che Ter­mi­ne ich dort­hin­ein ein­tra­gen könn­te, begann ich auf das fei­ne Papier zu zeich­nen. Klei­ne, ein biss­chen kra­ke­li­ge Gedan­ken­zeich­nun­gen und Tex­te aus Fine­li­nern und Tippex began­nen die Sei­ten zu domi­nie­ren. »Schön sind Gehirn­trau­ben« , aber auch »Von allen Rich­tun­gen bleibt Nord und kotzt einen an« lau­ten zwei gute Auf­zeich­nun­gen in die­sem 1. Jahrbuch.
  • 1991 Ich möchte fortfahren mit den Tageszeichnungen und habe jetzt ein eigens angefertigtes Buch mit völlig leeren Seiten. »Es weist nichts auf einen nächsten Tag hin«, während sich auf der linken Buchseite stets der Vortag durchschlägt. Die Zeichnungen werden größer und formatbestimmender. Am 2. Juni fliege ich für ein ganzes Jahr nach New York.
    1991 Ich möch­te fort­fah­ren mit den Tages­zeich­nun­gen und habe jetzt ein eigens ange­fer­tig­tes Buch mit völ­lig lee­ren Sei­ten. »Es weist nichts auf einen nächs­ten Tag hin«, wäh­rend sich auf der lin­ken Buch­sei­te stets der Vor­tag durch­schlägt. Die Zeich­nun­gen wer­den grö­ßer und for­mat­be­stim­men­der. Am 2. Juni flie­ge ich für ein gan­zes Jahr nach New York.
  • 1992 Ein kleines, altes und tragbares Fernsehgerät sitzt aus einem selbstbezogenen Stuhl und plappert vor sich hin. »Just do it for your TV«. Immer deutlicher entwickelt sich mein Hang zur »Hörzeichnung«. Im Sommer, nach meiner Rückkehr nach Stuttgart, belege ich gleich mehrere Seiten hintereinander mit einem kleinen lichtgrauen Gouache-Rechteck. »Eine geschlossene Schachtel ist womöglich auch eine leere Schachtel.«
    1992 Ein klei­nes, altes und trag­ba­res Fern­seh­ge­rät sitzt aus einem selbst­be­zo­ge­nen Stuhl und plap­pert vor sich hin. »Just do it for your TV«. Immer deut­li­cher ent­wi­ckelt sich mein Hang zur »Hör­zeich­nung«. Im Som­mer, nach mei­ner Rück­kehr nach Stutt­gart, bele­ge ich gleich meh­re­re Sei­ten hin­ter­ein­an­der mit einem klei­nen licht­grau­en Gou­ache-Recht­eck. »Eine geschlos­se­ne Schach­tel ist womög­lich auch eine lee­re Schachtel.«
  • 1993 Ein Jahr Lüdenscheid. (verkauft)
    1993 Ein Jahr Lüden­scheid. (ver­kauft)
  • 1994 Am 7. Juli findet sich ein fröhliches Selbstporträt mit nacktem Oberkörper. Die Arme auf einem weißen Kissen aufgestützt, in der Art wie man aus dem geöffneten Fenster schauen würde. Mein ebenso weißes Haar fließt unter dem Kinn zu einer Kopfumrundungsform zusammen.
    1994 Am 7. Juli fin­det sich ein fröh­li­ches Selbst­por­trät mit nack­tem Ober­kör­per. Die Arme auf einem wei­ßen Kis­sen auf­ge­stützt, in der Art wie man aus dem geöff­ne­ten Fens­ter schau­en wür­de. Mein eben­so wei­ßes Haar fließt unter dem Kinn zu einer Kopf­um­run­dungs­form zusammen.
  • 1995 In diesem Jahr verwende ich erstmals Stempellettern. Sie fügen sich zu comicartigen Lautwörtern. »Fumb, Gobb, Tseff, Brosch, Kank«. Mit dickem Rapi und rosa Gouache ist eine Jahrbuchikone gezeichnet: die Frau mit verschlungenen Armen und vornüberhängendem Haar. »Man sieht sofort, was es überhaupt nicht gibt.«
    1995 In die­sem Jahr ver­wen­de ich erst­mals Stem­pel­let­tern. Sie fügen sich zu comic­ar­ti­gen Laut­wör­tern. »Fumb, Gobb, Tse­ff, Brosch, Kank«. Mit dickem Rapi und rosa Gou­ache ist eine Jahr­buchi­ko­ne gezeich­net: die Frau mit ver­schlun­ge­nen Armen und vorn­über­hän­gen­dem Haar. »Man sieht sofort, was es über­haupt nicht gibt.«
  • 1995 In diesem Jahr verwende ich erstmals Stempellettern. Sie fügen sich zu comicartigen Lautwörtern. »Fumb, Gobb, Tseff, Brosch, Kank«. Mit dickem Rapi und rosa Gouache ist eine Jahrbuchikone gezeichnet: die Frau mit verschlungenen Armen und vornüberhängendem Haar. »Man sieht sofort, was es überhaupt nicht gibt.«
    1995 In die­sem Jahr ver­wen­de ich erst­mals Stem­pel­let­tern. Sie fügen sich zu comic­ar­ti­gen Laut­wör­tern. »Fumb, Gobb, Tse­ff, Brosch, Kank«. Mit dickem Rapi und rosa Gou­ache ist eine Jahr­buchi­ko­ne gezeich­net: die Frau mit ver­schlun­ge­nen Armen und vorn­über­hän­gen­dem Haar. »Man sieht sofort, was es über­haupt nicht gibt.«
  • 1996 Ein gar nicht mal so schlaffes Jahr, wieso schreibe ich das? Die Aquarellzeichnung vom 12. Juni lässt denken an ein stilisiertes Regalbrett, darauf stehend schmale Buchrücken (Reclam?) mit erfundenen Titeln wie: »Komisch, jetzt schon« und »Vom Vernarren«
    1996 Ein gar nicht mal so schlaf­fes Jahr, wie­so schrei­be ich das? Die Aqua­rell­zeich­nung vom 12. Juni lässt den­ken an ein sti­li­sier­tes Regal­brett, dar­auf ste­hend schma­le Buch­rü­cken (Reclam?) mit erfun­de­nen Titeln wie: »Komisch, jetzt schon« und »Vom Vernarren«
  • 1997 Erste (Strich)-Flusen mit 0,18 Rapidographen nehmen schon mal einige Zeit in Anspruch. Während ich telefoniere? Am 20.Oktober: »Das Morgengrauen wird nicht immer rosig sein.« Das sind Hörzeichnungen!
    1997 Ers­te (Strich)-Flusen mit 0,18 Rapi­do­gra­phen neh­men schon mal eini­ge Zeit in Anspruch. Wäh­rend ich tele­fo­nie­re? Am 20.Oktober: »Das Mor­gen­grau­en wird nicht immer rosig sein.« Das sind Hörzeichnungen!
  • 1997 Erste (Strich)-Flusen mit 0,18 Rapidographen nehmen schon mal einige Zeit in Anspruch. Während ich telefoniere? Am 20.Oktober: »Das Morgengrauen wird nicht immer rosig sein.« Das sind Hörzeichnungen!
    1997 Ers­te (Strich)-Flusen mit 0,18 Rapi­do­gra­phen neh­men schon mal eini­ge Zeit in Anspruch. Wäh­rend ich tele­fo­nie­re? Am 20.Oktober: »Das Mor­gen­grau­en wird nicht immer rosig sein.« Das sind Hörzeichnungen!
  • 1997 Erste (Strich)-Flusen mit 0,18 Rapidographen nehmen schon mal einige Zeit in Anspruch. Während ich telefoniere? Am 20.Oktober: »Das Morgengrauen wird nicht immer rosig sein.« Das sind Hörzeichnungen!
    1997 Ers­te (Strich)-Flusen mit 0,18 Rapi­do­gra­phen neh­men schon mal eini­ge Zeit in Anspruch. Wäh­rend ich tele­fo­nie­re? Am 20.Oktober: »Das Mor­gen­grau­en wird nicht immer rosig sein.« Das sind Hörzeichnungen!
  • 1998 Das dreigeteilte Jahr. Band 1: 1.1. – 27.9. Beschimpfungen in Schablonenschrift: »Du Drittletzter!« Band 2: Extrabuch »Cuba«. Band 3: 28. 9. – 31.12. Ich versuche in Strasbourg zeichnend Französisch zu lernen: La bière comme le vin contient de l'acool. (29.11.)
    1998 Das drei­ge­teil­te Jahr. Band 1: 1.1. – 27.9. Beschimp­fun­gen in Scha­blo­nen­schrift: »Du Dritt­letz­ter!« Band 2: Extrabuch »Cuba«. Band 3: 28. 9. – 31.12. Ich ver­su­che in Stras­bourg zeich­nend Fran­zö­sisch zu ler­nen: La biè­re com­me le vin con­ti­ent de l’a­cool. (29.11.)
  • 1998 Das dreigeteilte Jahr. Band 1: 1.1. – 27.9. Beschimpfungen in Schablonenschrift: »Du Drittletzter!« Band 2: Extrabuch »Cuba«. Band 3: 28. 9. – 31.12. Ich versuche in Strasbourg zeichnend Französisch zu lernen: La bière comme le vin contient de l'acool. (29.11.)
    1998 Das drei­ge­teil­te Jahr. Band 1: 1.1. – 27.9. Beschimp­fun­gen in Scha­blo­nen­schrift: »Du Dritt­letz­ter!« Band 2: Extrabuch »Cuba«. Band 3: 28. 9. – 31.12. Ich ver­su­che in Stras­bourg zeich­nend Fran­zö­sisch zu ler­nen: La biè­re com­me le vin con­ti­ent de l’a­cool. (29.11.)
  • 1999 »Zwischen mir bilden sich Freundschaften, ab und zu bricht dann Streit aus.« (21. 6.)
    1999 »Zwi­schen mir bil­den sich Freund­schaf­ten, ab und zu bricht dann Streit aus.« (21. 6.)
  • 1999 »Zwischen mir bilden sich Freundschaften, ab und zu bricht dann Streit aus.« (21. 6.)
    1999 »Zwi­schen mir bil­den sich Freund­schaf­ten, ab und zu bricht dann Streit aus.« (21. 6.)
  • 2004 Monate Valence: Apprendre le Français. (verkauft)
    2004 Mona­te Valence: App­rend­re le Fran­çais. (ver­kauft)
  • 2001 Viel Porträtrosa. In diesem Buch findet sich immer noch eine Menge Sex. Aber auch: »Ich bin nicht mehr so zäh wie ich einmal war. Oft heiße ich mich willkommen das zu tun, was ich immer tue.« Ich weiß nicht mehr, woher ich das habe.
    2001 Viel Por­trä­t­ro­sa. In die­sem Buch fin­det sich immer noch eine Men­ge Sex. Aber auch: »Ich bin nicht mehr so zäh wie ich ein­mal war. Oft hei­ße ich mich will­kom­men das zu tun, was ich immer tue.« Ich weiß nicht mehr, woher ich das habe.
  • 2002 Es gibt Zeiten, in denen ich nicht kann. Vom 6. 6. bis zum 24. 6. sind die Seiten bis auf eine winzige Ziffer im Zentrum dick mit rosa bestrichen. Die Seiten vom 12. 8. bis 3. 9. mit hellblau. »Encore une fois au telephone« (12. 12.)
    2002 Es gibt Zei­ten, in denen ich nicht kann. Vom 6. 6. bis zum 24. 6. sind die Sei­ten bis auf eine win­zi­ge Zif­fer im Zen­trum dick mit rosa bestri­chen. Die Sei­ten vom 12. 8. bis 3. 9. mit hell­blau. »Enco­re une fois au tele­pho­ne« (12. 12.)
  • 2003 Am 2. Mai in Herisau, Appenzell Ausserrhoden: »Mir ziemt es möglichst unauffällig zu verschwinden.« (Robert Walser) Ein reines Rapidographenbuch.
    2003 Am 2. Mai in Heris­au, Appen­zell Aus­ser­rho­den: »Mir ziemt es mög­lichst unauf­fäl­lig zu ver­schwin­den.« (Robert Wal­ser) Ein rei­nes Rapidographenbuch.
  • 2004 Der kalte Mistral heult, mein Handtuch liegt morgens gefroren auf der Hecke, ein Panther ist ausgebrochen, es treffen keine Zahlungen ein. Im Jahrbuch tummeln sich seltsame rundliche Figuren aus Aquarelllinien, die sich gegenseitig ihre Flächen zuweisen. Erst in Marseille, dann in Paris: »Je suis attentif à la silence quʼà la langage.«
    2004 Der kal­te Mis­tral heult, mein Hand­tuch liegt mor­gens gefro­ren auf der Hecke, ein Pan­ther ist aus­ge­bro­chen, es tref­fen kei­ne Zah­lun­gen ein. Im Jahr­buch tum­meln sich selt­sa­me rund­li­che Figu­ren aus Aqua­rell­li­ni­en, die sich gegen­sei­tig ihre Flä­chen zuwei­sen. Erst in Mar­seil­le, dann in Paris: »Je suis atten­tif à la silence qu’à la langage.«
  • 2005 Teppichartige Schriftaquarelle: »So recht glaube ich nicht mehr an einen Job in Berlin.« Strich an Strich, den Pinsel dabei leerend.
    2005 Tep­pich­ar­ti­ge Schrift­a­qua­rel­le: »So recht glau­be ich nicht mehr an einen Job in Ber­lin.« Strich an Strich, den Pin­sel dabei leerend.
  • 2006 Ich höre pausenlos Dinge wie: »Was aussieht wie ein Wünschelrutengänger ist ein Polizist mit Bombendetektor.« Das sagt am 5. August ein Kopf aus zerlaufender Farbe. Mehrere formatfüllende Gouache-Monsterköpfe, zum Teil abgeleitet von Panini-Fußballerbildchen (Italiener?) und kleinen Portäts aus der Tageszeitung : »Was für ein Tag für meine armen Eier!«
    2006 Ich höre pau­sen­los Din­ge wie: »Was aus­sieht wie ein Wün­schel­ru­ten­gän­ger ist ein Poli­zist mit Bom­ben­de­tek­tor.« Das sagt am 5. August ein Kopf aus zer­lau­fen­der Far­be. Meh­re­re for­mat­fül­len­de Gou­ache-Mons­ter­köp­fe, zum Teil abge­lei­tet von Pani­ni-Fuß­bal­ler­bild­chen (Ita­lie­ner?) und klei­nen Por­täts aus der Tages­zei­tung : »Was für ein Tag für mei­ne armen Eier!«
  • 2007 In diesem Jahr häufen sich die Leerseiten. Andere Zeichenprojekte, wie 10 Meter lange Radiozeichnungen wie »Das große Band Krise« lassen kaum mehr Platz. Und zwingen will ich's nicht. »Die Tage werden allmählich knapp.«(9. 6.)
    2007 In die­sem Jahr häu­fen sich die Leer­sei­ten. Ande­re Zei­chen­pro­jek­te, wie 10 Meter lan­ge Radio­zeich­nun­gen wie »Das gro­ße Band Kri­se« las­sen kaum mehr Platz. Und zwin­gen will ich’s nicht. »Die Tage wer­den all­mäh­lich knapp.«(9. 6.)
  • 2008 Folglich: Pause
    2008 Folg­lich: Pause
  • 2009 Pause
    2009 Pau­se
  • 2010 Ich fange wieder an. Auf Dünndruckpapier mit »Rapi« und zeichne nurmehr auf der rechten Seite, auf der linken Seite schlägt deutlich der Vortag durch, von nun an unüberzeichnet. »Da ich untergetaucht bin, habe ich Zeit, Tag und Nacht die Nachrichten zu verfolgen.«(12. 6.)
    2010 Ich fan­ge wie­der an. Auf Dünn­druck­pa­pier mit »Rapi« und zeich­ne nur­mehr auf der rech­ten Sei­te, auf der lin­ken Sei­te schlägt deut­lich der Vor­tag durch, von nun an unüber­zeich­net. »Da ich unter­ge­taucht bin, habe ich Zeit, Tag und Nacht die Nach­rich­ten zu verfolgen.«(12. 6.)
  • 2011 In Fukushima scheint die Welt untergegangen. Die Schweizer Nachrichten, die aus dem Radio knistern sind schwankend. In der Nacht hatte es kräftig geschneit. Draußen ein white-out. Auch mein frisches Tuschefläschchen ist plötzlich aus Versehen weiß. In der Folgezeit werden die Zeichnungen mattgrau, wie ganz feiner Steinstaub. »Die Atomindustrie ist ja auch gespalten« (1. 4.)
    2011 In Fuku­shi­ma scheint die Welt unter­ge­gan­gen. Die Schwei­zer Nach­rich­ten, die aus dem Radio knis­tern sind schwan­kend. In der Nacht hat­te es kräf­tig geschneit. Drau­ßen ein white-out. Auch mein fri­sches Tusche­fläsch­chen ist plötz­lich aus Ver­se­hen weiß. In der Fol­ge­zeit wer­den die Zeich­nun­gen matt­grau, wie ganz fei­ner Stein­staub. »Die Atom­in­dus­trie ist ja auch gespal­ten« (1. 4.)
  • 2012 Wieder Büttenpapier, dickes Buch. Graues, mattes Grau, Schraffuren. »Es macht Spaß, aber langweilig ist mir auch.« (2. 4.) »Im Sommer löse ich wochenlang unseren Hausstand auf.« Ich kann einpacken.« (22. 7.) »Wir ziehen ganz nach Berlin.« »Ich sollte nicht von der Fahne gehen.« (1. 11.). Graue Tusche, gespritzt.
    2012 Wie­der Büt­ten­pa­pier, dickes Buch. Grau­es, mat­tes Grau, Schraf­fu­ren. »Es macht Spaß, aber lang­wei­lig ist mir auch.« (2. 4.) »Im Som­mer löse ich wochen­lang unse­ren Haus­stand auf.« Ich kann ein­pa­cken.« (22. 7.) »Wir zie­hen ganz nach Ber­lin.« »Ich soll­te nicht von der Fah­ne gehen.« (1. 11.). Graue Tusche, gespritzt.
  • 2013
Von intensivem, ganz leicht glitzerndem Blau übriggelassene Wolken. »Und andere Selbsttäuschungen.« Vor allen Dingen: »Der Spaß am Fast« (23. 11.)
    2013 Von inten­si­vem, ganz leicht glit­zern­dem Blau übrig­ge­las­se­ne Wol­ken. »Und ande­re Selbst­täu­schun­gen.« Vor allen Din­gen: »Der Spaß am Fast« (23. 11.)
  • 2014, »Mauerfolklore (Udo auf Strümpfen)« (9. 11.). Ich baue ganz auf meinen Anfängergeist. »Ich muss ins All schießen können, ohne auf Hindernisse zu stoßen.« (25. 11.)
    2014, »Mau­er­folk­lo­re (Udo auf Strümp­fen)« (9. 11.). Ich baue ganz auf mei­nen Anfän­ger­geist. »Ich muss ins All schie­ßen kön­nen, ohne auf Hin­der­nis­se zu sto­ßen.« (25. 11.)
  • 2015, läuft.
    2015, läuft.
  • 2015, läuft.
    2015, läuft.
  • Alle Jahrbücher auf dem Tisch im Atelier.
    Alle Jahr­bü­cher auf dem Tisch im Atelier.
  • Dorothea Schulz in Schwarzenberg, Vorarlberg, 2012
    Doro­thea Schulz in Schwar­zen­berg, Vor­arl­berg, 2012

 

»Jahr­bü­cher« nennt Doro­thea Schulz die Bücher, in denen sie seit 1990 täg­lich zeich­net. 365 Zeich­nun­gen im Jahr, eine Zeich­nung pro Tag. Mit­un­ter vir­tu­os, bis­wei­len hin­ga­be­voll minu­ti­ös, wid­met sie sich ihrer täg­li­chen Rou­ti­ne, die Minu­ten oder auch Stun­den in Anspruch neh­men kann: “Like the­re’s no tomor­row.” Die »Jahr­bü­cher« waren in Aus­stel­lun­gen und Publi­ka­tio­nen von Anfang an öffent­lich zu betrach­ten. Es sind kei­ne Tage­bü­cher, die man viel­leicht lie­ber ver­bor­gen hiel­te. Die Inhal­te sind, anders als das Buch­uni­kat es nahe­le­gen könn­te, bedingt intim. Und doch wird eini­ges geschrie­ben in die­sen Zeich­nun­gen, Schrif­ten und Tex­te sind oft inte­gra­ler Bestand­teil: Man sieht und liest viel Mit­ge­hör­tes und Mit­ge­rech­ne­tes. Über­haupt bezeich­net Doro­thea Schulz die mit­ge­hör­te Spra­che als Motor ihres Zeich­nens, aller­dings auch das Zeich­nen als Kata­ly­sa­tor kon­zen­trier­ten Zuhörens.

Das For­mat: 18,5 x 24,5 cm. Die Mate­ria­li­en: Rapi­do­graph (Tusche), Gou­ache, Aqua­rell und ande­res auf geglät­te­tem Büttenpapier.

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