Illustrationen
Plakat und Art
Ein Spiel von Text und Bild
Seine Arbeiten stehen in unterschiedlichen Formaten für den meist öffentlichen Raum zur Verfügung. Uwe Göbel nennt sie »PLAKARTIVE Poesie«, sie spielen mit Schrift und Bildmotiven und deren Wechselwirkungen, Sprache wird beim Wort genommen und vor Augen geführt. In Bielefeld, wo Prof. Göbel lehrt, hat er mehrfach unter dem Titel »PLAKARTIVE« mit internationalen Künstlern in einer Straßenkunstaktion Großformate ausgestellt. Einige seiner Arbeiten zeigt nun »Sprache für die Form«.
Mythen des Alltags
Das Typometer
Über eine aussterbende Art
Gibt es noch Orte, wo es genutzt, gar gebraucht wird? Oder gibt es bereits ein Museum, das eine Sammlung ausstellt – zeitgemäß nach den Credos der Museumspädagogik dargeboten und mit virtuellen Anfass-Scheinerlebnissen garniert?
Der Autor dieser Zeilen wird seine beiden Exemplare diesem Museum nicht hinterlassen. Das günstigere der beiden Modelle hat eine Farbe angenommen wie die Gläser einer hellbraungelbroten Sonnenbrille und ist ein Begleiter seit Jahrzehnten. Das feinere ist noch ungetrübt, gut durchsichtig, klar. Auch bieten beide Modelle Unterschiedliches zu messen an. Als Lineal sind sie beide gut zu nutzen …
Ob als durchsichtiges oder vergilbtes Kunststoff-Metermaß oder in seinen älteren, aus Bleisatz-Zeiten stammenden Varianten aus Neusilber, Messing oder Stahl – sie alle haben anscheinend ausgedient, Grafikstudenten wissen selten noch, was es mit diesem Messinstrument auf sich hatte, dass damit Schriftgrade festzustellen waren, Kegelhöhen, Zeilenlängen und der Durchschuss, auch Rasterweiten und Linienstärken zeigten modernere an. Oder dass sie dem Redakteur dazu dienten, abzuzählen, was den Zeilenschindern, die er für sein Blatt schuften ließ, zu bezahlen sei, indem er sie an die Spalten anlegte, die Zeilen zählte und Summen bildete, die dann mit Zeilengeld – meist jämmerlich – entgolten wurden.
Mit dem klarsichtigen Stulle-Modell wird ab und an in Seminaren gewinkt, den Studenten melancholisch gepredigt, wie wichtig das Instrument sei, auch für sie – obgleich ihre digitale Welt schon längst keine Verwendung mehr dafür weiß. Der Prediger fühlt sich in solchen Momenten alt, aus der Zeit gefallen. Aber es macht ihm nichts mehr aus, er fällt gern. Vielleicht findet er für den freien Fall aus der Zeit ja die richtige Maßeinheit auf einem seiner Begleiter für lange und vergangene Zeiten, den Typometern.
Aber die Begleiter sind still geworden … Der Mensch sei das Maß aller Dinge, lehrte der Rhetoriker Protagoras. Das Maß aller Typografie ist das Typometer – gewesen? In der Typografie stecken die griechischen Begriffe »typoi« und »grapho«, »Spuren« und »einritzen«; der Typograf hinterlässt also Spuren. Das Typometer hat diese Spuren vermessen. Der Wandel der Zeit nimmt den Spuren das Maß.
Book Review
“Drop a word in the ocean of meaning”
Robert Bringhurst charts language
What are the differences between spoken and written language? What can these differences tell us about human communication and understanding? How has typography and design changed written language? Robert Bringhurst’s book “The Solid Form of Language, an Essay on Writing and Meaning” was written in 2002 for an anthology on language culture and type and republished by the Gaspereau Press in 2004. Bringhurst describes himself as a poet, linguist and typographer – in short someone with a wide interest in language. He has written “The Elements of Typographic Style” and has published books on native American poets, written about the interpretation of renaissance italian paintings[1]. To round out his impressive list of abilities, Bringhurst speaks, reads and writes in a range of languages. His poetic nature is clear right from the start: “Drop a word in the ocean of meaning and concentric ripples from. […] To catch the meaning of the words is not to catch the ripples that they cause; it is to catch the interaction of those ripples. This is what it means to listen; this is what it means to read. It is incredibly complex, yet humans do it every day, and often laugh and weep at the same time.” (p. 9) This poetic beginning and the elegant pocket format set the scene for a brief intellectual journey into written language.
From this poetic indeed almost visual beginning Bringhurst takes his readers on a breathless trip through a history of written languages and their development, the uniqueness and fundamental differences between written and spoken language. Bringhurst writes: “Starting from scratch, with no imported models, people have made the shift from oral to literate culture at least three times … In Mesopotamia, about 5,000 years ago, in northern China about 4,500 years ago, and in Guatamala and southern Mexico about 2,000 years ago, humans created a script and a scribal culture, apparently without imported models of any kind.” (p. 14) These early systems were all originally picture-based or drawn. After a precise definition of writing (to differentiate it from drawing) the four points listed here are discussed in greater detail. “(1) Writing is abstract. […] (2) A writing system is codified. It consists of a repeating set of symbols […] (3) These symbols are defined in terms of something else. […] (4) The system is stylistically as well as symbolically self-contained.” (p. 16f) He covers a small selection of scripts including: basic chinese glyphs, latin, arabic, korean and native american writing systems as well as discussing their stylistic heritages. Bringhurst differentiates the spoken languages as evolved and evolving, and written language as invented and trained (p. 12–13). This link in written language to “religious or political authority” (p. 24) makes scripts emblems of cultures and belief systems, and like belief systems connected with religions and empires often rigorously spread.
Bringhurst also looks at the evolution of our western european ways of writing, and how typographic style extends the original boundaries of our language. His central example (p. 45–47) is “Leonard Fuchs’s botanical work De Historia stirpium, first published by the Basel printer Michael Isengrin in 1542.” (p. 44) The mixing of scripts (whether more calligraphic or constructed) in a single sentence is now common, indeed this review is full of changes from roman to italic and back. So much so that we often fail to read its significance: a change in voice or tonality. In this way aspects of spoken language has slowly transferred to writing. Bringhurst also emphasizes that the use of other typographic styles indicate shifts in content. These ideas were revolutionary in the Renaissance and changed how we write and read today.
Buchbesprechung
»Design als autonome akademische Disziplin konturieren«
Claudia Mareis sieht Design als Wissenskultur
Welchen Bezug hat das Design zu Wissenschaft und Forschung? Dieser Frage geht Claudia Mareis in ihrer Dissertation auf den Grund, die 2011 unter dem Titel »Design als Wissenskultur – Interferenzen zwischen Design- und Wissensdiskursen seit 1960« als Buch erschienen ist. Mareis greift dabei designspezifische und disziplinenübergreifende Diskurse auf, um zu untersuchen, wie sich die Designwissenschaft entwickelt hat und auf welche Weise sich die Grenzen von Designforschung, Kunst und Wissenschaft überlagern. Sie will Klarheit schaffen, es geht ihr darum, das Design »als autonome akademische Disziplin zu konturieren« (S. 10).
Die Schweizerin Claudia Mareis beschäftigt sich mit Design sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Sie ist Design- und Kulturwissenschaftlerin und arbeitet dabei selbst noch als Gestalterin. An der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW Basel, ist Mareis seit Beginn des Jahres 2013 Professorin für Designtheorie und -forschung. Zudem leitet sie dort das Institut Experimentelle Design- und Medienkulturen. Neben der Vorstandsmitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Designtheorie und -forschung (DGTF) ist Mareis Mitglied im Board of International Research in Design (BIRD) des Birkhäuser-Verlags.
Ihr Buch folgt einem schlüssigen Aufbau: Einleitend stellt die Autorin die »Designforschung im historischen Kontext« (S. 23 ff.) vor und ermöglicht dem Leser dadurch einen Einstieg in die Thematik. Dabei geht sie vor allem auf die »Design Methods Movement« der 60er-Jahre ein, einer interdisziplinären Bewegung zur Systematisierung von Design, von der sowohl die Designausbildung als auch die Designpraxis profitieren sollten. Außerdem beleuchtet sie die sukzessive Institutionalisierung von Designforschung an Kunsthochschulen.
Vom Allgemeinen zum Konkreten: Wie sich das Selbstverständnis von Designern im Laufe der Zeit verändert hat, thematisiert Mareis anhand von Beispielen im zweiten Kapitel ihres Buches »Designauffassungen vom Einheitskunstwerk zum Reflective Practitioner«(S. 87 ff.).
Damit ist die Grundlage gelegt, um elementare Fragen zu stellen: Im dritten Kapitel »Vom Wissen im Design und seinen diskursiven Leitmotiven« (S.175 ff.) geht es um Begriffe, Konzepte und Ideen, die bisher in der Designtheorie und -forschung als selbstverständlich angesehen wurden. Wie Erkenntnisse in Design und Wissenschaft generiert und definiert werden, untersucht Mareis dabei anhand von mehreren Leitmotiven. Und schließlich geht sie über die Grenzen des Designs hinaus. Im vierten Kapitel, »Interferenzen und Grenzziehungen zwischen Design, Kunst und Wissenschaft« (S. 385 ff.), untersucht Mareis, ob sich beim Erkenntnisgewinn Überschneidungen zwischen Design, Kunst und Wissenschaft ausmachen lassen.
Durch die Vernetzung historischer Diskurse gelingt es Mareis, dem Leser den gegenwärtigen Stand der Designforschung verständlicher zu machen. Zudem geht aus ihren Untersuchungen hervor, wie unterschiedliche historische Positionen, auch aus anderen Disziplinen, den heutigen Diskurs über »Design als Wissenskultur« prägen.
Allerdings hat die differenzierte Herangehensweise der Autorin ihren Preis: Sie fordert volle Konzentration. Dieses Buch ist keine Bettlektüre, aber lohnend für Designer mit Interesse an Forschung.
Buchbesprechung
»Sich mit einer Vielzahl von Faktoren zu beschäftigen«
Jan Filek aktualisiert das Wissen über Lesbarkeit
»Wer Kleinbuchstaben spationiert, schändet auch Schafe,« wusste Frederic Goudy. Ob das tatsächlich stimmt, wissen wir nicht. Zu Typografie und Lesbarkeit gibt es mehr zu sagen, vieles wurde bereits festgehalten und hat bis heute Bestand. Allerdings kursieren auch Vorstellungen durch die Köpfe der Gestalter, die nicht – oder nicht mehr – richtig sind. Mit solch gefährlichem Halbwissen möchte Jan Filek mit seiner Diplomarbeit »Read/ability – Typografie und Lesbarkeit« aufräumen: »Lesbarkeit zu untersuchen bedeutet, sich mit einer Vielzahl von Faktoren zu beschäftigen: der Form der Zeichen, den Abständen zwischen Buchstaben, Wörtern oder Zeilen, der makrotypografischen Struktur sowie der Form des Inhalts und, leider viel zu häufig unerwähnt, dem Leser, seiner Lesemotivation und den Grenzen seiner Fähigkeiten.« Dazu hat Jan Filek bereits bekanntes Wissen mit Erkenntnissen der Forschung aus den letzten Jahren aktualisiert. Entstanden ist ein Buch, das sich mit seinen ca. 200 Seiten primär an junge Gestalter richtet.
Jan Filek hat an der Fachhochschule Düsseldorf und am Birmingham Institute of Art and Design studiert. Im Studiengang Kommunikationsdesign legte er seine Schwerpunkte auf Corporate Design und Typografie. Während seines Studiums absolvierte er Praktika bei »Factor Design« in Hamburg und im »Büro Übele« in Stuttgart. Der Diplom-Designer aus Düsseldorf arbeitet heute freiberuflich für Agenturen, Designbüros und Privatkunden.
Sein Buch steht ein Vorwort von Andreas Übele voran. Das ganze Werk entstand in vielen Gesprächen über Inhalt und Form mit dem Gestalter aus Stuttgart. Die Arbeit ist in drei Kapitel – »Lesen«, »Forschen«, «Gestalten« – aufgeteilt, die den Leser von neurologischen Eigenheiten bis hin zu direkten Empfehlungen für eine bessere Typografie und Lesbarkeit führen. Filek beruft sich dabei auf Standardwerke wie »Detailtypografie« von Forssman und De Jong, Gerard Ungers »Wie man’s liest«, Spiekermanns »Überschrift« und reichert diese mit aktuellen Erkenntnissen zur Lesbarkeit aus der Forschung unterschiedlicher Disziplinen an. »Read/ability« ist ein Werk über die Grundlagen der Lesbarkeit, es ist leicht zu lesen, denn es wurde sorgfältig darauf geachtet, alle Themen in einer einfachen und verständlichen Sprache zu beschreiben. Darüber hinaus sind die Textblöcke sehr kurz gehalten, was der Ausführlichkeit zwar nicht dient, jedoch auch nicht daran hindert, die zentralen Aussagen zu vermitteln.
Im ersten Kapitel »Lesen« beschreibt Filek, wie unser Gehirn beim Lesen arbeitet, welche Effekte auftreten und was es dadurch bei der Gestaltung und beim Setzen von Schrift zu beachten gilt. Das Kapitel beginnt deshalb mit dem Unterkapitel »Das Auge«. Hier geht Filek kurz auf biologische Aspekte ein – wie Reize beim Lesen ins Gehirn gelangen und welche Tücken es dabei gibt. Über den »Tunnelblick« und »Augensprünge« gelangt er zügig zu den Prinzipien, wie Buchstaben erkannt und verarbeitet werden. Es handelt sich um Wissen, das zwar vielen jungen Gestaltern bekannt, aber oftmals nicht bewusst ist. Es werden Grundlagen verdeutlicht, die jeder kennen sollte, der einen professionellen Umgang mit Typografie sucht.
Im zweiten Kapitel »Forschen« gibt Filek einen Einblick in Einflussfaktoren und Methoden, die bei der Erforschung von Lesbarkeit bedeutend sind. Er zeigt auf, welche Probleme bei den unterschiedlichen Methoden auftreten und wie versucht wurde, sie zu lösen. Es ist ein kurzes Kapitel, das jedoch einen Einblick in einen Bereich gibt, mit dem sich junge Gestalter oftmals nicht genug auseinandersetzen. Filek beschreibt Erkenntnisse aus anderen Disziplinen, ohne unnötiges Fachvokabular zu verwenden. Einen Einblick in Studien zu erlangen, ist oftmals nicht leicht für einen Fachfremden. Diese Hürde nimmt Filek dem Gestalter durch seine Ausführungen in verständlicher Sprache. Bis zur Seite 93 erreicht der Leser dadurch ein tieferes Verständnis für den Leseprozess und dessen Einflussfaktoren.
Im dritten und letzten Kapitel »Gestalten« beschreibt Filek auf ca. 80 Seiten die einzelnen Parameter, die dem Typografen zur Verfügung stehen. Von der X-Höhe, dem Buchstabenabstand und den Wortzwischenräumen, dem Zeilenabstand und der Schriftgröße, der Satzart und dem Strichstärkenkontrast bis hin zur Schriftwahl und der Sprachanpassung sammelt er wertvolles Wissen von erfahrenen Typografen und reichert diese mit Erkenntnissen aus anderen Disziplinen und Studien an. Dabei wird der Handbuch-Charakter seiner Arbeit besonders deutlich. Das Kapitel beinhaltet Empfehlungen, Handlungsanweisungen und Maßstäbe, an denen sich der junge Gestalter orientieren und ausprobieren kann. Alles in allem vermittelt diese Arbeit viel wertvolles Wissen. Besonders jungen Gestaltern und Typografie-Interessierten kann es empfohlen werden.
Jan Filek und dem »Niggli Verlag« möchte man zurufen: »Bitte mehr davon! Lassen Sie sich nicht beirren von all den Bilderbüchern.« Denn Schriften wie diese – Schriften mit Substanz – sind die zukünftige Grundlage unseres Schaffens und auch die Grundlage unserer Akzeptanz in der Gesellschaft. Denn nur wenn wir verstehen und besonders wenn wir beschreiben können, was unsere Arbeit ausmacht, können wir unseren Auftraggebern und unserer Disziplin gerecht werden. Das fängt mit den feinen Details der Typografie an und endet in der großen Symphonie der Elemente. Denn durch alle Teile und Bereiche muss die Angemessenheit zwischen Gestaltung und Aufgabe spürbar sein. »Read/ability« von Jan Filek leistet einen Beitrag dazu.
Essay
Kunst oder Design?
Zur Abgrenzungsproblematik bei ästhetischen Artefakten
Im Folgenden werde ich mich der Frage zuwenden, wie Design und Kunst bzw. Design- und Kunstartefakte voneinander zu unterscheiden sind. Zur Disposition steht dabei insbesondere ein Kriterium der Unterscheidbarkeit, das der Funktionalität. Einer weit verbreiteten Meinung zufolge, besteht der Unterschied zwischen Design und Kunst nämlich in erster Linie darin, dass Design einer bestimmten Zweckerfüllung unterliegt, der sich die vermeintlich autonome Kunst entzieht. Designartefakte sollen sich dieser »Funktionsthese« zufolge nicht wie Kunstobjekte an äußerlichen, ästhetischen Gesichtspunkten alleine, sondern insbesondere hinsichtlich ihrer praktischen Funktionen in ästhetischer Hinsicht bemessen lassen. Sicherlich haben die Entwicklungen der letzten sechs Dekaden in der Kunst und im Design zu einer derartigen Annäherung beider Seiten und Auflösung ihrer vermeintlich speziellen Kategorien geführt, dass auch die Funktionalität des Designs als ihr Alleinstellungsmerkmal nicht ohne Kritik geblieben ist. Dennoch darf festgestellt werden, dass selbst in Fachkreisen, wenn es um Fragen der Unterscheidung beider Artefakt-Bereiche geht, immer wieder auf die Kategorie der Funktionalität im Design angespielt wird. Ich möchte mit diesem Essay versuchen zu erhellen, wieso Funktionalität im Design zwar ein relevantes Kriterium ist, dieses als Unterscheidungsmerkmal im Zusammenhang der Bewertung ästhetisch bedeutsamer Artefakte jedoch nicht hinreicht. Ich werde daher zeigen, dass die Kunst neben einer Vielzahl an Funktionen auch solche in der für das Design beanspruchten Art und Weise umfasst, was es mir weiterhin ermöglicht, die ursprüngliche Frage nach dem Differenzierungsmerkmal als eine solche nach dem Unterschied im beiderseits zur Anwendung kommenden Funktionsbegriff zu stellen.
1 Kunst und Design als ästhetisch bedeutsame Artefakte: Die Rolle semiotischer Systeme und des kunstästhetischen Werts
Ich möchte meine Ausführung zunächst mit der Frage beginnen, was Kunst- und Designartefakte eigentlich sind und worin eventuelle Gemeinsamkeiten bestehen könnten. Ausgehend hiervon wird es möglich, den Kernaspekt hinsichtlich ihrer beider Funktionalitäten mit Blick auf die Rolle semiotischer Systeme am Identifizierungsprozess bereits ansatzweise vorskizzieren zu können.
Kunst- und Designobjekte sind beides vom Menschen entworfene und produzierte Artefakte, die es hinsichtlich ihrer Genese also zunächst von natürlichen Entitäten wie Bäumen und Sonnenuntergängen zu unterscheiden gilt. Weiterhin sind sie beide in ästhetischer Hinsicht bedeutsame Artefakte. Grundsätzlich können sämtliche Objektbereiche vom Menschen in ästhetischer Hinsicht erfahren werden, deshalb sind selbstverständlich auch natürliche Entitäten und selbst noch so einfache, technische Gebrauchsutensilien wie Autoreifen und Mixer unter ästhetischen Gesichtspunkten wahrnehmbar. Das allerdings macht sie noch lange nicht in ästhetischer Hinsicht für uns bedeutsam. Kunst- und Designartefakte dürfen in diesem Sinne als ein »Sonderfall« aufgefasst werden. Das Besondere ist der Identifizierungsprozess von Kunst- und Designgegenständen als ästhetisch bedeutsame Artefakte. Um ein Artefakt nämlich als ein in ästhetischer Hinsicht relevantes Objekt, also als ein Kunst- bzw. Designobjekt, zu identifizieren, muss man auf bestimmte ästhetische Zeichensysteme zurückgreifen. Kunst- und Designobjekte lassen sich demnach als Zeichen verstehen, und zwar als solche, die bestimmte ästhetische Merkmale tragen, welche sich im Rückgriff auf die Zeichensysteme als relevant herausstellen lassen. Solche Merkmale können beispielsweise Aspekte der Formgebung, der Oberflächenbehandlung, der Materialverarbeitung, des Farbauftrags oder der Rahmung usw. betreffen. Was in der speziellen Debatte um die Differenzierung von Kunst und Design hinsichtlich der Rolle semiotischer Systeme im Identifizierungsprozess häufig nicht explizit gemacht wird, ist, dass sich die Kategorisierung von ästhetisch bedeutsamen Gegenständen als Design- oder Kunstgegenstände nicht mit der Feststellung derartiger ästhetischer Merkmale ergibt. Um einen Gegenstand als Kunst oder Design im Rückgriff auf semiotische Systeme zu erschließen und zu bewerten, bedarf es der Eruierung des kunstästhetischen Gehalts oder Werts des jeweiligen Artefakts[1]. Der kunstästhetische Wert von Designartefakten, aber eben auch von Kunstgegenständen, ergibt sich in diesem Zusammenhang aus dem Verhältnis des am ästhetischen Merkmal zu Tage tretenden künstlerischen Ausdrucks zu anderen nicht äußerlichen Aspekten, das sind im Speziellen die Funktionen des jeweiligen Wertträgers.[2]
- [1] vgl. hierzu die Unterscheidung von ästhetischem Wert und künstlerischem Wert bei Schellekens, Elisabeth: Aesthetics and Morality. London, New York 2007. v.a. S. 37. sowie 41ff.
- [2] Diese Tatsache wird, wie ich bereits vermerkt hatte, in den Ausführungen zum Thema semiotischer Systeme im Zusammenhang von Kunst- bzw. Designkategorisierungen wenig deutlich gemacht. So m. E. auch bei Jakob Steinbrenner und dessen ansonsten sehr dezidierten Überlegungen zur Zeichenbedingtheit von Kunst und Design. Vgl. Steinbrenner, Jakob: Wann ist Design? In: Nida-Rümelin, Julian; Steinbrenner, Jakob (Hg.): Ästhetische Werte und Design. Frankfurt 2010. S.16f.
Essay
Rhetorische Hinweise für technische Redakteure
Über das Verfassen von Gebrauchsanleitungen
Als ich den Verkaufsleiter einer Küchenabteilung bat, mir eine Gebrauchsanleitung für einen Induktionsherd mitzubringen und am besten – aus Zwecken der Illustration – eine nicht so gute, war seine lakonische Antwort: »Die sind alle schlecht«, außerdem würde sie eh kein Verbraucher lesen, wer wolle schon 15 Seiten Sicherheitshinweise studieren – aber das müsse halt sein. Daher könne ich auch einfach die von meinem eigenen Herd nehmen.
Das ist für technische Redakteure – als deren Endprodukt die Gebrauchsanleitung bei der Entwicklung eines Produktes steht und die gerade deshalb schon in der Phase der Produktentwicklung daran gearbeitet haben – eine deprimierende, aber auch aussagekräftige Aussage, weil sie wichtige Signale gibt:
1. Dass die Sicherheitshinweise sein müssen, sieht jeder ein, sie sind notwendig, erschweren aber die Lesbarkeit des Textes.
2. Nicht einmal ein Verkaufsleiter, der das Produkt verkaufen will und aus der Arbeit der Redakteure doch Argumente für den Verkauf ziehen könnte, hat ein positives Verhältnis zu solchen Texten. Aus seiner Erfahrung mit den Kunden weiß er zudem, dass sie Anleitungen nicht lesen wollen, da sie diesen von vornherein kritisch gegenüber stehen. Und auch wenn die »tekom« [1] den Verbrauchern in ihren Tipps »Erkennen Sie eine gute Gebrauchsanweisung« rät, den Kauf von Produkten zu verweigern, wenn Gebrauchs- oder Montaganleitung nicht verständlich seien, scheint dies im Verkauf niemanden ernsthaft zu beunruhigen. Daraus lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass darauf wenig geachtet wird, selbst wenn die Unzufriedenheit mit den Anleitungen latent vorhanden ist.
3. Auch Benutzer eines Induktionsherdes erinnern sich nicht an die Gebrauchsanleitung, selbst wenn es sich um Rhetorikerinnen handelt.
Erst der Anlass, mich mit den Aufgaben von technischen Redakteuren und Redakteurinnen zu beschäftigen, führte zur Lektüre der Gebrauchsanweisung meines Induktionsherdes und auf Grundlage der Lektüre zur Feststellung, dass es sich hierbei um sehr klare und deutliche Anweisungen handelt. Auch würde ich sagen, dass Hinweise der »tekom«[2] durchaus erfüllt sind wie etwa:
• Die deutsche Fassung muss schnell zu finden sein
• Die Sprache sollte auf Anhieb verständlich sein
• Sicherheitshinweise sollen einfach und hervorgehoben sein
• Abbildungen sollen den Text bereichern
• Format, Druckqualität und Papier müssen stimmen etc.
Was stört dann? Warum wird eine solche Anleitung dann nicht als gut und nützlich gewertet? Oder philosophisch gefragt: Was fehlt, damit sie als solche durch Gebrauch anerkannt wird?
Angedeutet wird dies durch den leicht verständlichen Satz auf S. 28 meiner Anleitung, auf der die Funktionen des Herdes erklärt werden. Erster Satz ist die unbezweifelbare Tatsache, dass der Herd, um zu funktionieren, eingeschaltet sein muss. Wer hätte das gedacht? Ihr möglicher Einwand, aber dies müsse doch gesagt werden, stimmt zwar, aber in Zeiten einer Technik, die den Anspruch erhebt, intuitiv begreifbar zu sein, erinnert mich der Satz genau daran.
- [1] »Gesellschaft für Technische Kommunikation – tekom e.V.«; www.tekom.de
- [2] Lehrndorfer, Anne: Ärger mit dem neuen Gerät. Erkennen Sie eine gute Gebrauchsanweisung. Herausgegeben von der »tekom«, 2007. http://www.workingoffice.de/pdf/tekom_verbraucherbroschuere.pdf (Abruf am 25.10.2014)
Essay
Sachen machen – Artefakt und Sprache
Wie wir handeln, indem wir sprechen
1 Einleitung
Wenn es um Kraft und Macht der Worte geht, dann ist es klug, auf deren Wirkungen zu achten. In der Tat – wir können mit Worten Effekte auslösen, wir handeln, indem wir sprechen und uns äußern. Die beiden analytischen Philosophen John L. Austin und John R. Searle nannten dies »Sprechakte«. Sie haben ausführlich untersucht, welche Voraussetzungen und Auswirkungen unsere Handlungen haben, die wir mittels des gesprochenen Wortes durchführen. Doch es geht noch weiter: Wir können mit Beschreibungen und Anweisungen, sprich: Programmen und Bedienungs- oder Konstruktionsanleitungen, »Sachen machen«. Wie kommt das?
2 Grammatik reicht nicht aus
Mein Fachgebiet ist Technikphilosophie – wir Technikphilosophen stellen philosophische Fragen im Hinblick auf die Technik, aber wir lösen keine technischen Probleme. Wir fragen nach der Technik, ihren Bedingungen und Möglichkeiten, wir stellen die Frage nach dem technischen Wissen, wie es strukturiert ist, und wir stellen auch ethische Fragen. Aber um diese Frage soll es hier nicht gehen. Ich möchte an die Technik eine der philosophischen Fragen stellen, die erst im 20. Jahrhundert aufgegriffen wurde: Es ist die Frage nach der Sprache. Gottfried Herder ist schon im 19. Jahrhundert für seine sprachphilosophischen Ansätze bekannt geworden – er wollte wissen, wie Sprache entstanden ist, und was sie für den Menschen bedeutet. Sprachenforscher des 19. Jahrhunderts fingen an, die Grammatiken und den Wortschatz von unterschiedlichen Sprachen zu vergleichen, es war auch die hohe Zeit der Deutschen Altphilologie, die damals noch Weltgeltung besaß. Damals meinte man noch, dass man aus der Struktur der Sprache etwas darüber lernen könnte, wie die Welt beschaffen sei.
Die Frage nach der inneren Struktur der Sprache (also der mathematisch beschreibbaren Struktur von Syntax, Semantik und Pragmatik) und ihrer sozialen, sprich: handlungstheoretischen Dimension ist jedoch erst im 20. Jahrhundert gestellt worden. Sie begann zunächst mit den Ansätzen der Semiotik, der Zeichentheorie. Semiotiker wie Charles Sanders Peirce oder Charles Morris haben hier bahnbrechende Arbeiten geleistet, im Deutschen Sprachraum wären die Namen Max Bense und Roland Posner zu nennen. Man glaubte zunächst, dass die Bedeutung an sich in einem Zeichen stecke und hoffte, aus der Analyse von Zeichen die Bedeutung von Zeichen erschließen zu können – also das, was sie meinen und worauf sie verweisen. Damit glaubte man, der Macht der Worte auf die Spur zu kommen. Diesen Forschungszweig gibt es immer noch – aber er führt ein unspektakuläres, eher orchideenhaftes akademisches Dasein.
Die Sprachforschung ging andere Wege. Neben der vergleichenden Sprachforschung, die unterschiedliche Sprachen verglich, ergab sich in den 50er Jahren eine für Philologen ungewöhnliche Antwort, nämlich durch die Automatentheorie, die ihren Ursprung in der Elektrotechnik hatte. Theoretischen Vorarbeiten hatten Noam Chomsky[1], einen Sprachwissenschaftler am MIT (Massachusetts Institute of Technology), der über maschinelle Übersetzungen arbeitete, auf die Idee gebracht, dass Automaten, die Zeichensignale empfangen und entsprechend darauf reagieren, mathematisch ähnlich beschrieben werden können wie die innere Struktur zwischen den Zeichen – also Beziehungen, die bestimmten, welche Kombinationen von Zeichen oder Wörtern in welcher Reigenfolge erlaubt waren und welche nicht. Diese innere Struktur zwischen den Zeichen nannte Chomsky eine Grammatik, und er fand heraus, dass nicht nur Programmiersprachen eine mathematisch einfach verblüffende Struktur haben, nämlich als Regeln, wie korrekte Programmieranweisungen zu formulieren sind, sondern auch, dass ähnliche Regeln für natürliche Sprachen gefunden und angegeben werden können. Allerdings gab es da noch die berüchtigten Ausnahmen – die jeder kennt, wenn er eine Fremdsprache lernen möchte.
Bericht
»Unconference«: Designforscher trafen sich am Bodensee
Standesgemäß unkonventionell tagte die DGTF
Die Organisatoren Axel Vogelsang und Brian Switzer hatten ein Tagungsformat gewählt, bei dem sich nicht alles im Voraus planen lässt. Die »Unconference Design Research« an der Konstanzer Hochschule bot so zwar auch den Auftritt von vier Vortragsrednern – ein Großteil der veranschlagten Zeit blieb aber für »Unconference Sessions«, deren Themen noch spontan im Auditorium eingereicht werden konnten. Das Format steht für Lebendigkeit und engagierte Diskussionen, allerdings um den Preis der inhaltlichen Struktur. Dem Risiko der Beliebigkeit hatten die Veranstalter einiges entgegengesetzt: Ganz konkret hatte man Fragen und Themen formuliert, die in den Sessions zur Sprache kommen sollten. Und mit einer illustren Gästeliste für das Rednerpult waren interessante Impulse garantiert.
Keynotes weisen den Blick über die Grenzen
Prof. Dr. Jan Gulliksen
Vier renommierte Referenten aus drei Ländern berichteten, wie sich Designforschung an ihren Standorten etabliert und wie sie selbst arbeiten: Prof. Dr. Jan Gulliksen vom KTH Royal Institute of Technology in Stockholm schilderte im Vortrag »Design – Action – Impact – The Things we do for love« wie eine gestalterische Herangehensweise gerade in Fragen der »Usability« Arbeitsprozesse und Ergebnisse verbessern kann.
Prof. Dr. Rachel Cooper
Den Maßstäben für Förderprogramme in der Designforschung widmete sich Prof. Dr. Rachel Cooper vom Institute for the Contemporary Arts in Lancaster. »Measuring Design Research – the UK approach« war der Titel ihres Vortrags. Cooper berichtet aus erster Hand: Sie gehört zu dem Expertenkreis, der in Großbritannien Projekte bewertet und dadurch an der Mittelvergabe beteiligt ist. Beeindruckend ist alleine die Menge dessen, was über ihren Schreibtisch geht; wie die Referentin einräumt, lässt sich deshalb unter Umständen nicht immer jedem Projekt gerecht werden.
Dr. Emma Jefferies
Ebenfalls aus Großbritannien angereist war Dr. Emma Jefferies, die in Forschungsfragen international unterwegs ist. Jefferies untersucht Designprozesse in unterschiedlichen Ländern und geht dabei weit über Europa hinaus: Partneragenturen in Indien und Brasilien gehören zu ihren Ansprechpartnern, für die Recherche zu ihrem Buch »Design Transitions« hat sie 16 Länder bereist und Agenturen vor Ort besucht.
Prof. Lysianne Léchot-Hirt
Spezialistin für den Stand der Designforschung in der Schweiz ist Prof. Lysianne Léchot-Hirt, Dekanin der Haute École d’Art et de Design Genève (HEAD), die ihren ganzen Vortrag unter eine provokante Frage stellte: »Is there something like Swiss Design Research?« Und weil es die natürlich gibt, stellte Léchot-Hirt nach einer Bestandsaufnahme aus ihrer Sicht dar, wohin die Reise künftig gehen solle: Promotionen ermöglichen, Standards formulieren und dadurch die Möglichkeiten der Einflussnahme vergrößern, so lässt sich das Fazit der Designforscherin zusammenfassen.
Designforschung – ein weites Feld: Sessions zeigen Vielfalt
Ein Mangel an Themen herrscht nicht: Ästhetische Fragen; praktische Erwägungen; Diskussionen über Rahmenbedingungen von Forschungsaktivitäten; Konzeption eines Forschungsmagazins; Reflektion über Design-Didaktik und vieles mehr – das Spektrum der »Unconference Sessions«, die über das ganze Gebäude der Konstanzer Studiengänge Kommunikationsdesign verteilt waren, war denkbar weit. Manche nutzten die Oktobersonne am Seerhein, um draußen zu besprechen, wie sich Designer in die Gestaltung des »Internets der Dinge« einbringen können. Andere griffen zu Pappe, Filz und Klebstoff und machten ihre Argumente, wie Teamwork am besten funktionieren kann, dreidimensional sichtbar.
Die Vielfalt zu ordnen wäre ein erzwungenes Unterfangen und würde sowohl dem Charme der Veranstaltung als auch den Möglichkeiten der Designforschung nicht gerecht. Trends lassen sich dennoch ausmachen – oder Fragen, die die Forschergemeinde besonders umzutreiben scheinen: Da ist der Brückenschlag zur Praxis, der Umgang mit neuen Technologien, letztlich aber auch die Bereitstellung von Wissen, auf das Designforscher zugreifen können.
20 Bilder, 20 Sekunden pro Bild
Dritte Säule im Tagungsgeschehen war eine Reihe von Vorträgen im Pecha-Kucha-Format. Eine Galerie der Forschungsprojekte sozusagen, nicht auf endlos lange Präsentationen gedehnt, sondern in Kürze summiert, von der Altersvorsorge bis zum Bauhaus.
Zugabe: Design promoviert
Forschung braucht Forscher – das gilt gerade im Design, wo Promotionen oft nur auf Umwegen zu erreichen sind. Das Kolloquium »Design promoviert« findet im Nachgang an die Tagungen der DGTF statt. Promovenden haben dabei die Möglichkeit, den Stand ihrer Arbeiten zu präsentieren und sich auszutauschen. Deutlich wurde in Konstanz, dass Gestaltung nicht nur auf dem Weg ist, sich wissenschaftlich zu etablieren und dass die Nachwuchswissenschaftler designspezifische Methoden und Argumentationen entwickeln.
Tagungsankündigung
»Philosophical Perspectives on Design«
In Freiburg wird es um eine interdisziplinäre Sicht gehen
Die Verknüpfung von Philosophie und Design nimmt sich die Tagung »Philosophical Perspectives on Design« vor, die am 16. und 17. Januar 2015 in Freiburg im Breisgau an der Hochschule für Kunst, Design und Musik ablaufen wird.
Artefakte des Designs umgeben den Menschen, formen seine Umwelt, ja, mittlerweile sogar seinen Körper. Heutzutage gibt es kaum mehr einen Zweifel daran, dass das Design das Leben des Menschen in höchstem Maße durchdringt. Angesichts dessen erscheint es nur konsequent darüber nachzudenken, was Design an sich eigentlich ist. Der Bedarf einer Verwissenschaftlichung des Designs steigt angesichts der technischen, ökonomischen und auch kulturellen Entwicklungen zunehmend, während allerdings die bisherige Designforschung einen starken Fokus auf die strategische Nutzbarmachung von generiertem Designwissen und dabei auf die Optimierung von konkreten Designprozessen in der Praxis legt, bleibt die relevante Frage nach dem eigentlichen Wesen und der Natur des Designs vor allem auch in Abgrenzung zu anderen Lebensbereichen wie jenen der Wissenschaften, der Technik oder der Künste leider eher hintergründig. Es verwundert daher nicht, dass sich gerade in jüngerer Geschichte insbesondere im englischsprachigen Raum unter dem Begriff einer »Philosophie des Designs« eine Bewegung ausformt, deren konkrete Zielsetzungen sowie Nutzbarmachung zwar, ob der Jugend dieser Bewegung, noch nicht genau benannt werden kann, deren zentrales Anliegen jedoch darin besteht, die ontologischen und epistemologischen Grundlagen des Designs und der Designartefakte im Speziellen zu erforschen und darauf aufmerksam zu machen, dass gerade Reflexionen philosophischer Art für die Designpraxis nutzbar gemacht werden könnten.
Die Tagung will erstmals im deutschsprachigen Raum an die Überlegungen aus dem Umfeld der Philosophie des Designs anknüpfen. In der interdisziplinären Tagung werden designtheoretische und philosophische Positionen zu einem Dialog eingeladen. Es geht um die Frage, in welcher Hinsicht die Philosophie mit ihrer klärenden Methodik und mit ihren inhaltlichen Zugängen einen relevanten Beitrag für die theoretische Erschließung und das Verständnis der Disziplin Design leistet, welche Schnittstellen es zwischen den beiden Disziplinen gibt und welche Impulse sowie Perspektiven aus den inhaltlichen Querverbindungen beiderseits gewonnen werden können. In diesem Zusammenhang ist es auch das Ziel der Tagung, Aufschlüsse über die Aufgaben, Ziele und den Nutzen einer Philosophie des Designs zusammenzutragen.
Die Tagung soll Nachwuchswissenschaftler ebenso ansprechen wie etablierte Wissenschaftler; die Teilnahme von Designtheoretikern, insbesondere auch von Design-praktikern ist ausdrücklich erwünscht. Die Tagungssprache ist Deutsch und Englisch. Die Tagung ist öffentlich, um Anmeldung zur Teilnahme wird jedoch gebeten unter der E-Post: dissel@hkdm.de
Nähere Informationen zur Tagung sowie zu Teilnahme- und Vortragsmöglichkeiten: http://www.hkdm.de/hkdm/philosophische-tagung/









