So wird das Phä­no­men des periphä­ren Sehens zum wesent­li­chen Bestand­teil guter Inter­face­ge­stal­tung. Denn wäh­rend der tat­säch­li­che Schär­fe­be­reich der Augen im Ver­hält­nis zu unse­rem Sicht­feld auf einen rela­tiv klei­nen Bereich beschränkt ist, den wir durch die Bewe­gung unse­rer Augen je nach Inter­es­se auf einen belie­bi­gen Punkt fixie­ren kön­nen, sug­ge­riert uns die vir­tu­el­le Rea­li­tät ein zwei­tes Sicht­feld, wel­ches jedoch eine kon­stan­te Schär­fe oder Unschär­fe auf­weist. Die­se Schär­fe ist nicht abhän­gig von der Fixie­rung unse­rer Augen, son­dern von den Para­me­tern der gra­fi­schen Engi­ne, die das Bild auf den Moni­tor aus­gibt. Dies führt unter Umstän­den dazu, dass gra­fi­sche Ele­men­te, die auf einem her­kömm­li­chen Moni­tor scharf wahr­ge­nom­men wer­den, bei der Benut­zung mit einer VR-Bril­le plötz­lich am Rand unse­res Sicht­fel­des erschei­nen und dem­entspre­chend erst von uns fixiert wer­den müs­sen, um les­bar zu sein - was unse­ren Blick dann wie­der­um von der eigent­li­chen Sze­ne ablenkt. 

Ein ziel­füh­ren­der Umgang mit dem Medi­um und sei­nen Schwie­rig­kei­ten wird die Zukunft und den Wer­de­gang von Vir­tu­al Rea­li­ty, Mixed Rea­li­ty und Aug­men­ted Rea­li­ty in den kom­men­den Jah­ren maß­geb­lich beein­flus­sen. Die digi­ta­le Rea­li­tät wird, ver­gleich­bar mit dem Fern­se­hen und dem Smart­pho­ne, über kurz oder lang ein Bestand­teil unse­res All­tags wer­den, wahl­wei­se als eigen­stän­di­ges Device oder eben als neu­es Fea­ture in unse­ren Mobil­te­le­fo­nen. Die Zeit, die das Medi­um noch benö­ti­gen wird, um wirk­lich mas­sen­taug­lich zu sein, darf jedoch nicht nur von tech­ni­scher Wei­ter­ent­wick­lung geprägt sein, son­dern muss sich – noch mehr als bis­he­ri­ge 3D-Medi­en – mit Erkennt­nis­sen aus der Wahr­neh­mungs­psy­cho­lo­gie, vor allem aber auch mit neu­en Anfor­de­run­gen im Bereich von User Inter­faces und User Expe­ri­ence aus­ein­an­der­set­zen. Es bleibt zu hof­fen, dass die­ser Punkt in der aktu­el­len, rasan­ten Ent­wick­lung berück­sich­tigt wird.


»Sprache für die Form«, Ausgabe Nr. 11, Herbst 2017