Buchbesprechungen

»Auf Dauer kreativ und ansprechend«

Jens Müller über die Vielfalt des Logos

Eine Rezension von Annika Körber


Wer ger­ne Bil­der anschaut, ist hier genau rich­tig. 6000 Logos aus einer Zeit von 1940 bis 1980 zusam­men­ge­fasst in einem ein­zi­gen Buch. Mit die­ser umfas­sen­den Samm­lung wird das 2015 im Taschen Ver­lag erschie­ne­ne Buch »Logo Moder­nism« von Jens Mül­ler zur Inspi­ra­ti­ons­quel­le für Logo-Enthusiasten.

Neben der beein­dru­cken­den Samm­lung an Logos besticht das Buch vor allem durch sein Aus­se­hen. Mit einem For­mat von 24,6 x 37,2 cm und einem Gewicht von 3,5 Kilo­gramm gehört es defi­ni­tiv nicht zur leich­ten Lek­tü­re. Was der Leser even­tu­ell als unhand­lich und schwer emp­fin­det, ver­schafft den Inhal­ten jedoch genug Raum, um deren vol­le Wir­kung zu ent­fal­ten. Eine wei­te­re Beson­der­heit, die »Logo Moder­nism« von ande­ren Büchern unter­schei­det, ist, dass Mül­ler die Inhal­te nicht nur ein­spra­chig, son­dern drei­spra­chig auf Eng­lisch, Deutsch und Fran­zö­sisch präsentiert.

Inhalt­lich beschäf­tigt sich Mül­ler zunächst mit der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Logos sowie der Fra­ge, wel­che Bedeu­tung Logos für die Ent­wick­lung einer Cor­po­ra­te Iden­ti­ty haben. Im wei­te­ren Ver­lauf des Buches fin­det der Leser einen Essay von R. Roger Reming­ton über die Moder­ne sowie Kom­men­ta­re und Erfah­rungs­be­rich­te ein­fluss­rei­cher Desi­gner aus der Logo-Sze­ne. Die­se Anmer­kun­gen ermög­li­chen dem Leser, ein tie­fe­res Ver­ständ­nis für die Mate­rie zu erhal­ten und einen rea­li­täts­na­hen Bezug her­zu­stel­len. Ein Zitat von Her­mann Zapf, das das Wesen von Logos umfas­send beschreibt, lau­tet so: »Logos sind die abs­trak­tes­te Form des Gra­fik­de­signs: das Bild und die Stär­ke einer Orga­ni­sa­ti­on oder Fir­ma, redu­ziert auf ein Sym­bol von all­ge­mei­nem, sofor­ti­gem Wie­der­erken­nungs­wert. Schlicht­heit gepaart mit Aus­drucks­kraft. Bis­wei­len steht ein Logo am Ende einer lan­gen Ent­wick­lung von der ers­ten Idee bis zur end­gül­ti­gen Aus­füh­rung.« (S. 347)

Nach­dem der Leser durch die Geschich­te des Logos an das The­ma her­an­ge­führt wur­de, beschäf­tigt sich Mül­ler mit ver­schie­de­nen Logo­ar­ten und unter­teilt die­se in drei über­ge­ord­ne­te Kate­go­rien – »Geo­me­trisch«, »Effekt« und »Typo­gra­fisch«. Die­se drei Über­ka­te­go­rien wer­den noch­mals in klei­ne­re Unter­ka­te­go­rien ein­ge­teilt, die neben unzäh­li­gen Logos bekann­ter Unter­neh­men auch rea­le Fall­bei­spie­le behan­deln. Anhand die­ser Bei­spie­le wird der theo­re­ti­sche Teil pra­xis­nah ergänzt und der Leser erfährt, wie die Logo- und CI-Ent­wick­lung rea­li­siert wird.

Ent­ge­gen der nahe­lie­gen­den Erwar­tung beinhal­tet das Buch trotz diver­ser Logo- und Fall­bei­spie­le kei­ne Anlei­tung zur Logo­ent­wick­lung. Viel­mehr dient es als Inspi­ra­ti­ons­quel­le und dazu, mehr Hin­ter­grund­wis­sen über die Geschich­te des Logos und des­sen gestal­te­ri­schen Merk­ma­le zu erhal­ten. Beson­ders span­nend zu sehen ist, wie vie­le Logos bis heu­te noch in ihrer ursprüng­li­chen oder ähn­li­chen Form von den Unter­neh­men ver­wen­det wer­den. Der Desi­gner Paul Ibou beschreibt die Wir­kung des Logos wie folgt: »Im Gegen­satz zu allen ande­ren gra­fi­schen Pro­duk­ten und Wer­be­tech­ni­ken, die letzt­lich recht kurz­le­big sind, besteht der Sinn eines Logos oder einer Bild­mar­ke eben genau nicht in einer sofor­ti­gen Wer­be­wirk­sam­keit. Ihr Zweck liegt viel­mehr dar­in, auf Dau­er krea­tiv und anspre­chend zu wir­ken.« (Ibou, Paul; S. 377) Mit die­ser Aus­sa­ge von Ibou möch­te der Autor Jens Mül­ler die Rele­vanz des Logos und somit auch des Buches hervorheben.