Essay

Kunst : Jetzt = Bewusst-Sein-Kunst

Beitrag II aus dem Katalog zur »Plakartive 2015«

Von Gerhard Johann Lischka


Bewusst­sein braucht Zeit, denn es ist ein stän­di­ges Bewusst­wer­den. Es sind Ent­schei­dun­gen, die wir immer wie­der modi­fi­zie­ren, unse­ren Lebens­la­gen anpas­sen. Wobei es sich um Selbst- wie um Fremd­be­stim­mun­gen han­delt: was nach unse­rem Wil­len ist oder uns nicht genehm, wenn nicht gar zuwi­der ist.

Die­ser Pro­zess betrifft pri­mär unser kör­per­li­ches Wohl­be­fin­den. Doch wie wirkt sich die dau­ernd sich ver­än­dern­de Bewusst­seins-Lage auf unse­ren Geist und die Psy­che, unser ganz­heit­li­ches Kör­per­bild aus?

Das zu beant­wor­ten ist schwie­rig. Es reizt uns aber den­noch, über den Gewinn von Bewusst­seins-Erwei­te­run­gen, die man ja nur indi­vi­du­ell erfah­ren kann, nach­zu­den­ken. Und wir bemer­ken, dass es zunächst unter­schied­li­che Bewusst­seins-Hori­zon­te gibt, die es zu erwei­tern gilt.

Dabei ist der inter­es­san­tes­te, nie abschliess­ba­re und defi­ni­tiv dis­ku­tier­ba­re Hori­zont die Kunst. Auf die Geschich­te bezo­gen, wer­den wir uns ver­hält­nis­mäs­sig schnell über als Kunst akzep­tier­te Wer­ke ver­stän­di­gen. Was aber gegen­wär­tig Kunst ist, dar­über kann ein end­lo­ser Dis­kurs mit Aner­ken­nung und Kri­tik geführt wer­den.

Auch unser eige­nes Urteil konn­ten oder muss­ten wir dabei revi­die­ren, die sich durch­set­zen­den Mei­nun­gen waren zu über­zeu­gend. Es ist aber sehr wahr­schein­lich, dass die­se auch wie­der­um modi­fi­ziert wer­den, wenn nicht gar wider­legt. Das Gegen­warts-Kunst-Pro­jekt ist und bleibt offen, gera­de weil es hin­ter­frag­bar ist.


»Sprache für die Form«, Ausgabe Nr. 6, Frühjahr 2015