Hördatei

»Wir müssen lernen, dass Wissen Geld kostet«

Chefredakteurin Gabriele Fischer über guten Journalismus

Von Sophie Rempen


»Die Zei­ten, um Maga­zi­ne zu grün­den, sind immer schlecht«, stellt Gabrie­le Fischer fest. Die Chef­re­dak­teu­rin erläu­tert, wel­che Merk­ma­le das von ihr gegrün­de­te Wirt­schafts­ma­ga­zins »brand eins« aus­zeich­nen und wie ver­ständ­lich über öko­no­mi­sche The­men berich­tet wer­den kann: »Wir brau­chen kei­ne Wirt­schafts­jour­na­lis­ten, wir brau­chen gute Journalisten.«

 

Illustrationen

»Wie wir überhaupt etwas verstehen«

Zwölf Arbeiten des Künstlers Olaf Probst

 

  • Errata, Anzeige, Stuttgarter Wochenblatt, 1989
    Erra­ta, Anzei­ge, Stutt­gar­ter Wochen­blatt, 1989
  • Anzeige, Stuttgarter Wochenblatt, 1993
    Anzei­ge, Stutt­gar­ter Wochen­blatt, 1993
  • Anzeigenreprints von Anzeigen in diversen Zeitungen seit 1986, Soll+Haben, gutleut_verlag, 2009
    Anzei­gen­re­prints von Anzei­gen in diver­sen Zei­tun­gen seit 1986, Soll+Haben, gutleut_verlag, 2009
  • www.olafprobst.net, SZ, 2016
    www.olafprobst.net, SZ, 2016
  • Wu+uMu+uW, Palindromschleifenzeichnung, 2012
    Wu+uMu+uW, Palin­drom­schlei­fen­zeich­nung, 2012
  • Wu+uMu+uWPalindromschleifenzeichnung, Detail, 2012
    Wu+uMu+uWPalindromschleifenzeichnung, Detail, 2012
  • Wu+uMu+uWPalindromschleifenzeichnung, Detail, 2012
    Wu+uMu+uWPalindromschleifenzeichnung, Detail, 2012
  • ur-nun, Palindromschleifenzeichnung, 2012
    ur-nun, Palin­drom­schlei­fen­zeich­nung, 2012
  • ALLONENOLLALLOVEVOL-Palindromschleifenzeichnung, 2016
    ALLO­NEN­OLL­ALL­OVE­VOL-Palin­drom­schlei­fen­zeich­nung, 2016
  • GLOBALOCALACOLABOLG-Palindromschleifenzeichnung, 2016
    GLO­BA­LO­CALA­CO­LA­BOLG-Palin­drom­schlei­fen­zeich­nung, 2016
  • Katastrophäen, 2020
    Kata­s­tro­phä­en, 2020
  • the medium is a nonsense, Graphit auf Post-It, 2020
    the medi­um is a non­sen­se, Gra­phit auf Post-It, 2020

Der in Mün­chen leben­de Künst­ler Olaf Probst hat in den 1980er Jah­ren an der Staat­li­chen Aka­de­mie der Bil­den­den Küns­te Stutt­gart Kunst­er­zie­hung und inter­me­dia­les Gestal­ten stu­diert. In zahl­rei­chen Ein­zel- und Grup­pen­aus­stel­lun­gen waren sei­ne Arbei­ten im In- und Aus­land zu sehen.

Sein Künst­ler­kol­le­ge Ste­fan Schessl hält über ihn fest: »Olaf Probsts Anlie­gen kreist um die Fra­ge, wie wir über­haupt etwas ver­ste­hen, ob wir Bil­der lesen oder Bil­der text­lich wahr­neh­men, und ob ›ver­ste­hen‹ selbst nicht viel­mehr ein Feh­ler ist, gespeist von der Ver­mu­tung, hin­ter dem Erfass­ten müs­se sich zwangs­läu­fig etwas ande­res ver­ber­gen. Er zeigt mono­chro­me Flä­chen, deren Grau­wert sich bei naher Betrach­tung z. B. aus der repe­ti­ti­ven Typo­gra­fie des Bei­na­he-Palin­droms ›meins­nie­deins­nie‹ zusam­men­setzt oder er zeigt Pin­sel­spu­ren, die aus der Nähe betrach­tet aus fein geschrie­be­nen Palin­drom­schlei­fen bestehen.«

Wei­te­re Bei­spie­le sei­nes Schaf­fens und aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen über Olaf Probst kön­nen abge­ru­fen wer­den unter: www.olafprobst.net.

 

 

Mythen des Alltags

Navigationssysteme

»Wenn möglich, bitte wenden und das Ziel überdenken!«

Ein paar Schrit­te in eine Rich­tung, am Absatz kehrt und wie­der zurück. Er bewegt sich nicht, der blaue Punkt. Kei­ne Ver­bin­dung zum Inter­net. Kei­ne Ori­en­tie­rung. Ohne mobi­le Daten bleibt auch der Mensch immo­bil. Dann end­lich ein Signal. Und er bewegt sich doch! Ein Klick auf den Start-But­ton und es geht los. »Auf der Stum­per­gas­se Rich­tung Nord­os­ten, dann rechts abbie­gen in die Schmalz­hof­gas­se«, mel­det sich der Goog­le Assis­tent zu Wort — oder folgt man lie­ber den Anwei­sun­gen der sym­pa­thi­schen Goog­le Assis­ten­tin? Den Blick auf den Screen gehef­tet geht es siche­ren Schrit­tes die gepunk­te­te Linie ent­lang tief hin­ein in Häu­ser­schluch­ten. Gleich einer Figur in einem Video­spiel, fern­ge­steu­ert von Satel­li­ten, die auf fixen Bah­nen um die Erde krei­sen. Fuß­gän­ger pas­sie­ren ohne zu tou­chie­ren. Wie ein Eis­bre­cher bahnt sich der GPS-Navi­gier­te den Weg durch die sams­täg­li­chen Shop­ping-Mas­sen. »200 Meter dem Stra­ßen­ver­lauf fol­gen, dann links abbie­gen, nach 100 Metern halb rechts abbie­gen« — Ob das der kür­zes­te Weg ist? Unbe­irrt wird der Irr­gang fortgesetzt. 

Die phy­si­sche Prä­senz des Fuß­gän­gers ist nicht mehr not­wen­dig, meist kann ein Ort vir­tu­ell via Goog­le Earth abge­lau­fen wer­den. Eine Foto­gra­fin in Lon­don erkun­det Orte über Goog­le Street View und bringt Screen­shots als Sou­ve­nirs von ihren Spa­zier­gän­gen in der vir­tu­el­len Welt mit.[1] Neue tech­ni­sche Gad­gets wie Goog­le Glass oder Head-up-Dis­plays lösen die Gren­zen zwi­schen Rea­li­tät und Kar­to­gra­phie auf.[2] Im Bond-Film »Gold­fin­ger« ist das Arma­tu­ren­brett des Aston Mar­tin bereits mit einem Navi­ga­ti­ons­sys­tem aus­ge­stat­tet. Was im Jahr 1964 noch als futu­ris­ti­scher Film­gag galt, dem Geheim­agen­ten 007 vor­be­hal­ten, ist heu­te längst Standard.

Der GPS-gepeil­te (oder GPS-gepei­nig­te?) Mensch von heu­te steht dem »ver­peil­ten« Fla­neur des 19. Jahr­hun­derts gegen­über. Letz­te­rer kennt kei­ne Uhr und kei­ne Stadt­plä­ne. Die­se wären bei »der Lek­tü­re der Stra­ße«, wie Franz Hes­sel das Fla­nie­ren beschreibt, nur hin­der­lich.[3] Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit ist ein wesent­li­ches Merk­mal des Fla­neurs. Er will ver­lo­ren gehen, um Unbe­kann­tes zu ent­de­cken und neu­es Ter­rain zu erkun­den. Die moder­ne Stadt, in der die Ver­kehrs­öko­no­mie Vor­rang hat, erscheint als ein lebens­feind­li­cher Raum für den Fla­neur, der sich sei­ne Umwelt im natür­lich ent­schleu­nig­ten Gang auf zwei Bei­nen erschließt. Er wird vom Fort­schritt in der Mobi­li­tät über­holt und weg­ra­tio­na­li­siert. Eine Stadt muss funk­tio­nie­ren, es bleibt kein Raum zum Fla­nie­ren. Der moder­ne, effi­zi­en­te Mensch fühlt sich in ihr hin­ge­gen äußerst wohl. »Mög­lichst schnell ans Ziel, in mög­lichst kur­zer Zeit«, lau­tet sein Cre­do. Alles muss vor­her­seh­bar und bere­chen­bar sein: die Weg­zeit und Stre­cke zum Ziel­ort, die Ver­kehrs­la­ge und War­te­zei­ten. Wer »per pedes« unter­wegs ist, hat am Smart­phone den Schritt­zäh­ler mit­lau­fen und lässt sich par­al­lel noch den Kalo­rien­ver­brauch berech­nen. Der neue, opti­mier­te Fuß­gän­ger ver­mei­det den Umweg, aus Angst am Ende auf den Holz­weg zu gera­ten. Er ver­lässt sich statt­des­sen auf die Tech­nik, die, weil von Men­schen­hirn erdacht und maschi­nell gemacht, lei­der auch nicht unfehl­bar ist. Das Navi schal­tet sich ein, der Ver­stand aus. Beson­ders pes­si­mis­ti­sche Stim­men mei­nen sogar, dass unser Ori­en­tie­rungs­sinn ver­lo­ren gin­ge. Doch es gibt Ret­tung: Einer Lon­do­ner Stu­die zufol­ge ist die Ori­en­tie­rungs­fä­hig­keit trai­nier­bar. So sind die ent­spre­chen­den Hirn­be­rei­che von Vögeln im Win­ter grö­ßer, weil sie in den kal­ten Mona­ten zu ihren Fut­ter­vor­rä­ten zurück­fin­den müs­sen.[4] Und Lon­do­ner Taxi­fah­rer sol­len mit einem grö­ße­ren Hip­po­cam­pus aus­ge­stat­tet sein, da das kom­ple­xe Stra­ßen­netz die Ori­en­tie­rung schwie­ri­ger macht, als bei­spiels­wei­se im schach­brett­ar­ti­gen Man­hat­tan. Wer also blind dem Dik­tat sei­nes Navis folgt, der ver­fällt »in kogni­ti­ve Träg­heit«.[5]

Wenn das smar­te Pho­ne irrt und der Mensch dem GPS folgt, kann es schon mal pas­sie­ren, dass er vom rech­ten Weg falsch abbiegt und im Nir­gend­wo lan­det. Lost in Navi­ga­ti­on? In der Zei­tung folgt dann die Schlag­zei­le: »Plag­ne statt La Plag­ne: Navi-Trot­tel fährt 1.200 km Umweg«. [6] Halb so schlimm, denn schließ­lich ist »der Weg das Ziel«, wuss­te schon Kon­fu­zi­us. Irren ist mensch­lich, her­um­ir­ren folg­lich auch. Und Umwe­ge kön­nen manch­mal ziel­füh­ren­der sein als der direk­te Weg. Daher: Wenn mög­lich, bit­te wen­den und die Rou­ten­füh­rung been­den! Das Ziel liegt vor Ihnen.

Buchbesprechung

»Jeden Tag einen Schlag ins Gesicht«

Bérengère Viennot über die Sprache des Donald Trump

»Wie kann man sich von einer Ohr­fei­ge weg­du­cken, wenn ihr Urhe­ber so vie­le Arme zu haben scheint, wie die Medu­sa Schlan­gen auf dem Haupt?« (S. 40), fragt Béren­gè­re Vien­not und meint damit die Reden, Auf­trit­te und Tweets des 45. Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Amerika.

Vien­not, die seit zwan­zig Jah­ren in der fran­zö­si­schen Pres­se­land­schaft als Über­set­ze­rin hei­misch ist, möch­te sich gar nicht mehr vor die­sem Stac­ca­to an ver­ba­len Hie­ben in Sicher­heit brin­gen, im Gegen­teil: Man müs­se sich trau­en, Trump zu über­set­zen (vgl. S. 20), sei er doch nicht weni­ger als »Ursa­che und Wir­kung eines neu­en Ame­ri­ka« (S.13). Nicht zuletzt die­ser dras­ti­schen Ein­schät­zung wegen leg­te Vien­not mit »Die Spra­che des Donald Trump« eine per­sön­li­che Deu­tung vor, die vor der Abwahl Trumps erschie­nen ist.

Die Autorin umreißt ein­lei­tend ihre Pro­fes­si­on: »Über­set­zen bedeu­tet, eine Bot­schaft aus der einen in die ande­re Spra­che zu über­tra­gen« (S. 15) und den­noch sei die Art des Spre­chens eben­so wich­tig, wie die Bot­schaft des Tex­tes (vgl. S. 32). Ver­fügt die Über­set­ze­rin also über kon­tex­tu­el­les Wis­sen, bei­spiels­wei­se zum Umfeld der spre­chen­den (oder schrei­ben­den) Per­son und zu den Unter­schie­den zwi­schen Ursprungs- und Ziel­kul­tur des Tex­tes, dann end­lich kann guten Gewis­sens mit der Arbeit begon­nen wer­den. Kurz­um: Man ist beim Trans­fer zwi­schen den Spra­chen auf der Suche nach einem seman­ti­schen und syn­tak­ti­schen Gleichgewicht.

Was aber tun, wenn die zu über­set­zen­de Per­son einer­seits das mäch­tigs­te Amt der jün­ge­ren Mensch­heits­ge­schich­te inne­hat und ande­rer­seits mit dem »Wort­schatz eines Sechst­kläss­lers« (S. 38) han­tiert? »Je prä­zi­ser, gelehr­ter und zuge­spitz­ter die Begrif­fe, des­to kla­rer ihre Bedeu­tung, wäh­rend Viel­zweck­wör­ter meist unspe­zi­fi­scher, manch­mal gera­de­zu sinn­ent­leert wir­ken« (S. 33), bringt Vien­not ihre hand­werk­li­chen Pro­ble­me mit Trumps Äuße­run­gen auf den Punkt.

Soweit die Gren­zen der Spra­che die Gren­zen der eige­nen Welt abste­cken, wie der Phi­lo­soph Lud­wig Witt­gen­stein schrieb, dürf­te sich der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent recht beengt füh­len: Ein red­un­dan­tes »Gre­at!«, »Sad« oder »Wow!«, das syn­tak­ti­sche Brach­land Trumps öffent­li­cher Reden und die gebets­müh­len­ar­ti­ge Revi­die­rung der prä­di­dia­le Aus­sa­gen im Nach­hin­ein, sei es durch ihn selbst oder mit­tels sei­ner Bera­ter und Pres­se­spre­cher – all dies nötigt die Über­set­ze­rin Vien­not, ihre »Arbeits­wei­se radi­kal umzu­stel­len« (S. 12).

Wenn­gleich die so eröff­ne­te Per­spek­ti­ve – die der Sprach­ar­bei­te­rin näm­lich – eine tie­fe­re Ana­ly­se in Aus­sicht stellt, so zer­fa­sert das Buch doch in vage zusam­men­hän­gen­de Essays, die den ame­ri­ka­ni­schen Ex-Prä­si­den­ten mehr als Aus­gangs-, denn Mit­tel­punkt der dar­ge­brach­ten Über­le­gun­gen begreifen.

Der Abschnitt zu Mela­nia Trump etwa, der mit der Beteue­rung beginnt, dass es kein Kapi­tel über die First Lady geben wer­de (S. 52), endet bereits fünf Sei­ten spä­ter dank der Ein­sicht, dass deren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stil mit Wör­tern nichts zu tun habe und sich die Autorin des­halb außer Stan­de sehe, dar­über zu schreiben.

Eben­falls ein gan­zes Kapi­tel wid­met Vien­not einer von ihr ver­mu­te­ten Leg­asthe­nie des ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten und ver­sieht die­sen Text an immer­hin vier Stel­len mit einem Hin­weis dar­auf, dass sie sich hier­bei außer­halb ihrer Pro­fes­si­on bewegt und ihre Ein­schät­zung dem­nach mit Vor­sicht zu genie­ßen ist – »Küchen­psy­cho­lo­gie« (S. 92) eben.

Den­noch gewäh­ren die geschul­ten Augen der Pres­se­über­set­ze­rin an man­cher Stel­le einen durch­aus kla­ren Blick auf Trumps rhe­to­ri­sche Waf­fen­kam­mer. Für sie steht fest, dass sei­ne Spra­che eine Form der Gewalt­aus­übung, die Fes­ti­gung sei­ner inhä­rent domi­nan­ten Posi­ti­on dar­stellt. Die Par­al­le­le zur momen­ta­ne Lage der US-ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft offen­bart sich da schon fast von selbst. Über­haupt seziert Vien­not Trumps Ame­ri­ka poin­tiert, wenn­gleich ihre Sicht eine sehr fran­zö­si­sche, also die einer Außen­ste­hen­den bleibt.

Essay

Ethics into Design

On the Struggle for the Right and the Good

Ethics con­sti­tu­tes an attempt to arti­cu­la­te and reflect on gui­de­lines for human acti­vi­ty and con­duct. Logic is the attempt to arti­cu­la­te and reflect on gui­de­lines for human thought. Both ethics and logic fur­ther deve­lop theo­ries about the most gene­ral prin­ci­ples and foun­da­ti­ons of their respec­ti­ve gui­de­lines. But what is it that arti­cu­la­tes and reflects on gui­de­lines for that inter­me­dia­ry bet­ween thought and action cal­led design?[1]

As an Eng­lish word, “design” is a modern deri­va­te of the Latin designa­re, to mark or point out, delinea­te, con­tri­ve, by way of the French dési­gner, to indi­ca­te or desi­gna­te, and can be defi­ned as plan­ning for action or minia­tu­re action.[2] It is remar­kab­le, howe­ver, that neither Greek nor Latin con­ta­ins any word that exact­ly cor­re­sponds to the modern word “design.” The clo­sest Greek comes to a word for “design” in the modern sen­se is per­haps hupo­graphein—to wri­te out. Much more com­mon are sim­ply enno­ein (en,in + noein, to think) and dia­no­ein (dia, through + noein, to think).

For the Greeks, human con­duct can be orde­red toward the pro­duc­tion of mate­ri­al arti­facts or non­ma­te­ri­al goods, through ποίησις (poie­sis, making), acti­vi­ty with an extrin­sic end, or it can be taken up with πραξις (pra­xis, doing), acti­vi­ty with an intrin­sic end. The pur­su­it of what is fit­ting in the domain of making is dis­co­ver­ed through τέχνη (tech­ne); in the domain of doing, through φρόνησῐς (phro­ne­sis). In a nar­row sen­se phro­ne­sis is only one among many vir­tu­es; more broad­ly, it is the foun­da­ti­on of all vir­tue and thus coex­ten­si­ve with ethics.

Bey­ond the Greeks, plan­ned making or doing—as distinct from sim­ply inten­ding to act, con­side­ra­ti­on of the ide­als reflec­ted or inten­ded by dif­fe­rent makings and doings, or the deve­lo­p­ment of skills (tech­nai) through practice—involves the sys­te­ma­tic anti­ci­pa­to­ry ana­ly­sis of human action. With regard to making, espe­ci­al­ly, such sys­te­ma­tic anti­ci­pa­to­ry ana­ly­sis ent­ails minia­tu­re or mode­led tri­al-and-error or expe­ri­men­tal acti­vi­ty. In the modern con­text, this plan­ning for making or ratio­nal­ly anti­ci­pa­to­ry minia­tu­re making, which was once sever­ely rest­ric­ted by both tra­di­tio­nal frame­works and metho­do­lo­gi­cal limi­ta­ti­ons, has beco­me the well-deve­lo­ped and dyna­mic acti­vi­ty of desig­ning or design. The lat­ter term can refer as well to the for­mal cha­rac­te­ristics of the arti­cu­la­ted plan or the sta­tic com­po­si­ti­on of the pro­duct brought forth by the sca­led-up pro­cess that emer­ges from what has also been cal­led “acti­ve con­tem­pla­ti­on.”[3] An alter­na­ti­ve might be “con­tem­pla­ti­ve (theo­re­ti­cal) action.”

The modern attempt to reflect on desig­ning or design has engen­de­red pri­ma­ri­ly stu­dies of the social or aes­the­tic qua­li­ty of desi­gned pro­ducts and ana­ly­ses of the logic or metho­do­lo­gy of design pro­ces­ses. The the­sis here is that both aes­the­tic cri­ti­cism and the logic of design must be com­ple­men­ted by the intro­duc­tion of ethics into design stu­dies, in order to con­tri­bu­te to the deve­lo­p­ment of a genui­ne­ly com­pre­hen­si­ve phi­lo­so­phy of design.

Buchbesprechung

»Die Erde ist ein Trümmerhaufen vergangener Zukunft«

Judith Schalansky über den Reiz der Leerstelle

»Die Untrenn­bar­keit von Trä­ger und Inhalt (…) ist für mich der Grund, war­um ich Bücher nicht nur schrei­ben, son­dern auch gestal­ten will« (S. 26), sagt Judith Schal­an­sky und bringt damit die Beson­der­heit ihrer Bücher als Gesamt­kon­zept auf den Punkt. Die gelern­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­si­gne­rin und Autorin aus Greifs­wald schafft durch ihren bewuss­ten Ein­satz von Gestal­tungs­de­tails eine noch inten­si­ve­re Erfahr­bar­keit des Inhal­tes und zeigt damit auf, wel­che Kraft in der Ver­knüp­fung von geschrie­be­nem Wort und trans­por­tier­tem Inhalt mög­lich ist. In ihrem zuletzt erschie­nen Buch »Ver­zeich­nis eini­ger Ver­lus­te« begibt sich die Autorin auf die Suche nach Geschich­ten, die das Aus­ster­ben einer Art, den Unter­gang einer Reli­gi­on oder den Reiz der Leer­stel­le behan­deln. Dabei nimmt Schal­an­sky his­to­ri­sche Ereig­nis­se oft als Grund­ge­rüst und ver­packt sie für den Leser in eine detail­lier­te Beschrei­bung der Zeit, der Umstän­de und der Menschen.

In zwölf Kurz­ge­schich­ten führt sie einen Exkurs in ver­schie­de­ne Zeit­al­ter und Län­der und wech­selt dabei Prot­ago­nis­ten und Erzähl­stil. Die inhalt­li­che Gemein­sam­keit der Geschich­ten liegt stets im Auf­zei­gen von »Stra­te­gien, Ver­gan­ge­nes fest­zu­hal­ten und dem Ver­ges­sen Ein­halt zu gebie­ten« (S. 14). Dabei fun­gie­ren die Kapi­tel selbst als Medi­um, Gesche­he­nes ein­zu­fan­gen und bereits ver­ges­se­ne Ereig­nis­se wie­der auf­blü­hen zu las­sen und in Erin­ne­rung zu behal­ten. Denn bei den geschicht­li­chen Hin­ter­grün­den, die sepa­rat am Anfang eines jeden Kapi­tels auf­ge­führt sind, han­delt es sich um tat­säch­lich ereig­ne­te, erstaun­li­che Bege­ben­hei­ten. Schal­an­sky wählt also das Schrei­ben als Metho­de, ist sich jedoch bewusst, dass nichts »im Schrei­ben zurück­ge­holt wer­den, aber alles erfahr­bar wer­den« (S. 26) kann. Schon der Ein­stieg in das Buch ver­rät die abs­trak­te, reflek­tie­ren­de Her­an­ge­hens­wei­se der Autorin und zeigt ihre Fas­zi­na­ti­on für das The­ma. Sie lis­tet Ereig­nis­se auf, bei denen etwas ver­lo­ren, ver­schwun­den, been­det oder gestor­ben ist, wäh­rend sie an dem Buch arbeitete.

Im Vor­wort geht Sie näher auf den Umgang des Men­schen mit der Ver­gäng­lich­keit ein. Kul­tu­ren, Reli­gio­nen und Wis­sen­schaft hät­ten sich schon immer mit der Fra­ge beschäf­tigt, was pas­siert, wenn Men­schen ster­ben. Eine inter­es­san­te Betrach­tungs­wei­se ist, dass es für den einen tröst­li­cher sein kann, zu wis­sen, dass alles ein Ende haben wird, wäh­rend sich ein ande­rer Ewig­keit erhofft (S. 13).
Von außen lockt »Ver­zeich­nis eini­ger Ver­lus­te« durch das ele­gan­te, schlan­ke For­mat und die sil­ber­ne Schrift auf dem düs­te­ren Cover. Die Gra­fik erin­nert an das Bit­map einer Wol­ke, an Bruch­stü­cke, an Zer­set­zung, ohne dabei absto­ßend zu wir­ken. Das mat­te Ein­band­pa­pier des Buches fühlt sich ange­nehm an und kommt ganz ohne zusätz­li­chen Umschlag aus. Betrach­tet man den Schnitt von außen, ver­rät die­ser bereits eine wei­te­re Beson­der­heit der Buch­ge­stal­tung. Schwar­ze Sei­ten tren­nen die Kurz­ge­schich­ten in gleich brei­te Abschnit­te. Schlägt man das Buch auf und lässt die Sei­ten durch die Fin­ger blät­tern, erkennt man erst auf den zwei­ten Blick, dass es sich um Farb­ta­feln han­delt. Gra­fi­ken, wel­che die jewei­li­ge Kurz­ge­schich­te ein­lei­ten, wur­den mit schwar­zer Tin­te auf das schwar­ze Papier gedruckt. Die Betrach­tung der schwar­zen Sei­ten erin­nert an die Betrach­tung alter Bücher, bei denen Papier und Schrift durch die Zer­set­zung mit der Zeit ver­schmel­zen. Nur dem Leser, der die­se Sei­ten bei rich­ti­ger Beleuch­tung betrach­tet, offen­bart das Buch Zusatzinformationen.

Ähn­lich geht es dem Leser womög­lich mit dem Inhalt des Buches. Anfangs erschei­nen die Zusam­men­hän­ge der Geschich­ten nicht ganz schlüs­sig und auch der Klap­pen­text klingt zwar anzie­hend abs­trakt, ver­rät jedoch nichts über die Form und den Auf­bau des Buches. Je mehr Kurz­ge­schich­ten man liest, umso ver­ständ­li­cher erscheint die Metho­de der Autorin. Durch das Sam­meln von Geschich­ten ver­sucht Sie das The­ma der Ver­gäng­lich­keit für sich und für den Leser begreif­ba­rer zu machen. Dabei wirkt das Auf­schrei­ben der Geschich­ten wie eine Ver­ar­bei­tungs­me­tho­de, eben­so wie eine Enzy­klo­pä­die. Schal­an­skys per­sön­li­cher Bezug wird immer wie­der sicht­bar, wie bei­spiels­wei­se das Kapi­tel »Das Schloss von Behr« zeigt. Aus den Augen ihres kind­li­chen Ichs betrach­tet sie den Tod als eines von vie­len Rät­seln, des­sen Fra­ge sie nicht rich­tig ver­stan­den hat. Die eige­ne Nah­tod-Erfah­rung aus nai­ver Neu­gier erklärt sie sich so: »Den Tod kann­te ich noch nicht. Dass Men­schen ster­ben, dass ich selbst eines Tages ster­ben wür­de, lag außer­halb mei­ner Vor­stel­lungs­kraft.« (S.139)

In den meis­ten Kurz­ge­schich­ten erin­nert der Schreib­stil der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­si­gne­rin an Foto­gra­fien. Hin­ter jeder Sequenz ver­ber­gen sich bei genaue­rer Betrach­tung zahl­rei­che Details. Schal­an­sky schafft es, durch ihre Spra­che Klän­ge, Far­ben, Gerü­che oder Mate­ria­li­en zu Leben zu erwe­cken und den Leser so trotz extrem unter­schied­li­cher Sze­na­ri­en abzuholen.

»Ver­zeich­nis eini­ger Ver­lus­te« ist ein Buch, das durch sei­ne unkon­ven­tio­nel­le Art sowohl in der Gestal­tung als auch inhalt­lich im Gedächt­nis bleibt. Viel­leicht ist es gera­de die Per­spek­ti­ve einer Gestal­te­rin, der die Wort­wahl mit Lie­be für Details formt, und die einer Schrift­stel­le­rin, die sich für eine Gleich­be­rech­ti­gung von Form und Inhalt aus­spricht, die das Buch so attrak­tiv machen. Sowohl optisch als auch lite­ra­risch ist »Ver­zeich­nis eini­ger Ver­lus­te« eine Emp­feh­lung für jeden, der sich für Buch­ge­stal­tung und ori­gi­nel­le Her­an­ge­hens­wei­sen an ein The­ma interessiert.

Essay

Künstliche Intelligenz und Mythen

Übernimmt KI irgendwann die Macht?

Die mensch­li­che Welt ist ohne Algo­rith­men nicht mehr zu den­ken. Zugleich über­höht der Mensch jedoch sei­ne eige­nen Erfin­dun­gen – und ver­zwei­felt dar­ob fast. Die Digi­ta­li­sie­rung erobert die Welt. Das beruht zwar zum einen auf ihren unbe­strit­ten erstaun­li­chen Leis­tun­gen. Zum ande­ren aber auch auf ihren Weg­ge­fähr­ten: den sie macht­voll beglei­ten­den Mythen.

Mythen sind tief­sit­zen­de, im Sin­ne von C. G. Jung arche­ty­pi­sche Erzäh­lun­gen, mit denen wir Men­schen uns dem »Abso­lu­tis­mus der Wirk­lich­keit« (Blu­men­berg) dadurch zu ent­zie­hen ver­su­chen, dass wir ihm einen tie­fe­ren Sinn geben.

Mythos 1: künst­li­che Intelligenz

Ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel dafür ist der Mythos der den­ken­den Maschi­ne. Vor dem Hin­ter­grund der anti­ken Uto­pie auto­ma­ti­sier­ter Arbeit (Aris­to­te­les) und der neu­zeit­li­chen Kon­zep­ti­on des Men­schen als einer Maschi­ne (La Mettrie) wird im Kon­text der Ent­wick­lung der ers­ten Com­pu­ter im 20. Jahr­hun­dert die Vor­stel­lung von Denk­ma­schi­nen auf­ge­grif­fen, in der For­mu­lie­rung von Pame­la McCor­duck: “Machi­nes Who Think.”

Und der legen­dä­re Alan Turing scheint schon 1950 im Titel sei­nes epo­che­ma­chen­den Auf­sat­zes »Com­pu­ting Machi­nery and Intel­li­gence« die Ver­bin­dung zu einem wei­te­ren heu­te domi­nie­ren­den Mythos her­zu­stel­len: dem der künst­li­chen Intel­li­genz (KI). Aller­dings avant la lett­re. Die Bezeich­nung »künst­li­che Intel­li­genz« (»artificial intel­li­gence«) taucht näm­lich erst 1955 auf: Eine Grup­pe jun­ger Wil­der um den noch nicht ganz 28-jäh­ri­gen John McCar­thy, damals Assis­tenz­pro­fes­sor für Mathe­ma­tik, ver­wen­det ihn pro­mi­nent in ihrem Antrag auf För­de­rung einer Kon­fe­renz, die dann, von der Rocke­fel­ler Foun­da­ti­on finan­ziert, im Som­mer 1956 am Dart­mouth Col­lege statt­fand. Ein häufig ver­nach­läs­sig­ter Aspekt im Grün­dungs­my­thos der KI ist jedoch, dass McCar­thy die­sen Begriff bewusst wähl­te, um die Bezeich­nun­gen »Auto­ma­ten­theo­rie« und »Kyber­ne­tik« zu ver­mei­den und so die Kory­phäe Nor­bert Wie­ner nicht ein­la­den zu müssen.

Dass die aus die­ser »Dart­mouth-Ver­schwö­rung« ent­stan­de­ne Namen­ge­bung der­art erfolg­reich war, lag sicher zum einen dar­an, dass die jun­gen Wil­den die Mehr­deu­tig­keit des Begriffs »Intel­li­genz« nicht nur in Kauf nah­men, son­dern gera­de­zu zu einem Mar­ken­zei­chen mach­ten. »Artificial intel­li­gence« bedeu­tet näm­lich im Eng­li­schen auch etwas so Unspek­ta­ku­lä­res wie »tech­ni­sche Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung«, und allein dar­aus hät­te kein Mythos ent­ste­hen kön­nen. Zum ande­ren aber über­leb­te der Digi­ta­li­sie­rungs­my­thos der den­ken­den Maschi­ne und der künst­li­chen Intel­li­genz die zwei als »KI-Win­ter« bekannt gewor­de­nen her­ben Rück­schlä­ge nicht zuletzt des­we­gen, weil sich zu Beginn unse­res Jahr­hun­derts zwei stüt­zen­de Mythen um sie her­um zu ran­ken anfingen.

Mythen des Alltags

Rot werden

Wenn’s einem ins Gesicht geschrieben steht

»Mein Gegen­über ist nackt, mein Gegen­über ist nackt, mein Gegen­über ist nackt.« Die­ses Man­tra soll man sich immer und immer wie­der vor­sa­gen und vor­stel­len. Das soll hel­fen, nicht rot zu wer­den, so ver­spricht es zumin­dest das top-gerank­te You­Tube-Video: »nicht rot wer­den - zwei psy­cho­lo­gi­sche Tricks die SOFORT hel­fen!«. Funk­tio­niert: nicht. Wie auch? Eine der­ar­ti­ge Vor­stel­lung von sei­nem Gegen­über ist schließ­lich die per­fek­te Vor­la­ge für ein pur­pur­far­be­nes Gesicht. Sofort­hil­fe durch ein Ver­spre­chen, das genau das Gegen­teil bewirkt – dan­ke, YouTube. 

Ein leich­tes Krib­beln macht sich auf der Nase breit, zieht sich immer wei­ter nach links und rechts über die Wan­gen­kno­chen bis hoch an den Haar­an­satz – oder sogar noch wei­ter? Kann die Kopf­haut rot wer­den? Wie ein Pelz über­zieht es das kom­plet­te Gesicht. Ein star­ker Wil­le hilft jetzt auch nicht mehr. Die Blut­ge­fä­ße erwei­tern sich. Das Gesicht pocht. Die Scham­rö­te kommt zu ihrem Höhe­punkt … Wäre das nicht schon unan­ge­nehm genug, hat man nun auch noch den Faden ver­lo­ren. Und das alles vom gan­zen »Bloß-nicht-rot-wer­den-Geden­ke«. Den Satz jetzt bloß irgend­wie zu Ende brin­gen und dann erst­mal still sein. Rück­zug, run­ter­fah­ren, Blut aus dem Kopf flie­ßen lassen. 

Jetzt hilft auch kein »ach, das ist doch total char­mant, wenn Sie rot wer­den«, das wäre ver­gleich­bar tröst­lich, wie gesagt zu bekom­men, dass der fet­te Eiter­pi­ckel knapp über dem Mund, tage­lang mal­trä­tiert, blu­tig gekratzt, und mit zu dunk­lem Make-up zu gespach­telt, Ähn­lich­kei­ten mit einem Schön­heits­fleck habe.

Dar­win war der Auf­fas­sung, dass das Errö­ten die wohl »cha­rak­te­ris­tischs­te und mensch­lichs­te aller Aus­drucks­for­men«[1] sei. So galt es Ende des 19. Jahr­hun­derts sogar als schick, zu errö­ten. Einem roten Schä­del wur­de inne­rer Anstand, mensch­li­che Wür­de und Moral­emp­fin­den[2] bei­gemes­sen. Schön. 

Auch schön, dass wir laut Wis­sen­schaft­lern heu­te noch Men­schen, die errö­ten, sehr viel nach­sich­ti­ger behan­deln, sie für freund­li­cher, sym­pa­thi­scher und beson­ders ver­trau­ens­wür­dig hal­ten, selbst dann, wenn sie schon mal unzu­ver­läs­sig waren.[3] Doch all die­se Erkennt­nis­se kön­nen den Moment des Grau­ens, die feu­er­ro­ten Wan­gen und das Sich-des­sen-bewusst-wer­den nicht beschönigen.

So ger­ne tei­len wir Emo­tio­nen mit der wei­ten Welt. Das vor­teil­haf­te Sel­fie: nett lächeln, 
ver­füh­re­risch insze­nie­ren, hel­den­haft posie­ren, komisch drein­schau­en oder melan­cho­lisch in die Fer­ne bli­cken. Alle Aus­drucks­for­men haben eines gemein: die Mög­lich­keit der Kon­trol­le. Mit dem Rot-Wer­den ist das anders, das pas­siert ein­fach. Zack – das Sinn­bild für Unsi­cher­heit und Scham steht einem heiß ins Gesicht geschrie­ben. Und das lässt sich eben nicht so ein­fach mit einem Fil­ter endsättigen.

Man kann das Blatt nun dre­hen und wen­den wie man will, es blei­ben drei Optio­nen: kei­ne Inter­ak­ti­on mit ande­ren Men­schen, eine Mas­ke tra­gen, oder Dar­win glau­ben schen­ken und damit leben lernen.

Hördatei

»Das Bild ohne Text ist hoch missverständlich«

Der Kurator Andres Janser über die Qualität der Knappheit

Von Judith Hirsch


Wie­viel Text kön­nen wir heu­te noch in einer Aus­stel­lung ver­tra­gen? Wie las­sen sich Infor­ma­tio­nen einem brei­ten Publi­kum auch in Zukunft am bes­ten ver­mit­teln? Und wie kann man sich vor der Mani­pu­la­ti­on durch Bil­der schüt­zen? Über Risi­ken und Neben­wir­kun­gen von Bil­dern spricht And­res Jan­ser, der Kura­tor des Muse­ums für Gestal­tung Zürich. 

Er stellt zudem dar, wie man eine Aus­stel­lung kon­zi­piert, wel­che Schwie­rig­kei­ten dabei bestehen und wel­che Momen­te in sei­ner Arbeit einen beson­de­ren Ein­druck hin­ter­las­sen haben.

[Redak­tio­nel­ler Hin­weis: Im Inter­view wird mehr­fach Bezug genom­men auf die von And­res Jan­ser kon­zi­pier­te Aus­stel­lung »Wis­sen in Bil­dern – Infor­ma­ti­ons­de­sign heu­te«; sie war im Muse­um für Gestal­tung Zürich zu sehen.]

 

Mythen des Alltags

Grillen

Über die Selbstverwirklichung am Rost

Wenn man beim ers­ten war­men Wet­ter im Früh­ling durch die Stra­ßen läuft, kann man es mit sämt­li­chen Sin­nen erfah­ren: Die Grill­sai­son ist eröff­net. Zu Rauch­schwa­den klingt gute Lau­ne und Gesel­lig­keit aus den Gär­ten. Aus allen Rich­tun­gen flie­gen einen Gerü­che an, die Lust auf das machen, was dort zube­rei­tet wird. 

Dabei ist Gril­len nicht ein­fach nur Gril­len. Gril­len könn­te zwar ganz ein­fach gestal­tet wer­den – mit einer Wurst auf einem zuge­spitz­ten Holz­stab über dem Lager­feu­er –, muss es aber nicht. Egal ob Grill­gut, Grill, Bei­la­gen oder Geträn­ke – inzwi­schen gehört es bei­na­he zum guten Ruf, sei­ne eige­ne Per­sön­lich­keit beim Gril­len zu ent­fal­ten. Dabei lan­det das Rin­der­steak noch rela­tiv klas­sisch auf dem Rost, aber Rin­der­steak ist nicht gleich Rin­der­steak. Es gibt ver­schie­de­ne Cuts wie das in Frank­reich belieb­te Entre­côte oder das in der USA belieb­te T-Bone-Steak, und man kann das Steak »rare«, »medi­um« oder »well done« garen. 

Ähn­lich, nur noch viel kom­pli­zier­ter, stellt sich das Gan­ze bei Gemü­se dar. Man kann die Zuc­chi­ni als Schei­ben in Kräu­ter und Oli­ven­öl mari­niert oder mit einer lecke­ren Frisch­kä­se­fül­lung gril­len. Womit wir schon beim The­ma wären: Der Vege­ta­ri­er bringt sei­nen Grill­kä­se mit, egal ob Hall­o­u­mi oder Camem­bert – Haupt­sa­che, er kommt nicht mit dem Fleisch in Kon­takt, und alle Nicht-Vege­ta­ri­er dür­fen nach­her auch noch pro­bie­ren. 
Da der Grill­rost für all die­se indi­vi­du­el­len Wün­sche schon jetzt viel zu klein ist, wird zur wei­te­ren Dar­stel­lung des eige­nen »life­style« auf die Salat­the­ke zurück­ge­grif­fen. Wer einen klas­si­schen Nudel- oder Kar­tof­fel­sa­lat mit­bringt, lässt die­sen meist noch von Mama oder Oma machen, denn nur dann schmeckt er so rich­tig lecker. Ansons­ten fin­den sich außer­ge­wöhn­li­che Kom­bi­na­tio­nen aus Avo­ca­do, Qui­noa und Kicher­erb­sen mit noch außer­ge­wöhn­li­che­ren Limet­ten-Honig-Dres­sings auf Walnussöl-Basis. 

Aber war­um lie­ben wir alle das Gril­len so sehr? Es geht dabei – auch wenn dies die selbst­er­nann­ten Exper­ten am Grill sicher­lich nicht ger­ne hören – nicht nur um das saf­ti­ge Steak oder die kros­se Zuc­chi­ni. Nein, das gute Essen ist nur einer der Genüs­se, der aus Gril­len ein sozia­les Event der Freu­de macht. Neben den zuge­ge­ben lecke­ren Spei­sen und der ab und zu viel­leicht zu gut gemein­ten Zuta­ten­schlacht und Selbst­ins­zi­nie­rung tref­fen wir Freun­de, unse­re Fami­lie oder Nach­barn. Dabei erle­ben wir gemein­sam tol­le Stun­den und füh­ren inter­es­san­te Unter­hal­tun­gen bei bes­tem Wet­ter und einem lecke­ren Glas Rot­wein oder selbst­ge­mach­ter Limo­na­de. Es ist egal, ob es sich um das deut­sche Gril­len, das ame­ri­ka­ni­sche Bar­be­cue oder das süd­afri­ka­ni­sche Bra­ai dreht – auf der gan­zen Welt las­sen wir den All­tag hin­ter uns und genie­ßen eini­ge Stun­den Urlaub und legen unse­ren Fokus auf das Wich­ti­ge: das Essen.

Datenschutz-Übersicht
Sprache für die Form * Forum für Design und Rhetorik

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.

Unbedingt notwendige Cookies

Unbedingt notwendige Cookies sollten jederzeit aktiviert sein, damit wir deine Einstellungen für die Cookie-Einstellungen speichern können.