Illustrationen
Aromen der Gestaltung
Das Künstlerduo »44flavours« und seine Objekte
Sebastian Bagge und Julio Rölle arbeiten seit 2003 als Künstlerduo unter dem Namen »44flavours« zusammen. Das Duo widmet sich der Malerei, der Keramik, entwirft Skulpturen und Drucke. Dabei werden Objekte aus einer bestimmten Umgebung als Material für die Gestaltung und das an Überraschungen reiche Spiel der Kunst genutzt.
Buchbesprechung
»… die sich immer mehr unnütz fühlen«
Heribert Prantl über den populistischen Extremismus
Heribert Prantl gab seine »Gebrauchsanweisung für Populisten« 2017, also im Jahr nach der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten, vier Jahre vor den Ausschreitungen des 6. Januar 2021 und dem Beginn des Ukrainekrieges, heraus. Seitdem hat das Buch seine Aktualität nicht eingebüßt. Auf 79 Seiten versucht Heribert Prantl das Phänomen des populistischen Extremismus zu analysieren und seinen Lesern eine Anleitung zum Leben als wehrhafte Demokraten an die Hand zu geben. Schließlich sind, laut Prantl, Rechtspopulisten Rechtsextreme, die durch ihre Bezeichnung als Populisten fälschlich verharmlost werden. Populismus sei nur das Handwerkszeug, an dem sich dieselben bedienen, und als solches auch noch nicht verwerflich, sondern im Gegenteil: notwendig.
In sechzehn Kapiteln geht der ehemalige Richter und Chefredakteur der »Süddeutschen Zeitung« den Ursachen für die scheinbare Flucht in den Extremismus nach. Prantl macht den Erfolg der rechtspopulistischen Bewegungen an großen Versprechen fest, die ihren »Zujublern« wieder Hoffnung für die Zukunft geben (S. 12). Er sorgt sich um die Stärke des Rechts und des Rechtsstaats, der das Fundament der Gesellschaft bildet indem er die universellen Menschenrechte hütet und der jetzt angegriffen würde. Es fehle an Bürgen, die für das Recht einstehen. Diesen Prozess betitelt er dabei als »negative Renaissance« (S. 8). Die Sicht, es wäre jüngst der Rechtspopulismus in eruptiver Art ausgebrochen, als wäre die Gesellschaft durch dieses Phänomen ihrem Untergang geweiht, nennt Prantl jedoch »politischen Fatalismus« (S. 13). Im Gegensatz zu einer Naturkatastrophe, gegen die man sich nicht wehren könne, müsse man den Rechtspopulismus systematisch bekämpfen, demokratisch, rechtsstaatlich und sozial. (S. 13)
Heribert Prantl trennt zwischen Populismus und Extremismus, und versucht den Leser gegen diese Werkzeuge zu wappnen. Demokratische Populisten appellierten an Herz und Verstand, extremistische an niedrige Instinkte. (S. 15) Laut Prantl liegt hier der Unterschied. Er bemängelt, dass das Wort »Populismus« längst überdehnt und beinahe bedeutungslos gemacht worden sei. Theater gehöre zur Politik, behauptet er (S. 16). Es komme dabei darauf an, ob diese Inszenierungen verantwortungsvoll und angemessen sind. Damit wehrt er sich gegen eine vermeintliche Rückkehr zur Seriosität durch Fachsprache und Politikjargon. Diese könne nicht begeistern. Er wirbt stattdessen dafür, in verständlichem Deutsch über die Politik und ihre Themen zu sprechen. Dazu warnt er vor dem »schon wieder« (S. 19). Nämlich der wiedergekehrten Erscheinung, dass demokratische Institutionen in hasserfüllter Sprache zum Feind erklärt werden. Beispielsweise mit der Aussage: ihre Mitglieder seien »Volksverräter«. Solche Akteure seien nicht als Populisten zu verharmlosen, sondern als Demokratiefeinde zu sehen. (S. 19)
Doch wie kann man dem entgegentreten? Wie kann man die Anhänger des populistischen Extremismus überzeugen? Prantl schreibt dazu: »Es gilt also, die praktische Nützlichkeit der rechtsstaatlichen Demokratie und ihrer Werte auch für diejenigen spürbar zu machen, die sich immer mehr unnütz fühlen. Das ist das demokratische Gegenfeuer gegen den populistischen Extremismus.« (S. 79) Menschen gewinne man mit Leidenschaft, nicht mit der Aussage, dass alles nun mal hochkomplex sei. (S. 74) Dazu könne jeder einen Beitrag leisten, in der Politik oder im eigenen Leben. Es sei nicht richtig, aus Generationen oder Menschengruppen Sündenböcke für eine abhandengekommene Zukunft zu machen. Es ginge eben nur gemeinsam. Die Zukunft würde im Jetzt geformt und nicht einfach geduldet. (S. 77)
Prantl schafft mit seinem Buch einen Einstieg in das Verstehen aktueller politischer Phänomene. Er ruft zum Handeln auf und macht Hoffnung, dass es eben doch möglich ist, sich gegen populistischen Extremismus zu wehren, ohne ihm dabei auf den Leim zu gehen.
Buchbesprechung
“Drowning in Information While Starving for Wisdom”
Julia Watson über traditionelles, ökologisches Wissen
Wie können wir in Symbiose mit der Natur leben? Julia Watson, eine australische Designerin, Umweltaktivistin und Harvard-Professorin, versucht in ihrem Buch »Lo-TEK. Design by Radical Indigenism« eine Antwort zu geben, die auf indigene Philosophie und traditionelle Infrastrukturen gründet. Ihr Ziel ist, durch die Neubeleuchtung dieses Wissens eine ganze Designbewegung zu inspirieren.
Eine moderne Lösung für den negativen Einfluss des Menschen auf die Umwelt werde, so Watson, zumeist in technischen Methoden gesehen. Diese würden oft nicht mit der Natur, sondern gegen sie arbeiten. »Lo-TEK«(Traditional Ecological Knowledge) stellt die Aussage in den Vordergrund, dass ganzheitliche Strukturen benötigt werden, in denen Biodiversität einen elementaren Grundstein bildet. Als Beleg hierfür werden Jahrtausende alte Praktiken aus unterschiedlichen, schwindenden Kulturen genommen, in denen komplexe Ökosysteme in Kreisläufen funktionieren - ursprünglich, effizient, innovativ und sozial zugleich. Beispiele aus achtzehn Ländern von Südamerika bis Südostasien beleuchten detailreich nachhaltige, naturnahe Technologien. Lebende Brücken im nordindischen Hochland oder schwimmende Dörfer in Peru zeigen radikal andere Herangehensweisen, die laut Watson weder primitiv sind, noch im Schatten moderner Wissenschaft stehen sollten.
Thematisch ist das Buch aufgeteilt in die vier Kapitel »Forests«, »Mountains«, »Deserts« und »Wetlands«. In seinem Vorwort betont der Anthropologe und Autor Wade Davis die Naturverbundenheit indigener Kulturen. »For the people of the Andes, the earth is alive« (S. 12), und sie werde liebevoll »Pachamama« (dt.: Mutter Erde) genannt. »Lo-TEK« zeige, so Davis, dass wir die Möglichkeit haben, unser Verhältnis zu den natürlichen und von uns erbauten Lebensräumen neu zu denken. Er ruft auf zu »a new architecture of the heart, informed by beauty and pure design, with materials as simple as the sun, that yield new possibilities. (…) they will inspire a totally new dream of the Earth.« (S. 15)
In der darauffolgenden Einleitung werden die Grundthesen und -begriffe des Buches genau formuliert. Dabei wird auch die Wahl des Titels begründet mit der lateinischen Wortherkunft von radikal, das auf »Wurzel« zurückgeht. Denn das indigene Wissen sei laut der australischen Umweltaktivistin Julia Watson tief in uns allen verwurzelt und solle uns die Ursprünge von technischer Innovation überdenken lassen. High-tech kritisiert sie aufgrund des »one-size-fits-all approach« (S.20) als destruktiv und als Gegensatz zu natürlicher Diversität. Außerdem betont Watson, dass »Lo-TEK« keinesfalls mit dem Begriff »Lo-tech« (verkürzt von »Low-tech«) verwechselt werden dürfe, denn Ersteres »is sophisticated and designed to work with complex ecosystems« (S. 21). Anhand des »Knowledge-Practice-Belief-Complex« erhält der Leser einen Überblick der vielschichtigen Verflechtung aller Instanzen, die für Harmonie zwischen Mensch und Natur wichtig seien. Die Einleitung abschließend, plädiert Watson angesichts der aktuellen Weltsituation noch einmal eindringlich für die Relevanz traditioneller Methoden. Sie bezeichnet indigene Völker als »unrecognized ecological innovators of the planet« (S. 26), deren Wissen zu Unrecht als Mythus abgestempelt werde. Nach der australischen Designerin brauche es einen globalen Wandel. Großflächige, systemische Änderungen müssten das Individuum mit dem Ökosystem und Spiritualität mit der Wissenschaft verbinden: “Remember to remember.” (S. 26)
Die Beispiele im Hauptteil werden bis ins Detail mit viel Bildmaterial und architekturplanartigen Grafiken sowie in Interviews beschrieben. Zudem befindet sich am Ende jedes der vier Kapitel eine Weltkarte, die übersichtlich weitere indigene Innovationen aus demselben Themengebiet zeigen.
In »Mountains« können unter anderem lebende Wurzelbrücken der in Indien beheimateten Khasis bestaunt werden. Deren Art zu Leben sei ein »example of the typical worldview of indigenous cultures who reconstruct their environs into social-ecological systems by threading spiritual and ecological knowledge together« (S. 50). An den Ifugao in den Philippinen werde klar, wie selbstverständlich Spiritualität und Naturverbundenheit in jegliche Handlung einfließe. Die »Milpa Forest Gardens« der Maya im Kapitel »Forests« zeigten, wie ganzheitliches Kreislaufdenken in die Praxis umgesetzt werden könne. Watson erklärt, dass bei dieser Form der Landwirtschaft der Anbau von Mais im Fokus stehe. Dabei würden in jedem Wachstumsstadium aufwendige Zeremonien und Rituale abgehalten. Auch die Kayapó im Amazonasbecken verdeutlichten: “Each step in the creation of their communities is an inspiration for designers on how to collaborate with nature (…)” (S. 196) Dass indigene Infrastrukturen alles andere als primitiv seien, sondern »monumental earthworks that are impressive in their Lo―TEK sophistication« (S. 244), dokumentierten Jahrtausende alte Wasserleitungen der Perser im Kapitel »Deserts«.
Die Marschenbewohner Ma’dan, südlich im Irak beheimatet, verwenden eine regionale Schilfpflanze sowohl für Nahrung und Tierfutter als auch für den Bau von Gebäuden und Booten, so die Autorin. Dieses Schilf bilde durch eine intelligente Integration biologischer Prozesse die Grundlage für die schwimmenden Inseln, auf denen das Volk lebe. »(…) literally using biodiversity upon which these cultures float« (S.311), gibt dieses Beispiel aus »Wetlands«, dem letzten Kapitel des Hauptteils, dem Anliegen der Autorin noch einmal Nachdruck.
In ihrer Schlussfolgerung ruft Julia Watson zu einer neuen Denkweise, einem neuen Umgang mit den Herausforderungen in unserem Zeitalter des Anthropozäns[1] auf. Sie betont, dass ein Problem nicht auf dieselbe Art wie dessen Ursprung gelöst werden könne, und äußert »optimism that a collaboration with Nature can save us« (S. 398). Die Vergangenheit gäbe dabei wie ein Kompass Orientierung (S. 399). “As designers, our role is to create a new ground for a positive engagement with Nature. Re-establishing this relationship means acknowledging that humans have always lived with natural systems.” (S. 399) Watson nennt abschließend die Intention des Buches eine Zusammenstellung von indigenem Design, ein »framework for adaptation and innovation« (S. 399), das ein »emergent movement of design« (S. 399) auslösen solle. Diese Werkzeugkiste soll laut der Harvard-Professorin dabei helfen, unsere Beziehung mit der Natur neu zu verwurzeln: von einer oberflächlichen zu einer symbiotischen.
Obgleich ein Großteil des Werks in einem Architekturkontext steht, dürften designaffine und umweltinteressierte Menschen darin jede Menge beeindruckende, neue Erkenntnisse finden. Die besondere Aufbereitung des Buches mit der Schweizer Bindung, den kupferfarbenen Details und den aufwendigen Darstellungen entsprechen in ihrer Wertigkeit dem Inhalt. Julia Watson gibt Anstöße für eine bewusstere und harmonischere Lebens- und Arbeitsweise und Anstöße für den Umgang mit unserem Umfeld. Die erstaunlichen Einblicke in indigene Kulturen wecken Fragen an moderne, technische Entwicklungen und das sich dadurch ändernde Verhältnis des Menschen zur Natur. Aktueller könnte dies im jetzigen Weltgeschehen und dem Vormarsch des Web 3.0 gar nicht sein.
Buchbesprechung
»Sie erreichen das Ziel«
Isabel Garcia über die größten Kommunikationsirrtümer
Wer wegschaut, während er spricht, wirke unsicher oder lüge. (S. 27) Wer während einer Präsentation herumläuft, wirke unseriös. (S. 45) Aber wer hüftbreit (S. 167) stehe, wirke seriös. Derlei Themen bespricht Isabel Garcia in ihrem Buch und räumt, so der Untertitel des Bandes, mit den »größten Kommunikationsirrtümern« auf. Garcia wird zu den am Markt führenden Kommunikationsexperten Deutschlands gezählt und veröffentlichte mehrere erfolgreiche Bücher und Hörbücher, sie ist professionelle Sprecherin und Vortragsrednerin und betreibt einen Podcast zu dem Thema »Gut reden kann jeder« (S. 2).
Garcia zeigt neuartige Herangehens- und Denkweisen für einen besseren Auftritt, eine souveränere Sprache und eine klarere Aussage. »Rhetorik wird von vielen so definiert, dass wir mit Kommunikation unsere Ziele erreichen. Verbal und non-verbal. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie jemanden von Ihren Ideen, Projekten, Produkten oder von Ihrer Person überzeugen möchten. Sie haben ein Ziel. Sie kommunizieren. Sie erreichen das Ziel. Das ist der Plan.« (S. 9) Garcia untersucht die geläufigsten Regeln, die ihr unsinnig vorkommen und sich häufig als Mythen herausstellen. Im Zuge ihrer Untersuchung spricht sie mit vielen namenhaften Personen, darunter Professoren, Experten für Psychologie, Verhaltenstherapie, Körperwirkung, Rhetorik und Kommunikation (S. 231) und stellt Bezüge zur Fachliteratur her.
Die Kapitel des Buches sind einzelnen Kommunikationsirrtümer gewidmet, 18 verschiedene Themen werden behandelt. Jedes Kapitel beginnt mit einer Kapiteltrennseite auf der oben das Thema, in der Mitte der »Mythos« (S. 15) und unten ein kurzer Teaser des Kapitels steht. Daraufhin wird auf mehreren Seiten das jeweilige Thema aufgezeigt und erklärt. Zum Abschluss jedes Kapitels gibt es »#Bessersprechertipps« (S. 24), die den Inhalt des jeweiligen Kapitels in kurzen Punkten zusammenfassen und die Kernbotschaften gebündelt aufzeigen.
In Kapitel neun geht es um den Mythos »#aber«: »Sagen Sie nie ABER. Sagen Sie dafür UND.« (S. 129). Das Wort Aber werde meist verwendet, um eine Aussage abzuschwächen. Es gebe drei verschiedene Möglichkeiten, ein Aber einzusetzen. Erstens: um »eine negative Aussage zu relativieren« (S. 130). Zweitens: als ironischen, leicht angreifenden »Humor« (S. 131). Drittens: um »zwei gleichwertige Punkte gegeneinander abzuwägen« (S. 131). Oft würden Aussagen mit Aber als negativ gewertet. Garcia rät, man solle sich immer im Vornherein überlegen, in welcher Situation man das Aber verwendet und in welchen nicht, da es schnell die ganze Aussage in etwas Negatives verwandele - auch dann, wenn der vorherige Satz positiv sei. Es gebe Situationen, in denen man ganz auf das Aber verzichten und lieber auf andere Wörter zurückgreifen sollte. Zum Beispiel bei Feedback- und Konfliktgesprächen, da wir in emotionalen Gesprächen dazu neigen, alles auf die Goldwaage zu legen. Garcia rät dazu, häufiger die Worte »und«, »gleichwohl«, »sowohl als auch« und »gerade weil« statt eines Abers zu verwenden.(S. 132) Das schlimmste Aber sei das »Ja, aber« (S. 133), da man damit dem Gegenüber erst zustimme und dann dagegen argumentiere. Viele Bücher über Kommunikationsrhetorik raten deswegen, komplett auf ein Aber zu verzichten, aber aus Garcias Sicht können Alternativen in manchen Zusammenhängen nicht das ausdrücken, was ein Aber eben ausdrückt. Hierbei sollte man auf die eigene innere Einstellung achten und sich überlegen, was man rüberbringen möchte und in welcher Art man beim Gegenüber herüberkommen möchte.
Ein weiteres Kapitel aus Garcias Buch behandelt die »#ichbotschaften«: »Mit Ich-Botschaften kommunizieren Sie wertschätzender.« (S. 207) In diesem Kapitel nimmt Garcia Bezug auf den Psychologen Thomas Gordon und sein Gordon-Modell. Dieses Modell besagt, dass »(…) die Menschen im ersten Schritt zuhören und im zweiten Schritt dann klar ansprechen, wie sie sich damit fühlen« (S. 208). Aussagen würden so sachlich wie möglich formuliert, und der Gegenüber bekomme etwas mit. (S. 208) Garcia ist allerdings der Meinung, nur weil ein Satz mit Ich anfängt, sei dies noch lange keine Ich-Botschaft. Oft würden Ich-Botschaften in Konflikten verwendet, um dem Gegenüber verständlich zu machen, wie man sich fühlt oder was man denkt. Je nach Formulierung und Tonlage könne das Gegenüber dies allerdings als Angriff seiner Person ansehen. »Wir schauen beide auf die gleiche Situation und sehen doch etwas völlig Unterschiedliches. Dadurch reden wir aneinander vorbei, weil wir alle Situationen unterschiedlich bewerten.« (S. 210) Das Gordon-Modell macht die unterschiedlichen Bewertungssysteme deutlich. Nach Garcia sei es hilfreich diese verschiedenen Bewertungen zu kennen, anstatt sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. (S. 209)
In den anderen Kapiteln spricht Garcia über verschiedenste Kommunikationsirrtümern, verbale wie non-verbale, und zeigt Möglichkeiten für eine, aus ihrer Sicht, bessere Verhaltens- und Denkweise auf. Sie erwähnt oft die innere Einstellung und das eigene Verhalten anderen und sich selbst gegenüber. Oftmals helfe schon eine kleine Pause, um über alles in Ruhe nachzudenken und dann erst zu handeln.
Garcia schreibt in einem lockeren Stil und erzählt alles sehr bildhaft mittels Geschichten aus ihrem Leben. Dies schafft zum einen eine persönlich Note und zum anderen eine leichte Verständlichkeit für das, was sie vermitteln möchte. Auch lässt sie Beispiele aus Gesprächen einfließen, an denen sie Möglichkeiten der Korrektur und den von ihr empfohlenen Kommunikation darstellt. Garcia möchte mit diesem Buch eine jüngere Zielgruppe ansprechen, das merkt man nicht nur an ihrem Schreibstil. Sie verwendet mehrere, aus dem digitalen Bereich bekannte Formen, wie z. B. das Hashtag-Zeichen »#« (S. 5). Das Taschenbuch hat einen gelb-leuchtenden Umschlag, der mit passenden Icons zum Inhalt aufgepeppt wurde. Dieses Buch möchte kein Ratgeber sein, aber eigentlich ist es doch eins. Nicht auf die aufdringliche Art, mit Verboten oder Vorschriften, aber mit sehr deutlich formulierten Möglichkeiten, zu kommunizieren. Deutlich zu sagen ist, dass es sich hierbei um keine wissenschaftliche Arbeit oder Forschung im Bereich »Rhetorik« handelt. Dennoch zeigt es eine andere Sicht auf »die größten Kommunikationsirrtümer« (S. 1) und regt dazu an, auf sich selbst und seine Kommunikation, verbal und non-verbal, zu achten und sein Gegenüber besser verstehen zu können.
Essay
»Unermüdet von diesem Schauen«
Über die Rolle der Bilder in den Naturwissenschaft
I. Bilder in und aus der Wissenschaft
Das Verbindende zwischen Universität und Kunst wird in diesem Beitrag aus naturwissenschaftlicher Sicht betrachtet. Die Universität wird dabei als Ort für Wissenschaft und Forschung verstanden, an dem es heutzutage zur selbstverständlichen Pflicht aller daran Beteiligten gehören sollte, die Öffentlichkeit über die erzielten Ergebnisse und ihre Bedeutung zu informieren. Die Vermittlung von wissenschaftlichen Einsichten gelingt oft mit Hilfe von Bildern, und deren Rolle soll in diesem Aufsatz beleuchtet werden, wobei sich herausstellen wird, daß die Bilder nicht erst bei der Weitergabe von wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern schon bei ihrer Gewinnung eine Rolle spielen. Da sich Bilder den Menschen über die Wahrnehmung erschließen, wird diese Fähigkeit ausführlich zur Sprache kommen.
Die besondere Bedeutung der Bilder zeigt allein die immer wieder gestellte Frage nach dem Weltbild der Wissenschaft bzw. nach dem Menschenbild der modernen Genetik. Es würde sich lohnen, der These nachzugehen, daß die ethischen Schwierigkeiten der modernen Forschung dadurch möglich werden, weil weder die Physik ein Weltbild – etwa im Sinne der Newtonschen Mechanik – noch die Biologie ein Menschenbild erkennen läßt. Die am nachhaltigsten von Immanuel Kant gestellte Frage »Was ist der Mensch?« kann weder durch Angabe von DNA-Sequenzen noch durch Hinweise auf genetische Programme beantwortet werden. Der Entwurf eines adäquaten Menschenbildes, das über Maschinenmodelle hinausgeht, bleibt eine dringliche Aufgabe, die vielleicht mit Hilfe der Kunst gelöst werden kann. Wir können uns ihr nur langsam nähern.
II. Beim Betrachten von Bildern
Welchen direkten Einfluss Bilder bzw. Gebilde der Wissenschaft auf einen Betrachter und sein Verstehen haben können, zeigt das Beispiel von Thomas Mann, der am 4. Oktober 1951 nach einem Besuch des Museum of Natural History in Chicago folgende Bemerkung in sein Tagebuch einträgt: »Unermüdet von diesem Schauen. Keine Kunstgalerie könnte mich so interessieren.«[1] Thomas Mann bewundert in den biologischen Sammlungen des Museums faszinierende Querschnitte von »sehr frühen Muscheln in feinster Ausarbeitung des Gehäuses«, er schaut auf »wunderschöne zoologische Modelle aller Art«, und er betrachtet die eindrucksvollen »Skelette der Reptil-Monstren und gigantischen Tiermassen«, die früher die Erde beherrschten. Dies ergreift ihn ungemein, und im ungestörten Gegenüber mit diesen Figuren und den vielen dazugehörigen Bildern, die dem Betrachter die Entwicklung des Lebens und die Evolution des Menschen vor Augen führen, wird Thomas Mann immer tiefer berührt. Er empfindet ein ungeheures Vergnügen. Ihn überkommt »etwas wie biologischer Rausch«, und mit überraschender Deutlichkeit erfasst ihn das »Gefühl, daß dies alles meinem Schreiben und Lieben und Leiden, meiner Humanität zum Grunde liegt«. Thomas Mann ist außerordentlich »bewegt von alldem«, und er kehrt am Morgen des nächsten Tages in das Museum zurück, um sich viele weitere Bilder »frühmenschlichen, zum Teil noch kaum menschlichen Lebens« vor Augen zu führen.
Es ist sicher vor allem das Biologische, das den Betrachter im Museum berauscht sein läßt und ihm Erkenntnisse nicht durch Rationalität, sondern durch sinnliche Wahrnehmung und Gefühle ermöglicht, doch benötigt Thomas Mann dazu die musealen Modelle und besonderen Bilder, die ihn anregen und anrühren, und es lohnt sich, den genauen Gründen für deren weitreichenden Wirkungen nachzuspüren, die uns allen möglich und vertraut sind.
III. Das erweiterte Sehen
Menschen sind visuell begabte Lebewesen, die sich durch – wörtlich zu verstehende – Augenblicke orientieren. Aus diesem Grunde ist es verständlich, daß immer schon Bilder und Illustrationen eine Rolle in der Wissenschaft gespielt haben. Wer will, könnte sogar einen Grundzug der technischen Entwicklung in unserer Kultur dadurch charakterisieren, daß er auf die zunehmenden Bemühungen verweist, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Diese Bemühungen beginnen pünktlich im 17. Jahrhundert, also genau in der Epoche unserer Geschichte, in der die moderne westliche Wissenschaft insgesamt entsteht, und im Grund drücken beide Entwicklungen ein- und denselben Charakterzug unserer Kultur aus, nämlich den, sehend wissen zu wollen. Mit dem wissenschaftlichen Menschen wird auch das technische Bild unvermeidlich.
Die Bemühungen um das erweiterte Sehen sind ein Wesenszug des europäischen Wissenwollens, in dessen Rahmen Menschen versuchen, sich mit dem Mikroskop die kleinen und mit dem Fernrohr die großen Dimensionen vor Augen zu führen. Erst schlägt ein Deutscher – Johannes Kepler – einen Weg vor, um ein zusammengesetztes Mikroskop zu bauen, danach benutzt ein Engländer – Robert Hooke – ein entsprechendes Gerät, um »Zellen« in Dünnschnitten von Flaschenkork zu finden und zu benennen, und schließlich entdeckt ein Holländer – Antonie van Leeuwenhoek – beim vergrößerten Sehen die winzigen (eben »mikroskopischen«) Formen des Lebens, die wir Protozoen und Bakterien nennen.
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»Raus ins Feld«
Harald Reiterer über Mensch und Computer
Prof. Dr. Harald Reiterer, Leiter der Human-Computer-Interaction-Group an der Universität Konstanz, blickt mit über 30 Jahren Erfahrung auf die Entwicklung der Mensch-Computer-Interaktion zurück.
Im Interview beschreibt er die Zukunft seines Feldes. Zudem erläutert er, was Designer und Informatiker voneinander lernen können.
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»Was bleibt vom Bauhaus?«
Ideen für eine ästhetische Bildung von morgen
Die Kunsthistorikerin Bettina Güldner reist durch die Designgeschichte des Bauhauses und schlägt den Bogen zur Gegenwart. Was ist aus den revolutionären Ideen der Bauhäusler geworden? Einst als die Heimstätte der Avantgarde bezeichnet, sind vom Glanz und Gloria des Bauhauses nur noch die überteuerten »Design-Klassiker« geblieben.
Oder? Nicht ganz. Die Relevanz und Bedeutung der Ideen, des demokratischen Gedankenguts sind nicht aus der Zeit gefallen. Vielmehr können diese Ideen heute wieder Ausgangspunkt werden, um anders über eine zeitgemäße ästhetische Bildung für Gestalter nachzudenken.
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»Wie kann ich das verbessern, was ich mache?«
Brian Switzer über Designforschung und -entwicklung
Der Professor für Kommunikationsdesign und selbstständige Designer Brian Switzer spricht über seine Leidenschaft der Designforschung und -entwicklung. Behandelt wird, wie Designer mithilfe von wissenschaftlichen Methoden bessere Gestaltungslösungen finden und deren Wirkungen überprüfen können. Das Ziel des Designprofessors: Designer zu überzeugen, durch Designforschung und -entwicklung mehr über ihr eigenes Schaffen nachzudenken und qualitative Methoden in ihre Gestaltungspraxis einzubauen. »Denn das ist kein Hexenwerk.«
Zudem berichtet Brian Switzer über die Internationalität und Interkulturalität in der Gestaltungsbranche, die er durch die Arbeit in verschiedenen Designagenturen rund um die Welt erfahren hat. Vertieft werden die internationalen und interkulturellen Unterschiede im Design zwischen der USA, Deutschland und Großbritannien.
Essay
Kunst und Technik – und dazwischen der Tonmeister
Über Musikrhetorik und Aufnahme
Ich bin gebeten worden, mir ein paar Gedanken über die Rolle des Tonmeisters zu machen.[1] Um die Frage im Titel gleich vorweg zu beantworten: Der Sitz des Tonmeisters ist nicht zwischen Birke und Borke, er ist nicht zwischen Kunst und Technik angesiedelt, sondern er hat an beiden Bereichen Anteil, es handelt sich um eine Teilhabe.
Wenn wir von Kunst und Technik reden sollen, so müssen wir wohl zuerst bei der Kunst anfangen, und ich beschränke mich hier der Kürze halber auf die Kunst der Musik. Mit dieser Kunst haben Tonmeister ja sehr viel zu tun. Um welche Kunst also handelt es sich bei der Musik?
Musik als Sprache
Abbildung 1 zeigt einen Rhapsoden, einen Erzähler, und er hat zur Unterstützung seiner Erzählung eine Lyra dabei, also ein Instrument mit ein paar Seiten, die er wahrscheinlich nach der pythagoreischen Tonleiter gestimmt hat. Der Rhapsode ist der Geschichtenerzähler. Zunächst tut er dies mündlich und erzählt es so, wie es ihm einfällt und wie er die Geschichte im Gedächtnis hat. Um die Wirkung etwas zu verstärken, aber auch um seine Geschichte besser memorieren zu können, benutzt der Rhapsode – das beginnt zeitlich ungefähr kurz vor Homer – eine rhythmisierte Sprache:
Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,
welcher soweit geirrt nach der heiligen Troja Zerstörung.[2]

Abb. 1: Rhapsode, Berlin Painter; Terracotta-Amphore, ca. 490 v. Ch.; Griechenland. The Metropolitan Museum of Art, New York, Fletcher Fund, 1956 (56.171.38)
http://www.metmuseum.org/Collections/search-the-collections/254896.
Dieser Rhythmus in der Sprache bestimmt, ja erzwingt dann das Versmaß. Dieser Rhythmus spielt auch eine sehr große Rolle später bei den Liedern, die die Arbeit begleiten – das Repetitive im Rhythmus von Arbeitsschritten findet sich sodann im Rhythmus, zum Beispiel beim Rudern im Boot, bei den Schritten des händischen Transports oder beim Hämmern.
Es sind also Rhythmus und Versmaß, die zunächst bestimmen, wie der Rhapsode seine Vorstellung macht. Um die Wirkung des Ganzen noch zu verstärken, kommt der melos hinzu, d. h. die Melodie, gleichsam die Phrasierung, also das, was den Bogen in der Erzählung ausmacht und dann mit der Tonhöhe und deren Veränderungen entsprechend unterstützt. Der tonus rectus in den liturgischen Gesängen der Weltreligionen hat dieselbe Funktion.
Der nächste Schritt besteht darin, dass der Rhapsode sich ein Instrument zulegt und sich selbst zu seinem Gesang begleitet. »Iljas« und »Odyssee« sind von Homer in Gesänge aufgeteilt worden. Zum einen gliederte dies den Stoff, zum anderen erleichterte der Sprachrhythmus (Hexameter, Pentameter) dem Erzähler das Memorien des Stoffs. Nun kommt das Instrument hinzu und begleitet die Erzählung. Wir beobachten die Trennung von melos und dem, was sprachlich sich ereignet: Es entsteht das Lied. Das Lied war anfänglich immer eine Erzählung, aber es muss heute nicht immer eine explizite Erzählung sein. Die Stimme wird nun selbst zum musikalischen Produzenten. Dies ist die Trennung von melos und von der Prosodie, d. h. der sprachlichen Ausdrucksweise, und sie macht die Melodie eigenständig.
In der nächsten Stufe der Entwicklung macht sich nun auch das Instrument selbstständig, es reißt den melos an sich, und es beginnt die Phase der instrumentellen Musik. Nun beginnen sich Musik, aber auch die Instrumente zu entwickeln und damit die dazugehörige Technik.
Mythen des Alltags
Duschen
Was das Brausen über uns sagt
Wieder spät dran, der Wecker hat schon dreimal geklingelt. Noch schnell unter die Dusche, das eiskalte Wasser prasselt ins Gesicht – sofort ist man wach. Oder doch eher der Typ Morgenmensch: direkt nach dem ersten Alarmton aufstehen, ausgiebig frühstücken und in aller Ruhe unter die warme Dusche, um entspannt in den Tag zu starten.
Duschgewohnheiten sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich, auch wenn sich die Tätigkeit an sich kaum unterscheidet. Die einen duschen morgens, die anderen lieber abends, manche jeden Tag und manche nur, wenn sie Sport gemacht haben. Über Zeitpunkt und Häufigkeit erfährt man relativ schnell etwas, wenn dieses Thema zufällig zur Sprache kommt. Worüber man meist nicht redet? Über die Temperatur, die Duschzeit oder ob man sich währenddessen noch die Zähne putzt. Aber genau bei diesen Dingen wird es besonders interessant. Denn es gibt Studien und Umfragen, die behaupten, dass man anhand von Duschgewohnheiten die körperliche Gesundheit, die mentale Grundstimmung und die Lebensgewohnheiten eines Menschen ablesen kann.
Eine Frage, die sich bei jedem Duschen stellt: warm oder kalt? Im Winter wird vorwiegend warm geduscht, im Sommer eher kühler. Neben der Regulation von Körperwärme und Außentemperatur habe der Wärmegrad des Wassers weitere Einflüsse auf das körperliche Wohlbefinden und die Gesundheit. Warmes Duschen sorge für eine Erweiterung der Blutgefäße und einer damit einhergehenden Relaxation der Muskeln.[1] Neben dem Grund der Reinigung und Körperpflege würden rund 44 % der Deutschen den Effekt von warmen Wasser bevorzugen und hauptsächlich zur Entspannung duschen.[2] 33 % dagegen gehe es vor allem um einen frischen Start in den Tag[3], kalt Duschen rege die Durchblutung an und mache wacher.[4] Vor allem für Sportler solle sich das tägliche Kalt-Duschen als eine Ergänzung zum Sport eignen, da ähnliche Prozesse wie beim Ausdauertraining in Gang gesetzt werden.[5] Die erhöhte Produktion von Mitochondrien sorge für mehr Energie, die angeregte Durchblutung für einen besseren Blutdruck, und das Immunsystem werde gestärkt.[6]
Doch es existieren auch Vorurteile zu den verschiedenen Wassertemperaturen. Das Stereotyp über den Kaltduscher klingt einleuchtend: Er gilt als fit und aktiv. Demgegenüber steht das eher unlogisch klingende Stereotyp über den Warmduscher: Er gilt als schwächlich und feige. Woran liegt das? Der Begriff »Warmduscher« bekam seine klischeehafte Begriffsdefinition durch einen Gag zugewiesen. In einer satirischen Kommentierung der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 bezeichnete Harald Schmidt den Nationalspieler Jürgen Klinsmann als »Warmduscher« und löste damit einen medienwirksamen Skandal aus – das Stereotyp des Warmduschers wurde geboren.[7]
Zusätzlich zum körperlichen Wohlbefinden solle man auch die mentale Grundstimmung eines Menschen anhand der von ihm favorisierten Wassertemperatur erkennen können. Warm Duschen solle nicht nur den Körper entspannen, sondern auch den Geist. Die Erweiterung der Blutgefäße würden zu einer Erweiterung des Bewusstseins führen und die Gedanken zur Ruhe kommen lassen. Kalt Duschen hingegen spreche das sympathische Nervensystem an. Es sorge für die erhöhte Produktion von Endorphinen und Noradrenalin und erhöhe den Adrenalinspiegel: Die Konzentrationsfähigkeit werde gesteigert und die Stimmung gehoben. Aufgrund diesen Effektes empfehlen einige Forscher sogar das Duschen mit kaltem Wasser als eine Maßnahme zur Therapie von Depressionen.[6] Laut einer Studie der Yale University duschen vor allem einsame Menschen mit wenig sozialen Kontakten sehr warm und lange. Die Wärme und Entspannung, die aufgrund der Erweiterung der Blutgefäße entstehe, sorge für ein »in Watte gehülltes« Gefühl und imitiere die menschliche Wärme.[8]
Zum Thema »Duschzeit« existiert eine ausführliche Umfrage. Die kürzeste Duschzeit sei bei rund 19 % der Deutschen der Fall: Sie duschen unter fünf Minuten.[9] Zu ihnen würden die Menschen gehören, die kaltes Wasser für einen frischen Start in den Tag bevorzugen. Etwas länger dusche die Mehrheit der Befragten, bei denen der Hauptzweck der Körperreinigung erfüllt werden solle: Rund 39 % duschen zwischen fünf bis zehn Minuten, laut Dermatologen eine ideale Zeit, um die Haut nicht zu überstrapazieren.[10] Zwischen zehn bis fünfzehn Minuten würden 16 % der Deutschen duschen.[11] Bei ihnen stehe eine längere Entspannung im Vordergrund, meist in Kombination mit warmen Wasser. Die Spitzenzeit im Duschen von über fünfzehn Minuten würden insgesamt 17,6 % der Befragten erreichen: 9 % duschen über fünfzehn Minuten, 5,6 % bis zu zwanzig Minuten, rund 2 % mehr als zwanzig Minuten und rund 1 % dusche über dreißig Minuten.[12] Je länger die Duschzeit, desto mehr steige die Wahrscheinlichkeit von Einsamkeit.[13] Dass fast 34 % der Deutschen es lieben, ausgiebig und lange zu duschen, muss allerdings kein Grund zur Sorge sein. Mit der Yale-Studie im Hinterkopf sollte man im Blick behalten, dass einsame Menschen zwar lange duschen, aber nicht jeder, der lange duscht, auch einsam ist.
Und zum Schluss der am häufigsten vergessene Aspekt des Duschens – die zusätzlichen Routinen. Ob aus Gründen des Zeitdrucks oder zum Wassersparen, 46 % der Deutschen würden während des Duschens noch weitere Tätigkeiten erledigen.[14] Vor allem das Zähneputzen sei eine besonders beliebte Gewohnheit, die meist morgens mit einem Sprung unter die Dusche kombiniert werde. Auch die Rasur finde häufig unter der Dusche statt: Männer würden sich vorwiegend bei der morgendlichen Dusche rasieren, Frauen eher abends.
Wenn man, laut den Studien und Umfragen, so viel über einen Menschen allein anhand seiner Duschgewohnheiten herausfinden kann – warum wird das nicht im Alltag genutzt? Wie wäre es, wenn man sich bei einem ersten Kennenlernen nicht mit seinen Interessen, sondern direkt mit seinen Duschgewohnheiten vorstellte? Dann könnte man mit der Aufzählung von nur einer Gewohnheit alles über den Gegenüber erfahren – und spart sich langweilige Standardfragen.
Also: Warmduscher, 5 Minuten, ohne zusätzliche Routinen. Und Sie?
- [1] Schimmelpfennig GmbH & Co. KG: Unsere Duschfakten: Heiß, Kalt oder Wechseldusche? URL: https://www.badshop.de/heiss-oder-kalt-duschen-und-weitere-duschfakten (Stand: 14.11.2022).
- [2] ebd.
- [3] Hansgrohe SE: Presseinformation. URL: https://badezimmer.com/document/33.415/Hansgrohe-Studie (Stand: 9.1.2023).
- [4] Budde, Jannis: Kalt duschen: Vorteile und Schritt-für-Schritt Anleitung. URL: https://www.primal-state.de/kalt-duschen/ (Stand: 14.11.2022).
- [5] ebd.
- [6] ebd.
- [7] Richter, Christian: Der Fernsehfriedhof: Harald Schmidt und die Schwuchtel-WM. URL: https://www.quotenmeter.de/n/42510/der-fernsehfriedhof-harald-schmidt-und-die-schwuchtel-wm (Stand: 14.11.2022).
- [6] Theofilopoulos, Zoi: Warum sollte man jeden Tag kalt duschen? URL: https://www.viactiv.de/deshalb-solltest-du-jeden-tag-kalt-duschen#:~:text=Kalt%20duschen%20macht%20gl%C3%BCcklich,von%20Endorphinen%20und%20Noradrenalin%20erh%C3%B6ht (Stand: 14.11.2022).
- [8] Bargh, J. A., & Shalev, I.: Emotion. The Substitutability of Physical and Social Warmth in Daily Life. URL: https://acmelab.yale.edu/sites/default/files/2011_the_substitutibility_of_physical_and_social_warmth.pdf (Stand: 14.11.2022).
- [9] Duschmeister GmbH & Co. KG: Deutschlands Dusch-Diagnose. URL: https://www.duschmeister.de/service/dusch-diagnose/ (Stand: 9.1.2023).
- [10] ebd.
- [11] ebd.
- [12] ebd.
- [13] Bargh, J. A., & Shalev, I.: Emotion. The Substitutability of Physical and Social Warmth in Daily Life, a. a. O.
- [14] Dittrich, Lisa: Eine Umfrage zeigt, was die Deutschen wirklich unter der Dusche machen – und was sie künftig ändern sollten. URL: https://www.businessinsider.de/wissenschaft/duschverhalten-deutsche-energiesparen-geldsparen-klimaschutz-a/ (Stand: 13.11.2022).
















