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Intertextualität in Haus- und Abschlussarbeiten

Empirische Befunde in Texten von Studenten

Von Tony Franzky und Sabina Krämer


Ein maß­ge­ben­der Fak­tor bei der Beur­tei­lung der Qua­li­tät von schrift­li­chen Stu­di­en­leis­tun­gen und Abschluss­ar­bei­ten ist – wie auch in der Wis­sen­schaft – die Güte und tex­tu­el­le Inte­gra­ti­on von ver­wen­de­ter und refe­ren­zier­ter Lite­ra­tur. Vor dem Hin­ter­grund eines Ver­ständ­nis­ses von Schreib­ent­wick­lung als Ein­bet­tungs- und Adap­ti­ons­ver­hal­ten in eine »sozi­al gepräg­te, vor­find­li­che Ord­nung« (Stein­hoff 2007: 134) und als fort­wäh­ren­den trans­for­ma­to­ri­schen und auf­ga­ben­ge­bun­de­nen Pro­zess (ebd.: 418) ist daher anzu­neh­men, dass sich eine sol­che Ent­wick­lung auch im Kon­text von Lite­ra­tur­ver­wen­dung wider­spie­gelt. Als Begleit­for­schung zu einer umfas­sen­den Text­kor­pus­ana­ly­se im Rah­men des IQF-Pro­jekts »Pla­gi­ats­prä­ven­ti­on / reFAIR­renz« wur­de dies näher unter­sucht, wobei im Vor­trag wesent­li­che Unter­schie­de zwi­schen stu­den­ti­schen Haus- und Abschluss­ar­bei­ten kon­tras­tiv gezeigt wur­den. Dies wur­de anhand einer nähe­ren Betrach­tung der Lite­ra­tur­ver­wen­dung, der Ein­bet­tungs­stra­te­gie von Inhal­ten, der Per­sis­tenz von Quel­len sowie der Ver­wen­dung grau­er oder strit­ti­ger Quel­len­for­ma­te dar­ge­legt. Die Aus­wer­tung erfolg­te dabei exem­pla­risch an stu­den­ti­schen Haus- und Abschluss­ar­bei­ten der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le Frei­burg.

Ein­lei­tung

Im Rah­men des IQF-finan­zier­ten Pro­jek­tes »Pla­gi­ats­prä­ven­ti­on« (Lauf­zeit 01.2014 - 12.2016) wur­de eine umfang­rei­che Stu­die zur Typo­lo­gi­sie­rung von inter­tex­tu­el­len Feh­lern durch­ge­führt. Ziel des Pro­jek­tes ist es, Pla­gi­ats­prä­ven­ti­ons­stra­te­gi­en und didak­ti­sche Kon­zep­te für alle im Land ver­tre­te­nen Hoch­schul­ty­pen sowie Stu­di­en­dis­zi­pli­nen zu ent­wi­ckeln und zu eta­blie­ren. Zu die­sem Zweck wur­den an der PH Frei­burg in Koope­ra­ti­on mit den Pro­jekt­part­nern Uni­ver­si­tät Kon­stanz und HTWG Kon­stanz  stu­den­ti­sche Haus- und Abschluss­ar­bei­ten hin­sicht­lich ihrer inter­tex­tu­el­len Feh­ler­haf­tig­keit sowie dem all­ge­mei­nen Ver­lauf der Schreib­ent­wick­lung in dia­chro­ner als auch fach­kul­tur­ab­hän­gi­ger Per­spek­ti­ve unter­sucht. Die Ergeb­nis­se zei­gen dabei nicht nur die Viel­fäl­tig­keit von inter­tex­tu­el­len Feh­lern, son­dern erlau­ben auch eine empi­risch fun­dier­te Ent­wick­lung von didak­ti­schen Mate­ria­li­en, wel­che den spe­zi­fi­schen Bedürf­nis­sen der ver­schie­de­nen Hoch­schul­ty­pen Baden-Würt­tem­bergs Rech­nung tra­gen. Im Fol­gen­den sol­len eini­ge an der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le in Frei­burg her­aus­ge­ar­bei­te­ten Aspek­te der Schreib­ent­wick­lung gezeigt wer­den.

1 Metho­den und Kor­pus

Das metho­di­sche Kon­zept umfasst eine kate­go­ri­en­ge­lei­te­te Doku­men­ten­ana­ly­se anhand eines lin­gu­is­ti­schen Kor­pus mit einem im Schwer­punkt qua­li­ta­tiv typo­lo­gi­sie­ren­dem (nach May­ring 2002; Kuck­artz 2010 und wei­te­re) sowie ergän­zend quan­ti­ta­tiv beschrei­ben­dem Cha­rak­ter. Die hier vor­ge­stell­ten Ergeb­nis­se stel­len dabei Begleit­for­schung zu einer deskrip­ti­ven Typo­lo­gie inter­tex­tu­el­ler Feh­ler dar, mit dem Ziel das Pro­blem­feld »Pla­gia­ris­mus« und inter­tex­tu­el­le Feh­ler zu struk­tu­rie­ren und theo­rie­bil­dend im Ent­wick­lungs­kon­text von Schreib­kom­pe­ten­zen zu ver­or­ten.

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Abbil­dung 1: Zusam­men­set­zung Text­kor­pus [1]

Das Kern­kor­pus unter­such­ter stu­den­ti­scher Tex­te umfasst der­zeit 455 Arbei­ten sowie 96 Inhal­te im erwei­ter­ten Kor­pus. Die­ses bil­det einen Quer­schnitt sowohl der unter­schied­li­chen Hoch­schul­ty­pen Baden-Würt­tem­bergs (Päd­ago­gi­sche Hoch­schu­len, Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len) ab, als auch eine Zusam­men­stel­lung über Stu­di­en­ver­läu­fe  und Stu­di­en­fä­cher­grup­pen. Somit ist eine Daten­men­ge vor­han­den, die einen induk­ti­ven Zugriff auf ein viel­schich­ti­ges Gesamt­ag­gre­gat zulässt. Im hier betrach­te­ten »PH-Kor­pus« sind 71 Tex­te aus dem Lehr­amts­stu­di­um der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le Frei­burg ent­hal­ten. Die Tex­te stam­men aus den Fach­be­rei­chen Erzie­hungs­wis­sen­schaft, Mathe­ma­tik und Deutsch. Alle Tex­te wur­den anony­mi­siert und bei­gefüg­tes For­schungs­ma­te­ri­al (Anhän­ge, Tran­skrip­te, Arbeits­do­ku­men­ta­tio­nen) ent­fernt. Die Grund­ge­samt­heit der Zufalls­stich­pro­be bil­den dabei stu­den­ti­sche Haus- sowie Abschluss­ar­bei­ten in den Lehramsts­stu­di­en­gän­gen im Ein­rei­chungs­zeit­raum 2010 bis 2013. Neben inter­tex­tu­el­ler Feh­ler­haf­tig­keit wur­den ins­ge­samt acht Unter­su­chungs­di­men­sio­nen in die Ana­ly­se ein­ge­bun­den. So wur­den funk­tio­na­le Aspek­te von Inter­tex­tua­li­tät erfasst, Umfang und Quan­ti­tät direk­ter inter­tex­tu­el­ler Bezü­ge, die Ver­wen­dung von Ver­wei­sungs­ab­kür­zun­gen, Fremd­spra­chig­keit von Quel­len, Diver­si­tät der Quel­len­ver­zeich­nis­se, Online­ver­füg­bar­keit und For­men von Quel­len­for­ma­ten.

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Abbil­dung 2: Sta­tis­ti­sche Daten des PH Kor­pus

Für das PH-Kor­pus wur­den stu­den­ti­sche Haus­ar­bei­ten aus der Früh­pha­se des Stu­di­ums, aus der fort­ge­schrit­te­nen Pha­se des Stu­di­ums sowie Abschluss­ar­bei­ten erho­ben, ope­ra­tio­na­li­siert über die Modul­struk­tur des Lehr­amts­stu­di­ums, mit dem Zweck eine Ent­wick­lung im Schreib­pro­zess zu unter­su­chen.