Buchbesprechungen
»Fraktur stand neben Futura«
Andreas Koop über das Design im Nationalsozialismus
Wie viel bezahlten die Nationalsozialisten eigentlich für ein Logo? War die Frakturschrift wirklich die bevorzugte Schrift? Was veränderte sich das Hakenkreuz im Lauf der Zeit gestalterisch?
Andreas Koop beleuchtet in seinem Buch »NSCI – Das visuelle Erscheinungsbild des Nationalsozialismus 1920–1945«, wie das NS-Regime Propaganda und Design nutzte, um seine Ideologie zu verbreiten und zu festigen. Seine Analyse bleibt nüchtern und sachlich – der Begriff Corporate Identity (CI) wirkt allerdings irreführend, denn treffender wäre hier eher die Bezeichnung »Corporate Design Manual«. Behandelt wird hier das äußere Erscheinungsbild des Nationalsozialismus und nicht die komplette Identität. Aus der Sicht eines Designers sammelt und analysiert Andreas Koop die Gestaltung der Nationalsozialisten aus einem neuen Blickwinkel.
Seit Jahren beschäftigt sich Koop mit der visuellen Designforschung und veröffentlichte bereits zahlreiche Bücher. »NSCI – Das visuelle Erscheinungsbild des Nationalsozialismus 1920–1945« erschien 2008 im Hermann Schmidt Verlag und liegt mittlerweile in der dritten Auflage vor.
Überraschend für so manchen, der die Nazis mit einem geordneten, strengen System in Verbindung bringt, mag die Erkenntnis sein, dass das visuelle Erscheinungsbild viel chaotischer und ungeordneter war, als man vermuten würde. Denn Hitler und seine Helfer bedienten sich bei verschiedenen Quellen. Besonders in den frühen Jahren des Regimes war die Außenwirkung eher unauffällig, um internationale Kritik zu vermeiden. Erst 1936 kam es zu einer weitgehenden Vereinheitlichung der visuellen Darstellung, die jedoch weiterhin von gestalterischem Wildwuchs geprägt war.
Die rote Farbe übernahm man beispielsweise von den Sozialisten, beim Hakenkreuz bediente er sich eines alten buddhistischen Glückssymbols und lud es mit einer neuen Bedeutung von Angst und Terror auf. Die Uniformen übernahm das Regime zunächst von der Reichswehr, während die Frakturschrift als Symbol deutschen Kulturguts beibehalten wurde.
Welche Rolle spielte das Corporate Design bei der Manifestation der nationalsozialistischen Ideologie? Koop baut sein Buch wie ein Design Manual auf, um diese Frage zu beantworten. Vom Hakenkreuz über die Typografie bis zum öffentlichen Raum werden die Gestaltungsmittel unter die Lupe genommen und untersucht, wie sie die nationalsozialistische Ideologie unterstützten.
Dabei gelingt es dem Autor, die Strategien des NS-Regimes zu analysieren, ohne sie zu glorifizieren, und ein fundiertes Verständnis für die Mechanismen von Propaganda zu schaffen.
Ein Schwachpunkt des Buches ist die Größe der Abbildungen: Für ein Design-Buch, das sich auf visuelle Analysen stützt, sind diese leider oft zu klein, um Details klar nachvollziehen zu können. Insgesamt ist das Buch eine wertvolle, übersichtliche Zusammenfassung der visuellen Identität der Nationalsozialisten und perfekt für jeden, der sich mit der Wirkung von Gestaltung auf die Gesellschaft und Ideologie auseinandersetzen möchte.
