Buchbesprechung

»Ich sieze nur Menschen, die ich nicht mag«

Johannes Erlers visuelle Biografie über Erik Spiekermann

Durch ein­ge­stanz­te Löcher im neon­far­bi­gen Umschlag die­ses wuch­ti­gen Buches blickt Erik Spie­ker­mann den Leser an. Und auch im Buch­in­ne­ren wird’s gleich per­sön­lich: »Hal­lo, ich bin Erik! Wir duzen uns doch? Ich sie­ze nur Men­schen, die ich nicht mag.« (S. 4) Erler zitiert den berühm­ten Typo­gra­fen und Gestal­ter und bringt den Leser auf Augen­hö­he. Die­se typi­sche »Spie­ker­mann-Begrü­ßung« ver­leiht der Bio­gra­fie ihren Titel, und ihr locke­rer Umgangs­ton führt wie ein roter Faden durch das gesam­te Werk. Johan­nes Erler nimmt den Leser an die Hand und führt ihn in die »ganz spe­zi­el­le Spie­ker­mann-Welt« (ebd.): sei­ne Kind­heit und Jugend, sei­ne per­sön­li­chen Höhen und Tie­fen, sei­ne bis­he­ri­gen Auf­trä­ge und zukünf­ti­ge Projekte.

Eine Beson­der­heit des größ­ten Kapi­tels »Werk­schau« ist die emo­tio­na­le Dar­stel­lung der Ent­ste­hungs­ge­schich­ten von Spie­ker­manns Wer­ken. Gezeigt wer­den zum Bei­spiel ers­te Skiz­zen einer Schrift, hand­schrift­li­che Kor­rek­tu­ren und Details der Schrift. Der Leser erfährt, in wel­cher Bezie­hung Spie­ker­mann zu sei­nen Schrif­ten steht: »Schau dir mal das klei­ne a der ›FF Meta Bold‹ und ›Black‹ an. Ist das nicht nied­lich? Es sieht aus, als wenn es mit dickem Bauch da sitzt und sagt: ›Ich bin das klei­ne, dicke a und habe zuviel geges­sen.‹« (S. 152) Die Geschich­ten wer­den durch per­sön­li­che Anek­do­ten von Kol­le­gen und Part­nern ver­stärkt. Neville Bro­dy bezeich­net Spie­ker­mann als »gro­ßen Bru­der«, der ihn auch mal wäh­rend einer Live-Über­tra­gung zurecht­weist, als Bro­dy behaup­tet, Ker­ning sei nicht wei­ter wich­tig für die All­ge­mein­heit. Für Andrej Kupetz ist Spie­ker­mann der »letz­te wah­re Huma­nist« (S. 199). Spie­ker­manns Lei­den­schaft, Men­schen auf­klä­ren zu wol­len, wirkt sich in stän­di­gem Ver­mit­teln aus. Die­se Lei­den­schaft des Ver­mit­telns sieht Kupetz als Antrieb für Spie­ker­manns Erfolg (ebd.). Wal­ly Olins ver­an­schau­licht die Spra­che Spie­ker­manns: »Sei­ne per­fek­te eng­li­sche Umgangs­spra­che, kom­bi­niert mit einem star­ken deut­schen Akzent und einer kraft­voll-direk­ten, um nicht zu sagen, aggres­si­ven Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on, ist wit­zig, ein­ma­lig, unver­gess­lich.« (S. 47) Der Leser bekommt das Gefühl, Erik Spie­ker­mann bereits zu kennen.

Der Autor nennt die wich­tigs­ten Inspi­ra­ti­ons­quel­len Spie­ker­manns und lei­tet dar­aus die Grün­de sei­nes Erfolgs ab: »Den Wil­len zur Moder­ni­tät eines Her­bert Bay­er, die Sys­te­ma­ti­ken und Regeln des Jan Tschichold, den Unge­hor­sam von Wil­ly Fleck­haus und das Sen­dungs­be­wusst­sein Otl Aichers.« (S. 5) Dar­über hin­aus habe Spie­ker­mann sei­ne eige­ne Her­an­ge­hens­wei­se an Auf­trä­ge: Zuerst stellt er sich vor, wie er über den Inhalt des Auf­trags spricht oder ihn jeman­dem erklärt. Die­se Kom­mu­ni­ka­ti­on nimmt er als Aus­gangs­punkt für die Schrift­ge­stal­tung. Die Schrift die­ne als Grund­la­ge für das Gestal­tungs­sys­tem, das letzt­end­lich zum Pro­dukt füh­re (ebd.). »Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign ist die Gestal­tung von Kom­mu­ni­ka­ti­on. Infor­ma­ti­ons­sys­te­me ent­wi­ckelt man, um zu infor­mie­ren, nicht, um ande­ren zu gefal­len. Was nicht bedeu­tet, dass sie nicht trotz­dem gut aus­se­hen soll­ten. […] Kom­mu­ni­ka­ti­on wird Schrift wird Design.« (S. 4)

Auf über 300 Sei­ten ver­sam­meln sich zahl­rei­che Gast­bei­trä­ge, Inter­views, Bil­der aus Foto­al­ben und eine umfang­rei­che Doku­men­ta­ti­on der wich­tigs­ten Arbei­ten von Erik Spie­ker­mann. Das Buch kann gele­sen wer­den, um einen Ein­druck von Spie­ker­manns Per­sön­lich­keit zu erhal­ten oder um alle sei­ne wich­ti­gen Arbei­ten chro­no­lo­gisch zu betrach­ten. Man sieht, wel­che Erfah­run­gen sei­ne Arbei­ten präg­ten und erhält immer wie­der Insi­der­wis­sen. Wer hat gewusst, war­um Spie­ker­mann in sei­ner Kind­heit nur mit roter Far­be druck­te? Und dass er eigent­lich Hans-Erich Spie­ker­mann hieß? Wer weni­ger Details erfah­ren will, kann die visu­el­le Bio­gra­fie auch nur als »Bil­der­buch« lesen, da die Bild­un­ter­schrif­ten die wich­tigs­ten Infor­ma­tio­nen und Zusam­men­hän­ge ver­ständ­lich zusammenfassen.

Wer in die­ser Bio­gra­fie ratio­na­le Infor­ma­tio­nen sucht, wird ent­täuscht. Leser dage­gen, die Erik Spie­ker­mann ken­nen­ler­nen möch­ten und sich ger­ne emo­tio­nal berie­seln las­sen, wer­den in »Hal­lo, ich bin Erik« eine amü­san­te Lek­tü­re finden.

Buchbesprechung

»Designtheorie … nicht gerade das begehrteste Thema«

Frederic C. Erasmus ruft zum freien Denken auf

Wer beim Begriff »Design­theo­rie« ner­vös mit der Augen­braue zuckt, weil er an ermü­den­de Lek­tü­re denkt, wird von Fre­de­ric C. Eras­mus‹ Aus­füh­run­gen in »no no posi­ti­on« über­rascht sein. Wie der Autor selbst bemerkt, han­delt es sich um eine Tat­sa­che: »Design­theo­rie ist für Desi­gner im ers­ten Moment nicht gera­de das begehr­tes­te The­ma.« (S. 14). Bereits auf den nächs­ten Sei­ten räumt er aber mit den bekann­ten Vor­ur­tei­len auf. Anschau­lich erklärt Eras­mus, was es mit der Theo­rie­pho­bie unter Desi­gnern auf sich hat und war­um wir die­ser Angst end­lich ins Auge bli­cken müs­sen. Unter­teilt in die Berei­che »Die Desi­gner«, »Der Desi­gner«, »Das Design« beleuch­tet das Werk die Pro­fes­si­on, den ein­zel­nen Akteur und die Dis­zi­plin selbst.

Eras­mus ana­ly­siert die Zusam­men­hän­ge in sach­li­cher Wei­se, unter­malt Aus­füh­run­gen mit bild­haf­ten Bei­spie­len und fügt jeder Erör­te­rung einen per­sön­li­chen Stand­punkt hin­zu. Dabei ist er stets dar­auf bedacht, den Leser zum selbst­stän­di­gen Den­ken anzu­re­gen und Posi­ti­on zu beziehen.

Zur grund­le­gen­den Betrach­tung wird die Fra­ge geklärt, was den Design­be­ruf aus­macht. Der Autor befasst sich mit der Viel­falt der Pro­fes­si­on, der Pro­ble­ma­tik der unge­schütz­ten Berufs­be­zeich­nung und erläu­tert, wel­che Fähig­kei­ten den Desi­gner vom Ama­teur unterscheiden.

Vor allem dem Ein­fluss sowie der Ver­ant­wor­tung des Desi­gners wid­met die­ses Buch gro­ße Auf­merk­sam­keit. Kann ein Desi­gner durch­weg sei­ne eige­ne Hand­schrift anwen­den? Zu wel­chen Tei­len ist er Autor des Ergeb­nis­ses? Wie viel Mit­spra­che­recht bie­tet ein Auf­trag? Inwie­weit kann ein Desi­gner in Inhal­te ein­grei­fen? Kann es über­haupt Desi­gner mit rei­nem Gewis­sen geben? Anhand drei­er Ethik­mo­del­le ver­sucht Eras­mus der Moral auf den Grund zu gehen und stellt dabei die Fra­ge nach der Ver­ant­wor­tung. Der Ver­ant­wor­tung für den Erfolg, für die Wahl der Mit­tel, für die Prak­ti­ken der Auf­trag­ge­ber und für die Aus­wir­kun­gen der Arbeit. Für eine umfas­sen­de Beur­tei­lung wird der Desi­gner im Kon­text von Kapi­ta­lis­mus und Kon­sum, von sozia­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kul­tur und der Logik des Mark­tes betrachtet.

An die­ser Stel­le kehrt der Autor zurück zu den Vor­zü­gen des reflek­tier­ten und metho­di­schen Arbei­tens. Als bebil­der­ter Abschnitt steht das nie­der­län­di­sche Naald­boom-Sys­tem im Mit­tel­punkt des Wer­kes – ent­wi­ckelt von Vol­ker van Eiz­mann, Eljan Ree­den und Fre­de­ric C. Eras­mus selbst. Statt dem Desi­gner direk­te Vor­ga­ben auf­zu­zwin­gen, legt das Sys­tem in Nadel­baum-Optik eine Viel­zahl von Mög­lich­kei­ten offen. Von den Wur­zeln bis zur Baum­kro­nen­spit­ze wer­den dem Desi­gner in fünf über­sicht­li­chen Stu­fen unter ande­rem Defi­ni­ti­ons­hil­fen, Recher­che­me­tho­den, Ent­wurfstech­ni­ken, Gestal­tungs­prin­zi­pi­en, Krea­ti­vi­täts­tech­ni­ken und Bewer­tungs­fil­ter vor­ge­stellt. Eras­mus erklärt die Vor­tei­le des sys­te­ma­ti­schen Arbei­tens: »Es macht die Arbeit eines Desi­gners pro­fes­sio­nell, unter­stützt die Team-Arbeit und dient nicht zuletzt dem Selbst­be­wusst­sein.« (S. 206)

Ein Buch über Design­theo­rie wäre wohl kein Buch über Design­theo­rie, wür­de es nicht auf den in der Bran­che heiß dis­ku­tier­ten Aus­spruch »form fol­lows func­tion« ein­ge­hen. Dar­auf auf­bau­end wird die Fra­ge nach gutem und schlech­tem Design gestellt. Dabei mag es zunächst befremd­lich wir­ken, dass Eras­mus Bild­zei­tung, RTL II, Kik und Co als Bei­spie­le für gelun­ge­nes Design anführt. »Durch eine bewusst nied­rig gewähl­te Gestal­tungs­hö­he wird die Bot­schaft rich­tig dar­ge­stellt und der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zweck auf ›ehr­li­che‹ Art und Wei­se erfüllt.« (S. 216)

Eben­so inter­es­sant dürf­te für alle Desi­gner die alt­be­kann­te Fra­ge nach dem Unter­schied zwi­schen Design und Kunst sein. Anhand ver­schie­de­ner Kri­te­ri­en prüft der Autor die Unter­schie­de auf ihre All­ge­mein­gül­tig­keit und stellt anschau­lich dar, dass die Dis­zi­pli­nen nicht immer klar von­ein­an­der trenn­bar sind. Zur Unter­stüt­zung sei­ner The­se fügt er zwei Unter­schei­dungs­mo­del­le an: Die »Kunst-Design-Matrix« nach Dani­low und den »Ideen­wert­cha­rak­ter« nach Ger­not Fenninger.

Schließ­lich: Inwie­fern kann Design über­haupt beur­teilt wer­den? Spä­tes­tens im Design­stu­di­um stellt sich die Fra­ge nach einer objek­ti­ven Bewert­bar­keit. Eras­mus ist ent­schie­den gegen das Noten­sys­tem. »Noten geben kei­ner­lei Hin­weis dar­auf, was gut war oder bes­ser gemacht wer­den könn­te.« (S. 238) »Noten soll­ten durch aus­sa­ge­kräf­ti­ge Bewer­tungs­schrei­ben ersetzt wer­den. Die Stu­den­ten wür­den von indi­vi­du­el­len Ein­schät­zun­gen pro­fi­tie­ren (…)« (S. 239) Und er geht sogar noch wei­ter und unter­sucht, ob Design über­haupt lehr­bar ist. Da Eras­mus selbst Gast­do­zent an deut­schen und nie­der­län­di­schen Design­hoch­schu­len ist, kann er auf eige­ne Erfah­run­gen zurück­grei­fen und erklärt, was ein Design­stu­di­um leis­ten soll­te. Im Vor­der­grund steht auch hier der reflek­tier­te Desi­gner, der die Kom­ple­xi­tät sei­ner Pro­fes­si­on versteht.

»no no posi­ti­on« schließt mit einem Mani­fest, das sich gegen den Theo­rie­man­gel der Design­pra­xis aus­spricht. Gegen Ama­teur­de­sign und Dum­ping­ser­vices. Gegen feh­len­de Ant­wor­ten und eine rein tech­ni­sche Design­aus­bil­dung, die kein tie­fe­res Ver­ständ­nis ver­mit­telt. Das Mani­fest plä­diert für ein neu­es Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein, ein Ver­ständ­nis des kom­ple­xen Kon­texts. Für eine reflek­tier­te, enga­gier­te Design­pra­xis, für die Aus­ein­an­der­set­zung mit offe­nen Fra­gen. Für ein Wei­ter­tra­gen des Wis­sens und der Kom­ple­xi­tät und für die Wei­ter­ent­wick­lung der Profession.

Die­ses Buch ist mehr als nur eine Samm­lung von Wis­sen. Es akti­viert den Leser, frei und vor allem wei­ter zu den­ken. Eras­mus gelingt es, auch den letz­ten Theo­rie­muf­fel für die­ses The­ma zu begeis­tern, indem er die Wich­tig­keit von Design­theo­rie tief­grün­dig, span­nend und anschau­lich ver­mit­telt. Auch wenn »no no posi­ti­on« mit design­re­le­van­ten Fach­be­grif­fen auf­war­tet, kann das Werk bereits zu Beginn des Grund­stu­di­ums eine Berei­che­rung für jeden Design­stu­den­ten sein. Krea­ti­ve in den ver­schie­dens­ten Aus­bil­dungs- und Berufs­sta­di­en wer­den eben­so von der Lek­tü­re pro­fi­tie­ren. Für neue Per­spek­ti­ven ist es nie zu spät.

Buchbesprechung

»Gebt dem Kind doch einfach einen Kakao«

300 Seiten sollen den »Maybes« Dampf machen

»May­be you should go fuck yours­elf«, schreit es in schwar­zen Let­tern vom wei­ßen Cover des gleich­na­mi­gen, 300 Sei­ten star­ken Taschen­buchs. Auf der Rück­sei­te zeigt sich die Aus­sa­ge in Form eines erho­be­nen Mit­tel­fin­gers noch kon­kre­ter. »Die Schock­star­re einer gan­zen Gesell­schaft« (S. 2) wol­len die bei­den Her­aus­ge­be­rin­nen Johan­na Drey­er und Katha­ri­na Weiß mit ihrem Buch bekämp­fen und eine »Lösung für May­bes« (S. 3) finden.

Ein typi­scher May­be ist zwi­schen 20 und 30 Jah­re alt. Er kann sich nicht zwi­schen den unend­lich vie­len Optio­nen, die ihm tag­täg­lich begeg­nen, ent­schei­den, denn »ein­deu­ti­ge Ant­wor­ten sind nicht [sein] Ding« (S. 10). Sei­ne Zukunft besteht aus einem rie­si­gen Fra­ge­zei­chen, weil er mit unbe­zahl­ten Prak­ti­ka sein Leben nicht pla­nen kann. Als »digi­tal nati­ve« ver­bringt er sei­ne Frei­zeit online, und sein poli­ti­sches Enga­ge­ment beschränkt sich auf einen Klick auf den Face­book-Like-But­ton. Er wird durch die extre­me Leis­tungs­ge­sell­schaft unter Druck gesetzt und will gleich­zei­tig alles genau so gut machen wie sei­ne Eltern. Des­we­gen tut er lie­ber nichts, um nichts Fal­sches zu tun.

Nach einer kur­zen Ein­lei­tung kann jeder durch einen Test her­aus­fin­den, ob er selbst zu der »Gene­ra­ti­on May­be« gehört. Dadurch und mit­tels einer foto­gra­fi­schen Befra­gung sowie eini­gen Infor­ma­ti­ons­gra­fi­ken nähert sich der Leser spie­le­risch dem The­ma. In den Abschnit­ten »Wo liegt der Hund begra­ben?« und »Den Stier bei den Hör­nern packen« wech­seln sich Inter­views und Tex­te ab, die sich alle mit den Pro­ble­men und Chan­cen der »Twen­ty­so­me­things« (S. 199) auseinandersetzen.

In der Ein­lei­tung erzählt Katha­ri­na Weiß, wie sie auf die Grup­pe der Unent­schlos­se­nen auf­merk­sam wur­de: Als der Ziga­ret­ten­her­stel­ler Marl­bo­ro mit sei­ner Kam­pa­gne »Don’t be a May­be – be Marl­bo­ro« Deutsch­land mit Pla­ka­ten über­flu­te­te, erkann­te die Autorin, dass sich Marl­bo­ro »eine aktu­el­le Pro­ble­ma­tik« (S. 3) zunut­ze mach­te, um neue Kun­den zu aqui­rie­ren. Sie selbst sah sich als »Para­de­bei­spiel eines May­bes« (S. 3), wor­auf­hin die Idee für ein Buch ent­stand, das die­sem Phä­no­men ent­ge­gen­wir­ken soll­te. Mit »May­be you should go fuck yours­elf« par­odier­te ein Street­art-Künst­ler den Slo­gan der Kam­pa­gne. Die­ses State­ment gefiel den bei­den Her­aus­ge­be­rin­nen so gut, dass sie ihn als Buch­ti­tel aufgriffen.

Johan­na Drey­er und Katha­ri­na Weiß spre­chen zunächst mit dem Jour­na­lis­ten Oli­ver Jeges, der 2012 einen umstrit­te­nen Arti­kel zum The­ma »Gene­ra­ti­on May­be« ver­öf­fent­lich­te. Wei­te­re Gesprächs­part­ner sind zum Bei­spiel Fern­seh­mo­de­ra­tor Jan Böh­mer­mann, die Fach­ärz­tin für Psych­ia­trie Dr. med. Gis­lind Wach-Leibl, der Mit­au­tor der Shell-Jugend­stu­di­en Prof. Dr. Klaus Hur­rel­mann, »Kleiderkreisel«-Gründerin Sophie Uti­kal und der ehe­ma­li­ge Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Pira­ten­par­tei Chris­to­pher Lau­er. Die Fra­gen, die die bei­den jun­gen Frau­en ihren Inter­view­part­nern stel­len, beschäf­ti­gen sich mit The­men wie »Ent­schei­dun­gen tref­fen«, »erwach­sen sein«, dem vor­herr­schen­den »Indi­vi­du­al­zwang« (S. 71), Wer­te­sys­te­men, Unsi­cher­heit, Arbeits­markt, Poli­tik, Erzie­hung und Internetnutzung.

Die Tex­te neh­men die The­men und The­sen aus den Gesprä­chen auf und brin­gen die­se mit den Gedan­ken der jewei­li­gen Autorin in Ver­bin­dung. Unter­malt wer­den die Aus­sa­gen durch knal­li­ge, intel­li­gen­te Illus­tra­tio­nen. Ein Haupt­the­ma der bei­den Autorin­nen ist die Unfä­hig­keit der jun­gen Erwach­se­nen sich zu ent­schei­den. Sie haben immer »Angst, eine Chan­ce, eine Opti­on aus­zu­las­sen« (S. 87). »Auf­wa­chen, lie­be May­bes!« (S. 94), ruft Katha­ri­na Weiß, denn »kön­nen wir uns nicht ent­schei­den, wel­che Zei­tung wir lesen sol­len, blei­ben wir unin­for­miert« (S. 94). Laut Oli­ver Jeges könn­te die »anti­au­to­ri­tä­re Erzie­hung« (S. 79) der Eltern ein Aus­lö­ser für das Ver­hal­ten der »May­bes« sein. Die stün­den mit ihren Kin­dern in der Eis­die­le und frag­ten: »Mari­us-Jonas, wel­ches Eis möch­test du denn? Möch­test du Rha­bar­ber-Möh­ren-Melo­nen-Eis oder viel­leicht doch lie­ber Ing­wer-Zitro­ne-Min­ze-Eis?« (S. 79f.) »Gebt dem Kind doch ein­fach einen Kakao« (S.80), so die sar­kas­ti­sche Ant­wort des Journalisten.

Zur Erzie­hung hin­zu kom­me eine wach­sen­de Unsi­cher­heit. Jede Ent­schei­dung müs­se indi­vi­du­ell reflek­tiert wer­den, da kei­ne ein­heit­li­che Ideo­lo­gie oder Reli­gi­on vor­gibt, was zu tun ist. Doch: »Wir zei­gen der Unsi­cher­heit den Mit­tel­fin­ger« (S.120), ver­sucht Johan­na Drey­er den Leser zum Han­deln zu moti­vie­ren und gibt gleich­zei­tig der pro­vo­ka­ti­ven Cover­ge­stal­tung eine Bedeu­tung. Der stän­dig auch online akti­ve »May­be« lei­de unter einem hohen sozia­len Stress, denn »abschal­ten ist nicht« (S. 183). Außer­dem ent­wi­ckelt er sich dadurch zu einem »glä­ser­nen Men­schen« (ebd.), im Gegen­satz zu den Sys­te­men in denen er lebt. »Man will ja nicht die Kat­ze im Sack kau­fen, vie­le gehen daher lie­ber gar nicht wäh­len« (S. 188), wodurch die jun­gen Men­schen unpo­li­tisch wirken.

»Statt uns in unse­rer Unent­schlos­sen­heit zu suh­len, soll­ten wir uns auf die Vor­tei­le unse­rer Zeit besin­nen« (S. 248), for­dert Johan­na Drey­er schließ­lich von allen »May­bes« und auch von sich selbst. Das Nach­wort von Sil­ke Bur­mes­ter stimmt den Leser posi­tiv. Es soll Mut machen, trotz unsi­che­rer Zukunft etwas zu wagen. Man sei ja nicht die ers­te Gene­ra­ti­on mit die­sen Pro­ble­men. Ob man nun zu der Grup­pe der »May­bes« gehört oder nicht – das Buch regt zum Nach­den­ken und Reflek­tie­ren an, über das eige­ne Han­deln und den aktu­el­len Zeit­geist. Denn es wer­den nicht nur die Pro­ble­me der jun­gen Erwach­se­nen bespro­chen, auch die der zukünf­ti­gen und ver­gan­ge­nen Gene­ra­ti­on wer­den beleuchtet.

Aller­dings ist das Buch selbst zuwei­len ein biss­chen »may­be«: Die Ergeb­nis­se der Umfra­ge wer­den von Vor­ne­her­ein als nicht reprä­sen­ta­tiv prä­sen­tiert. Die Über­schrif­ten sind zu gro­ßen Tei­len aus einem ande­ren Buch über­nom­men. »May­be you should go fuck yours­elf« ist eine sub­jek­ti­ve Gesell­schafts­ana­ly­se. Den­noch ist es lesens­wert, weil es dem Pro­blem der Unent­schlos­sen­heit, das jeder Mensch manch­mal hat, auf den Grund geht und einer Gene­ra­ti­on den Spie­gel vor­hält. Es moti­viert dazu, eige­ne Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Selbst erns­te The­men wer­den in ein­fa­cher und locke­rer Spra­che erörtert.

Inwie­fern die Autorin­nen ihr Ziel – der »Schock­star­re« ent­ge­gen­zu­wir­ken – erreicht haben, sei dahin­ge­stellt. Aber zumin­dest prä­sen­tie­ren sie vie­le inter­es­san­te Lösungs­an­sät­ze und Denk­an­stö­ße, die um eini­ges intel­li­gen­ter sind als die Idee der Kam­pa­gne des Ziga­ret­ten­her­stel­lers: »Viel rau­chen und zwar aus­schließ­lich Marl­bo­ro.« (S. 4)

Tagung »text | text | text« | Illustrationen

Beflügelte Bücher

Über das Verhältnis von Prominenten zu Schreiben und Lesen

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An der Tagung »text | text | text – Zitat, Refe­renz, Pla­gi­at und ande­re For­men der Inter­tex­tua­li­tät« wur­den Bil­der des inter­na­tio­nal bekann­ten Illus­tra­tors Tho­mas Fuchs aus­ge­stellt, die sich mit dem Schrei­ben und Büchern und dem Ver­hält­nis von Pro­mi­nen­ten dazu befas­sen. Wir zei­gen eini­ge die­ser Illustrationen. 

Buchbesprechung

»Wohnst du noch, oder zerstörst du schon?«

Harald Welzer plädiert für: »Selbst Denken«

»Mehr als die Ver­gan­gen­heit inter­es­siert mich die Zukunft, denn in ihr geden­ke ich zu leben.« Das sag­te Albert Ein­stein. »Selbst den­ken. Eine Anlei­tung zum Wider­stand«, wid­met sich der Fra­ge wie ein sol­ches Leben aus­se­hen soll­te. Harald Wel­zer beschäf­tigt sich mit nichts Gerin­ge­rem als der Gestal­tung der Zukunft. Wem jetzt Bil­der von neu­ar­ti­gen Inter­faces und futu­ris­ti­schen Auto­mo­bi­len in den Kopf schie­ßen, wird jedoch ent­täuscht. Nicht das Erschei­nungs­bild zukünf­ti­gen Designs ist Gegen­stand des Inter­es­ses, son­dern der Ent­wurf eines zukunfts­fä­hi­gen Gesellschaftsmodells.

Harald Wel­zer ist Sozio­lo­ge, Direk­tor von »Futurz­wei - Stif­tung Zukunfts­fä­hig­keit« und Pro­fes­sor für Trans­for­ma­ti­on­de­sign an der Uni­ver­si­tät Flens­burg. Er ist Co-Autor des 2014 im Oekom-Ver­lag Mün­chen erschie­nen Buches »Trans­for­ma­ti­on­de­sign – Wege in eine zukunfts­fä­hi­ge Moder­ne«. Die Zukunft ist sozu­sa­gen sein Metier.

Die Gesell­schaft unse­res Typs habe ihre Zukunft ver­lo­ren, so Wel­zer, ganz im Gegen­satz zu den 1960er-Jah­ren, als die Zukunft noch als »Labor von Möglichkeiten«(S.10) gegol­ten habe. Mit die­sem deut­li­chen State­ment eröff­net Harald Wel­zer sei­ne Aus­füh­run­gen. Ange­sichts vor­herr­schen­der Umwelt­pro­ble­me – Kli­ma­wan­del, Atom­kraft, Über­fi­schung und Ver­schmut­zung der Mee­re – und man­geln­der Lösungs­an­sät­ze, schei­nen Sor­gen durch­aus berech­tigt. Scho­nungs­los führt Wel­zer dem Leser die­se Pro­ble­me und ihre Ursa­chen vor Augen, um anschlie­ßend zu zei­gen, wie es künf­tig bes­ser lau­fen kann.

Anhand von Bei­spie­len deckt er zukunfts­schäd­li­che, wenig nach­hal­ti­ge Geschäfts­mo­del­le auf. Dem Möbel-Rie­sen Ikea wid­met Wel­zer sogar ein eige­nes Kapi­tel: »Wohnst du noch, oder zer­störst du schon?«. Denn die kur­ze Lebens­dau­er der Pro­duk­te und die damit ver­bun­de­ne Res­sour­cen­ver­schwen­dung mache das Ikea-Möbel zum Sinn­bild der moder­nen Weg­werf­ge­sell­schaft. Ener­gisch hält er dem Leser den Spie­gel vor, indem er ihn direkt adres­siert – zum Teil sogar pro­vo­ziert – und erreicht so, dass sich der Leser als Teil des Pro­blems ver­steht. Jeder ist bei­des: Geschä­dig­ter und Mit­tä­ter. Die Tat­sa­che, dass sich der Autor selbst ein­be­zieht, hin­dert einen jedoch dar­an, das Buch belei­digt bei­sei­te zu legen.

Dar­über hin­aus ver­steht Wel­zer es, durch die Mischung von wis­sen­schaft­li­chen Fak­ten und pri­va­ten Anek­do­ten auch Leser ohne Vor­kennt­nis­se abzu­ho­len. Er ver­an­schau­licht anhand bild­haf­ter Spra­che, tref­fen­der Ver­glei­che und eines sar­kas­ti­schen Unter­tons, dass der Glau­be, heu­te bereits nach­hal­tig zu leben, eine Illu­si­on ist. Beson­ders tref­fen­des Bei­spiel ist die Kaf­fee­kap­sel, die auch in ihrer Öko­ver­si­on die Umwelt­bi­lanz nicht schö­nen kann: »Schwupps konn­te ein Pro­dukt als umwelt­freund­lich gel­ten, das es vor kur­zem noch gar nicht gab und das aus­schließ­lich auf­grund sei­ner Inexis­tenz umwelt­freund­lich war«(S.27). So para­dox ist sie, unse­re Konsumwelt.

Nach einer Viel­zahl an Augen­öff­nern lie­fert Wel­zer Bei­spie­le für nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten. Er moti­viert den Leser, nicht län­ger Teil des Pro­blems zu sein, son­dern Teil der Lösung zu wer­den. Bes­tes Mit­tel dafür sei die Reduk­ti­on. Ein­fa­cher gesagt als getan, weiß auch der Autor: »Die emo­tio­na­le Sexy­ness der Auf­for­de­rung ›Lasst uns weni­ger haben!‹ ist arg begrenzt in einer Kul­tur, die in jeder Faser auf Expan­si­on geeicht ist«(S.146). Her­aus­for­de­rung sei es des­halb, die Hal­tung des »Weni­ger« salon­fä­hig zu machen. Um das zu errei­chen ist ein Umden­ken unver­meid­lich. Dazu gehö­re auch, sich die Zukunft als eine »kon­kre­te Uto­pie« vor­zu­stel­len. Sprich: Die Men­schen soll­ten sich lie­ber aus­ma­len, wie ihre Zukunft aus­se­hen soll, nicht, wie sie nicht aus­se­hen darf.

Wel­zers kon­kre­te Uto­pie zeigt eine Gesell­schaft in der es als »cool« gilt »nur noch so viel wie nötig und so wenig wie mög­lich zu haben«(S.154). Und die Logik ist auf sei­ner Sei­te: »Was man nicht hat, braucht kei­nen Raum, […]kann nicht geklaut wer­den, […]braucht nicht umzie­hen, […]kos­tet nichts«(S.154). Natür­lich ist dem renom­mier­tes­ten Lehr­meis­ter der Repu­blik klar, dass man Men­schen nicht durch Beleh­run­gen moti­viert, was ihn jedoch nicht an einem Ver­such hin­dert. Immer­hin bedür­fe es kei­ner Mehr­hei­ten, um eine Gesell­schaft zu ver­än­dern, son­dern »Min­der­hei­ten aus allen rele­van­ten sozia­len Schichten«(S.185). Und die­sen Min­der­hei­ten sei gesagt: »[…] zunächst wer­den die soge­nann­ten ›first movers‹ als Spin­ner betrach­tet, dann als Avant­gar­de, dann als Vorbilder«(S.185). Das macht doch Mut. Also wor­auf war­ten wir noch? Es ist höchs­te Zeit für Veränderung.

Buchbesprechung

»Design hat so viel zu erforschen«

Eine Einführung in die Designtheorie und -forschung

Wer sich mit dem The­ma Design­for­schung aus­ein­an­der­set­zen möch­te, hat im gro­ßen Bücher­re­gal des aktu­el­len Buch­mark­tes bis­her nur eine rela­tiv ein­ge­schränk­te Aus­wahl. Noch schwe­rer wird es, eine all­ge­mei­ne Ein­füh­rung zu fin­den. In der UTB-Lehr­buch­rei­he erschien im Jahr 2009 eine Ein­füh­rung in die »Design­theo­rie und Design­for­schung«, geschrie­ben und her­aus­ge­ge­ben von Exper­ten aus der Dis­zi­plin: Uta Bran­des, Micha­el Erl­hoff und Nadi­ne Schem­mann. Alle­samt aus der Rie­ge der »Köln Inter­na­tio­nal School of Design« (KISD). Nadi­ne Schem­mann, Absol­ven­tin der KISD, ist heu­te als Gra­fi­ke­rin und Illus­tra­to­rin inter­na­tio­nal tätig. Uta Bran­des, inzwi­schen eme­ri­tiert, war bis August 2015 an der KISD Pro­fes­so­rin für Gen­der und Design. Micha­el Erl­hoff, Grün­dungs­de­kan des »Köl­ner Fach­be­reich Design« (heu­te: KISD) war von 1991 bis 2012 Pro­fes­sor für Design­theo­rie und -geschich­te. Bran­des und Erl­hoff ver­öf­fent­lich­ten in ihren Fach­ge­bie­ten bereits zahl­rei­che Wer­ke. So ist das »Wör­ter­buch Design«, das Micha­el Erl­hoff zusam­men mit Tim Mar­shall publi­zier­te, ver­mut­lich vie­len Desi­gnern ein Begriff.

Die Autoren kün­di­gen bereits im Vor­wort an, dass das Lehr­buch kei­ner starr beleh­ren­den Funk­ti­on nach­ge­hen soll, son­dern dazu geschrie­ben wur­de, um »auf ein Stu­di­um im Kon­text von Design-For­schung und Design-Theo­rie[1]« (S. 8) vor­zu­be­rei­ten, »Inten­tio­nen und Gedan­ken und auch Ein­bli­cke in theo­re­ti­sche Strei­tig­kei­ten« (S. 8) zu ver­mit­teln. Letzt­end­lich soll es dazu anre­gen, »sich inten­si­ver mit Design-For­schung und Design-Theo­rie aus­ein­an­der­zu­set­zen« (S. 8). Den Lesern wird mit die­ser Lek­tü­re ein gro­ber Über­blick über die wich­tigs­ten Eck­pfei­ler, Aspek­te und Metho­den der Design­theo­rie und -for­schung verschafft.

Design und Theorie

Zum Ein­stieg wer­den die Grund­be­grif­fe des Buch­ti­tels zunächst in ihre ein­zel­nen Bedeu­tun­gen zer­legt. »Theo­rie«, »For­schung« und »Design« wer­den ety­mo­lo­gisch her­ge­lei­tet und beschrie­ben. Design­theo­rie und Design­for­schung unter­schei­det von älte­ren Dis­zi­pli­nen, dass sie Metho­den und Theo­rien ande­rer Wis­sen­schaf­ten auf­neh­men. Des­halb wer­den im ers­ten Abschnitt des Buches, der sich mit »Design und Theo­rie« befasst, die­je­ni­gen Theo­rien beschrie­ben, die eng mit Gestal­tung und Design ver­bun­den sind: die Har­mo­nie-Leh­re, Ästhe­tik, Wahr­neh­mung, die Bau­haus-Leh­re etc. Anschlie­ßend wer­den soge­nann­te »mul­ti­dis­zi­pli­nä­re Theo­rie-Gebäu­de« ange­führt, die für das Design »brauch­bar« sein kön­nen oder es beein­flus­sen: die Her­me­neu­tik, Semio­tik, Rhe­to­rik, Psy­cho­ana­ly­se. Ein Groß­teil die­ser Theo­rien könn­te den meis­ten Lesern bereits aus Stu­di­um oder All­tag geläu­fig sein. Die Autoren zei­gen dabei auf, wie die Zusam­men­hän­ge inner­halb der Theo­rien zu ver­ste­hen sind und wel­che Aspek­te der jewei­li­gen Theo­rie für das Design eine wich­ti­ge Rol­le spielen.

Design und Forschung

Der zwei­te Teil des Lehr­bu­ches befasst sich mit Design­for­schung. Es wer­den Unter­schei­dun­gen zwi­schen der For­schung »im«, »über«, »mit und durch Design« her­vor­ge­ho­ben, quan­ti­ta­ti­ver von qua­li­ta­ti­ver For­schung unter­schie­den und die Ent­ste­hung der empi­ri­schen For­schung erläu­tert – eben all das, was ein Stu­dent für den Ein­stieg in den Bereich der Design­for­schung grund­sätz­lich wis­sen soll­te. Im letz­ten Abschnitt des Teils über Design­for­schung wird eine alpha­be­ti­sche Samm­lung von Design­for­schungs­me­tho­den auf­ge­führt, die – ähn­lich den Design­theo­rien – ursprüng­lich aus ande­ren Dis­zi­pli­nen stam­men. Vor allem aus den Sozi­al- und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten habe sich die Desi­gner eini­ges abgeschaut.

Von A wie Akti­ons­for­schung über Groun­ded Theo­ry und Trend­for­schung bis zu W wie Wicked Pro­blems wer­den 30 Design­for­schungs­me­tho­den beschrie­ben, deren Durch­füh­rung erklärt und ihre Ursprün­ge und Ent­ste­hung erläu­tert. Die Metho­den­samm­lung ist auf farb­lich abge­ho­be­nen Sei­ten gedruckt und kann somit beim Nach­schla­gen leich­ter gefun­den werden.

Design-Theo­rie und Design-For­schung studieren

Auf den letz­ten Sei­ten des Lehr­bu­ches befin­det sich ein hilf­rei­ches Ver­zeich­nis von Hoch­schu­len im deutsch­spra­chi­gen Raum, die Design­theo­rie oder -for­schung in ihrem Cur­ri­cu­lum anbie­ten. Auch ein wei­te­res Ver­zeich­nis von aktu­el­len Web­adres­sen deutschsprachiger
Insti­tu­tio­nen im Bereich der Design­for­schung ist vorhanden.

Wie bereits erwähnt wur­de, ist die opti­sche Abhe­bung der Design­for­schungs­me­tho­den sehr nut­zer­freund­lich gestal­tet. Die Aus­füh­run­gen der Autoren sind jedoch häu­fig umständ­lich und unprä­zi­se geschrie­ben. Beach­tet man dar­über hin­aus die Ziel­grup­pe die­ses Buches – Desi­gner, die oft gro­ßen Wert auf Ästhe­tik legen, und die Gestal­ter unter ihnen, deren Herz für Typo­gra­fie schlägt –, so tra­gen zwar die Illus­tra­tio­nen jeder Dop­pel­sei­te zu einer guten visu­el­len Unter­stüt­zung der Inhal­te bei, durch diver­se Schreib­feh­ler und typo­gra­fi­sche Faux­pas aller­dings könn­ten die Autoren bei den Lesern schnell in Ungna­de fal­len. Da wäre zum Bei­spiel ein durch den Block­satz ver­ur­sach­ter, viel zu gerin­ger Wort­ab­stand, der den Leser fast dazu zwingt, die Zei­le als zusam­men­hän­gen­des Wort zu sehen (z. B. S. 60, 3. Abschnitt) – und das nicht nur ein­mal. Eine aus­ge­feil­te­re Über­schrif­ten-Hier­ar­chie wäre eben­falls nütz­lich für eine leich­te­re Unter­schei­dung der Text­re­le­vanz, was zwangs­läu­fig auch zu einer bes­se­ren Ori­en­tie­rung im Buch führte.

Fazit

»Design­theo­rie und Design­for­schung« zeigt auf, war­um ein wis­sen­schaft­li­cher Ansatz des Designs längst über­fäl­lig war und wel­che Poten­tia­le sich in die­ser jun­gen Dis­zi­plin ver­ber­gen: »Das Design hat so viel zu erfor­schen – und dar­in, so müs­sen wir fest­hal­ten, auch viel nach­zu­ho­len.« (S. 192) Völ­lig ohne Vor­kennt­nis­se ist die­ses Buch aller­dings schwer zu lesen, da Ein­stei­ger durch die abs­trak­ten Aus­füh­run­gen der Autoren in Ver­bin­dung mit dem kom­pli­zier­ten Schreib­stil schnell über­for­dert wer­den kön­nen. Ein kla­rer und ein­fa­cher Schreib­stil wäre für eine Neu­auf­la­ge also sehr wün­schens­wert und wür­de vor allem der Ziel­grup­pe jun­ger Design­stu­den­ten entsprechen.

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