Buchbesprechung

»Marken sind auch nur Menschen«

Andreas Freitag präsentiert Einsichten ohne Floskeln

Eine Rezension von Rainer Wiest


Dass der Her­mann Schmidt Ver­lag hoch­wer­tig pro­du­zier­te Bücher her­aus­gibt, ist hin­läng­lich bekannt. »Von Mar­ken und Men­schen – Arbeit, Füh­rung und das gute Leben« von Andre­as Frei­tag ist da kei­ne Aus­nah­me. Bereits der Umschlag über­zeugt hap­tisch, und spä­tes­tens wenn der Leser einen Blick in Frei­tags Erst­lings­werk wirft und das hoch­qua­li­ta­ti­ve Natur­pa­pier erfühlt, dürf­te es – zumin­dest optisch – um ihn gesche­hen sein.

Bereits die Ein­lei­tung mit den hand­ge­zeich­ne­ten Illus­tra­tio­nen und der direk­ten Fra­ge­stel­lung an den Leser lässt ahnen, dass es sich bei »Von Mar­ken und Men­schen« nicht um ein klas­si­sches Fach­buch oder gar einen Mar­ke­ting­rat­ge­ber han­delt. Freund­li­cher­wei­se warnt der Autor auch per­sön­lich vor mög­li­chen Miss­ver­ständ­nis­sen: »(…) dies ist kein Buch über Mar­ken­füh­rung. Über­haupt ist es kein Fach­buch, das Ihnen Wis­sen ver­mit­teln möch­te, son­dern höchs­tens ein Sach­buch, das sich um ein wenig Weis­heit bemüht.« (S.13)

Andre­as Frei­tag bemüht sich um eine mög­lichst ein­fa­che und schlüs­si­ge Struk­tur, um Les­bar­keit und Ver­ständ­lich­keit auch für fach­frem­de Leser zu maxi­mie­ren. Und dies gelingt ihm ohne Zwei­fel. Dar­aus ergibt sich eine erfri­schend unkom­pli­zier­te Sicht auf Mar­ken und Füh­rung, auf Men­schen und Mit­ein­an­der im Arbeits­all­tag. Trotz des nicht all­zu kom­ple­xen Schreib­stils bie­tet Frei­tag inter­es­san­te Fak­ten und unge­wöhn­li­che Sicht­wei­sen, die das Werk auch für eine fach­lich gepräg­te Ziel­grup­pe loh­nend wer­den las­sen.

Das Buch ist in drei wesent­li­che Tei­le geglie­dert: »Mar­ken«, »Men­schen« und »Mar­ken und Men­schen«. Die Tren­nung dazwi­schen gelingt dem Autor jedoch nicht immer. Daher hat man als Leser hier und da das Gefühl, dass sich Frei­tag mit sei­nen Aus­sa­gen im Kreis dreht und Inhal­te wie­der­holt. Viel­leicht aber ist das genau der Tat­sa­che geschul­det, auf die Frei­tag hin­aus will, näm­lich dass »Mar­ken eben auch nur Men­schen sind« (S.53). Dem Lese­fluss tut das aller­dings kei­nen Abbruch.

Das ers­te Drit­tel der Lek­tü­re han­delt, wie der Name bereits ver­mu­ten lässt, vor­nehm­lich von Mar­ken und deren Stel­lung in der Gesell­schaft. Frei­tag unter­mau­ert sei­ne The­sen anhand vie­ler aktu­el­ler und bekann­ter Bei­spie­le. Es gelingt ihm tref­fend, auf Sinn und Unsinn hin­ter so manch bekann­ter Mar­ke hin­zu­wei­sen, ohne dabei all­zu sub­jek­tiv zu wer­den.

Im zwei­ten Teil behan­delt der Autor neben klas­si­scher Mar­ken­füh­rung die Wir­kung von Mar­ken auf Kun­den, Mit­ar­bei­ter und Unbe­tei­lig­te. Auch hier tra­gen wie­der nam­haf­te Bei­spie­le wie die Deut­sche Bahn, Tele­kom, Luft­han­sa und Sie­mens dazu bei, dass man sich schnell in den Schil­de­run­gen von Frei­tag wie­der­fin­det und sich selbst zum Text posi­tio­nie­ren kann.

Wäh­rend sich die ers­ten zwei Drit­tel von »Von Mar­ken und Men­schen« um Defi­ni­ti­on und Dif­fe­ren­zie­rung bemü­hen, liest sich das letz­te Drit­tel des Buches am ehes­ten wie ein Rat­ge­ber, in dem der Autor stich­punkt­ar­tig auf wich­ti­ge Fra­ge­stel­lun­gen in arbeits­all­täg­li­chen Situa­tio­nen ein­geht und die­se über­sicht­lich aus­for­mu­liert. Dabei hat Frei­tag vom Mit­ar­bei­ter über den Bewer­ber, vom Unter­neh­mer bis zum Jour­na­lis­ten hilf­rei­che Tipps parat, wie mit dem The­ma »Mar­ken« umge­gan­gen wer­den kann.

Frei­tag gelingt es alles in allem tref­fend, auch fach­frem­den Lesern einen Ein­blick in die Welt der Mar­ken zu geben, ohne sich dabei hin­ter Mar­ke­ting­flos­keln und Fach­wör­tern zu ver­ste­cken. Sei­ne kri­tisch-hin­ter­fra­gen­de Vor­ge­hens­wei­se und sei­ne oft bei­na­he schon phi­lo­so­phi­schen Denk­an­sät­ze run­den die­se kurz­wei­li­ge Lek­tü­re ab.


»Sprache für die Form«, Ausgabe Nr. 10, Frühjahr 2017