Illustrationen

Aromen der Gestaltung

Das Künstlerduo »44flavours« und seine Objekte

  • Trees, September 2022, Acryl und Buntstift auf Holz, 120—400 x 50—100 mm. Fotos: 44flavours.
    Trees, Sep­tem­ber 2022, Acryl und Bunt­stift auf Holz, 120—400 x 50—100 mm. Fotos: 44flavours.
  • Change, August 2022, famOS, Osnabrück, Wandmalerei. Fotos: Aileen Rogge.
    Chan­ge, August 2022, famOS, Osna­brück, Wand­ma­le­rei. Fotos: Aileen Rogge.
  • Outside In, Januar 2022, Kanya & Kage, Berlin, Gruppenausstellung. Fotos: Lukas Furs.
    Out­side In, Janu­ar 2022, Kanya & Kage, Ber­lin, Grup­pen­aus­stel­lung. Fotos: Lukas Furs.
  • Midnight Sun, 2019, Acryl und Pastellkreide auf Leinwand, 400 x 600 mm. Foto: 44flavours.
    Mid­night Sun, 2019, Acryl und Pas­tell­krei­de auf Lein­wand, 400 x 600 mm. Foto: 44flavours.
  • Berta, 2020, Glasur-Mix, auf Keramik, 400 x 380 x 345 mm. Foto: 44flavours.
    Ber­ta, 2020, Gla­sur-Mix, auf Kera­mik, 400 x 380 x 345 mm. Foto: 44flavours.
  • Coldera, 2020, Glasur-Mix, auf Keramik, Ø 520 x 190 mm. Foto: 44flavours.
    Col­de­ra, 2020, Gla­sur-Mix, auf Kera­mik, Ø 520 x 190 mm. Foto: 44flavours.
  • Wise & Walden mit (Jan Brokof), Juni 2021, Kunsthaus Erfurt, Gruppenausstellung. Fotos: 44flavours.
    Wise & Wal­den mit (Jan Bro­kof), Juni 2021, Kunst­haus Erfurt, Grup­pen­aus­stel­lung. Fotos: 44flavours.
  • Kessel 1, 2021, Glasur-Mix, Kobaltoxyd auf Keramik, 128 x 178 x 120 mm. Foto: 44flavours.
    Kes­sel 1, 2021, Gla­sur-Mix, Kobalt­o­xyd auf Kera­mik, 128 x 178 x 120 mm. Foto: 44flavours.
  • Kleine Freunde, 2018—2021, Glasur-Mix, Engobe auf Keramik, ≈ 100—200 mm. Fotos: 44flavours.
    Klei­ne Freun­de, 2018—2021, Gla­sur-Mix, Engo­be auf Kera­mik, ≈ 100—200 mm. Fotos: 44flavours. 
  • No Man‘s Land Series 1—4, 2018, Acryl auf Holzintarsien, 297 x 420 mm. Fotos: 44flavours.
    No Man‘s Land Series 1—4, 2018, Acryl auf Holz­in­tar­si­en, 297 x 420 mm. Fotos: 44flavours.
  • A Topographic Landscape, Painted, Juni 2021, Concéntrico Festival, Logroño, Spanien, Installation. Fotos: Joséma Cutillas
    A Topo­gra­phic Land­scape, Pain­ted, Juni 2021, Con­cén­tri­co Fes­ti­val, Logro­ño, Spa­ni­en, Instal­la­ti­on. Fotos: José­ma Cutillas
  • Redefine, Juni 2020, Arkaden, Potsdamer Platz, Wandarbeit. Fotos: Vincent Mosch
    Rede­fi­ne, Juni 2020, Arka­den, Pots­da­mer Platz, Wand­ar­beit. Fotos: Vin­cent Mosch
  • Down to Earth, Oktober 2019, Artica Svalbard, Spitzbergen, Installation. Fotos: 44flavours.
    Down to Earth, Okto­ber 2019, Arti­ca Sval­bard, Spitz­ber­gen, Instal­la­ti­on. Fotos: 44flavours.
  • Nachbarschaften 2025 (mit Jan Brokof), Mai 2019, Kunsthaus Dresden, Gruppenausstellung. Fotos: 44flavours.
    Nach­bar­schaf­ten 2025 (mit Jan Bro­kof), Mai 2019, Kunst­haus Dres­den, Grup­pen­aus­stel­lung. Fotos: 44flavours.
  • Signal HP0, 2018, Acryl auf Holz, Fundobjekte, 50 x 190 x 190 mm. Foto: 44flavours.
    Signal HP0, 2018, Acryl auf Holz, Fund­ob­jek­te, 50 x 190 x 190 mm. Foto: 44flavours.
  • Sternleuchter, 2018, Acryl auf Holz, Fundobjekte, 220 x 380 x 90 mm. Foto: 44flavours.
    Stern­leuch­ter, 2018, Acryl auf Holz, Fund­ob­jek­te, 220 x 380 x 90 mm. Foto: 44flavours.
  • Sebastian Bagge und Julio Rölle. Foto: 44flavours
    Sebas­ti­an Bag­ge und Julio Röl­le. Foto: 44flavours

Sebas­ti­an Bag­ge und Julio Röl­le arbei­ten seit 2003 als Künst­ler­duo unter dem Namen »44flavours« zusam­men. Das Duo wid­met sich der Male­rei, der Kera­mik, ent­wirft Skulp­tu­ren und Dru­cke. Dabei wer­den Objek­te aus einer bestimm­ten Umge­bung als Mate­ri­al für die Gestal­tung und das an Über­ra­schun­gen rei­che Spiel der Kunst genutzt.

Buchbesprechung

»… die sich immer mehr unnütz fühlen«

Heribert Prantl über den populistischen Extremismus

Heri­bert Prantl gab sei­ne »Gebrauchs­an­wei­sung für Popu­lis­ten« 2017, also im Jahr nach der Wahl von Donald Trump zum ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten, vier Jah­re vor den Aus­schrei­tun­gen des 6. Janu­ar 2021 und dem Beginn des Ukrai­ne­krie­ges, her­aus. Seit­dem hat das Buch sei­ne Aktua­li­tät nicht ein­ge­büßt. Auf 79 Sei­ten ver­sucht Heri­bert Prantl das Phä­no­men des popu­lis­ti­schen Extre­mis­mus zu ana­ly­sie­ren und sei­nen Lesern eine Anlei­tung zum Leben als wehr­haf­te Demo­kra­ten an die Hand zu geben. Schließ­lich sind, laut Prantl, Rechts­po­pu­lis­ten Rechts­extre­me, die durch ihre Bezeich­nung als Popu­lis­ten fälsch­lich ver­harm­lost wer­den. Popu­lis­mus sei nur das Hand­werks­zeug, an dem sich die­sel­ben bedie­nen, und als sol­ches auch noch nicht ver­werf­lich, son­dern im Gegen­teil: notwendig.

In sech­zehn Kapi­teln geht der ehe­ma­li­ge Rich­ter und Chef­re­dak­teur der »Süd­deut­schen Zei­tung« den Ursa­chen für die schein­ba­re Flucht in den Extre­mis­mus nach. Prantl macht den Erfolg der rechts­po­pu­lis­ti­schen Bewe­gun­gen an gro­ßen Ver­spre­chen fest, die ihren »Zujub­lern« wie­der Hoff­nung für die Zukunft geben (S. 12). Er sorgt sich um die Stär­ke des Rechts und des Rechts­staats, der das Fun­da­ment der Gesell­schaft bil­det indem er die uni­ver­sel­len Men­schen­rech­te hütet und der jetzt ange­grif­fen wür­de. Es feh­le an Bür­gen, die für das Recht ein­ste­hen. Die­sen Pro­zess beti­telt er dabei als »nega­ti­ve Renais­sance« (S. 8). Die Sicht, es wäre jüngst der Rechts­po­pu­lis­mus in erup­ti­ver Art aus­ge­bro­chen, als wäre die Gesell­schaft durch die­ses Phä­no­men ihrem Unter­gang geweiht, nennt Prantl jedoch »poli­ti­schen Fata­lis­mus« (S. 13). Im Gegen­satz zu einer Natur­ka­ta­stro­phe, gegen die man sich nicht weh­ren kön­ne, müs­se man den Rechts­po­pu­lis­mus sys­te­ma­tisch bekämp­fen, demo­kra­tisch, rechts­staat­lich und sozi­al. (S. 13) 

Heri­bert Prantl trennt zwi­schen Popu­lis­mus und Extre­mis­mus, und ver­sucht den Leser gegen die­se Werk­zeu­ge zu wapp­nen. Demo­kra­ti­sche Popu­lis­ten appel­lier­ten an Herz und Ver­stand, extre­mis­ti­sche an nied­ri­ge Instink­te. (S. 15) Laut Prantl liegt hier der Unter­schied. Er bemän­gelt, dass das Wort »Popu­lis­mus« längst über­dehnt und bei­na­he bedeu­tungs­los gemacht wor­den sei. Thea­ter gehö­re zur Poli­tik, behaup­tet er (S. 16). Es kom­me dabei dar­auf an, ob die­se Insze­nie­run­gen ver­ant­wor­tungs­voll und ange­mes­sen sind. Damit wehrt er sich gegen eine ver­meint­li­che Rück­kehr zur Serio­si­tät durch Fach­spra­che und Poli­tik­jar­gon. Die­se kön­ne nicht begeis­tern. Er wirbt statt­des­sen dafür, in ver­ständ­li­chem Deutsch über die Poli­tik und ihre The­men zu spre­chen. Dazu warnt er vor dem »schon wie­der« (S. 19). Näm­lich der wie­der­ge­kehr­ten Erschei­nung, dass demo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen in hass­erfüll­ter Spra­che zum Feind erklärt wer­den. Bei­spiels­wei­se mit der Aus­sa­ge: ihre Mit­glie­der sei­en »Volks­ver­rä­ter«. Sol­che Akteu­re sei­en nicht als Popu­lis­ten zu ver­harm­lo­sen, son­dern als Demo­kra­tie­fein­de zu sehen. (S. 19)

Doch wie kann man dem ent­ge­gen­tre­ten? Wie kann man die Anhän­ger des popu­lis­ti­schen Extre­mis­mus über­zeu­gen? Prantl schreibt dazu: »Es gilt also, die prak­ti­sche Nütz­lich­keit der rechts­staat­li­chen Demo­kra­tie und ihrer Wer­te auch für die­je­ni­gen spür­bar zu machen, die sich immer mehr unnütz füh­len. Das ist das demo­kra­ti­sche Gegen­feu­er gegen den popu­lis­ti­schen Extre­mis­mus.« (S. 79) Men­schen gewin­ne man mit Lei­den­schaft, nicht mit der Aus­sa­ge, dass alles nun mal hoch­kom­plex sei. (S. 74) Dazu kön­ne jeder einen Bei­trag leis­ten, in der Poli­tik oder im eige­nen Leben. Es sei nicht rich­tig, aus Gene­ra­tio­nen oder Men­schen­grup­pen Sün­den­bö­cke für eine abhan­den­ge­kom­me­ne Zukunft zu machen. Es gin­ge eben nur gemein­sam. Die Zukunft wür­de im Jetzt geformt und nicht ein­fach gedul­det. (S. 77)

Prantl schafft mit sei­nem Buch einen Ein­stieg in das Ver­ste­hen aktu­el­ler poli­ti­scher Phä­no­me­ne. Er ruft zum Han­deln auf und macht Hoff­nung, dass es eben doch mög­lich ist, sich gegen popu­lis­ti­schen Extre­mis­mus zu weh­ren, ohne ihm dabei auf den Leim zu gehen.

Buchbesprechung

Drowning in Information While Starving for Wisdom”

Julia Watson über traditionelles, ökologisches Wissen

Wie kön­nen wir in Sym­bio­se mit der Natur leben? Julia Wat­son, eine aus­tra­li­sche Desi­gne­rin, Umwelt­ak­ti­vis­tin und Har­vard-Pro­fes­so­rin, ver­sucht in ihrem Buch »Lo-TEK. Design by Radi­cal Indi­ge­nism« eine Ant­wort zu geben, die auf indi­ge­ne Phi­lo­so­phie und tra­di­tio­nel­le Infra­struk­tu­ren grün­det. Ihr Ziel ist, durch die Neu­be­leuch­tung die­ses Wis­sens eine gan­ze Design­be­we­gung zu inspirieren. 

Eine moder­ne Lösung für den nega­ti­ven Ein­fluss des Men­schen auf die Umwelt wer­de, so Wat­son, zumeist in tech­ni­schen Metho­den gese­hen. Die­se wür­den oft nicht mit der Natur, son­dern gegen sie arbei­ten. »Lo-TEK«(Traditional Eco­lo­gi­cal Know­ledge) stellt die Aus­sa­ge in den Vor­der­grund, dass ganz­heit­li­che Struk­tu­ren benö­tigt wer­den, in denen Bio­di­ver­si­tät einen ele­men­ta­ren Grund­stein bil­det. Als Beleg hier­für wer­den Jahr­tau­sen­de alte Prak­ti­ken aus unter­schied­li­chen, schwin­den­den Kul­tu­ren genom­men, in denen kom­ple­xe Öko­sys­te­me in Kreis­läu­fen funk­tio­nie­ren - ursprüng­lich, effi­zi­ent, inno­va­tiv und sozi­al zugleich. Bei­spie­le aus acht­zehn Län­dern von Süd­ame­ri­ka bis Süd­ost­asi­en beleuch­ten detail­reich nach­hal­ti­ge, natur­na­he Tech­no­lo­gien. Leben­de Brü­cken im nord­in­di­schen Hoch­land oder schwim­men­de Dör­fer in Peru zei­gen radi­kal ande­re Her­an­ge­hens­wei­sen, die laut Wat­son weder pri­mi­tiv sind, noch im Schat­ten moder­ner Wis­sen­schaft ste­hen sollten. 

The­ma­tisch ist das Buch auf­ge­teilt in die vier Kapi­tel »Forests«, »Moun­ta­ins«, »Deserts« und »Wet­lands«. In sei­nem Vor­wort betont der Anthro­po­lo­ge und Autor Wade Davis die Natur­ver­bun­den­heit indi­ge­ner Kul­tu­ren. »For the peo­p­le of the Andes, the earth is ali­ve« (S. 12), und sie wer­de lie­be­voll »Pacha­ma­ma« (dt.: Mut­ter Erde) genannt. »Lo-TEK« zei­ge, so Davis, dass wir die Mög­lich­keit haben, unser Ver­hält­nis zu den natür­li­chen und von uns erbau­ten Lebens­räu­men neu zu den­ken. Er ruft auf zu »a new archi­tec­tu­re of the heart, infor­med by beau­ty and pure design, with mate­ri­als as simp­le as the sun, that yield new pos­si­bi­li­ties. (…) they will inspi­re a total­ly new dream of the Earth.« (S. 15)

In der dar­auf­fol­gen­den Ein­lei­tung wer­den die Grund­the­sen und -begrif­fe des Buches genau for­mu­liert. Dabei wird auch die Wahl des Titels begrün­det mit der latei­ni­schen Wort­her­kunft von radi­kal, das auf »Wur­zel« zurück­geht. Denn das indi­ge­ne Wis­sen sei laut der aus­tra­li­schen Umwelt­ak­ti­vis­tin Julia Wat­son tief in uns allen ver­wur­zelt und sol­le uns die Ursprün­ge von tech­ni­scher Inno­va­ti­on über­den­ken las­sen. High-tech kri­ti­siert sie auf­grund des »one-size-fits-all approach« (S.20) als destruk­tiv und als Gegen­satz zu natür­li­cher Diver­si­tät. Außer­dem betont Wat­son, dass »Lo-TEK« kei­nes­falls mit dem Begriff »Lo-tech« (ver­kürzt von »Low-tech«) ver­wech­selt wer­den dür­fe, denn Ers­te­res »is sophisti­ca­ted and desi­gned to work with com­plex eco­sys­tems« (S. 21). Anhand des »Know­ledge-Prac­ti­ce-Belief-Com­plex« erhält der Leser einen Über­blick der viel­schich­ti­gen Ver­flech­tung aller Instan­zen, die für Har­mo­nie zwi­schen Mensch und Natur wich­tig sei­en. Die Ein­lei­tung abschlie­ßend, plä­diert Wat­son ange­sichts der aktu­el­len Welt­si­tua­ti­on noch ein­mal ein­dring­lich für die Rele­vanz tra­di­tio­nel­ler Metho­den. Sie bezeich­net indi­ge­ne Völ­ker als »unre­co­gni­zed eco­lo­gi­cal inno­va­tors of the pla­net« (S. 26), deren Wis­sen zu Unrecht als Mythus abge­stem­pelt wer­de. Nach der aus­tra­li­schen Desi­gne­rin brau­che es einen glo­ba­len Wan­del. Groß­flä­chi­ge, sys­te­mi­sche Ände­run­gen müss­ten das Indi­vi­du­um mit dem Öko­sys­tem und Spi­ri­tua­li­tät mit der Wis­sen­schaft ver­bin­den: “Remem­ber to remem­ber.” (S. 26)

Die Bei­spie­le im Haupt­teil wer­den bis ins Detail mit viel Bild­ma­te­ri­al und archi­tek­tur­plan­ar­ti­gen Gra­fi­ken sowie in Inter­views beschrie­ben. Zudem befin­det sich am Ende jedes der vier Kapi­tel eine Welt­kar­te, die über­sicht­lich wei­te­re indi­ge­ne Inno­va­tio­nen aus dem­sel­ben The­men­ge­biet zeigen.

In »Moun­ta­ins« kön­nen unter ande­rem leben­de Wur­zel­brü­cken der in Indi­en behei­ma­te­ten Kha­sis bestaunt wer­den. Deren Art zu Leben sei ein »exam­p­le of the typi­cal world­view of indi­ge­nous cul­tures who recon­s­truct their envi­rons into social-eco­lo­gi­cal sys­tems by thre­a­ding spi­ri­tu­al and eco­lo­gi­cal know­ledge tog­e­ther« (S. 50). An den Ifu­gao in den Phil­ip­pi­nen wer­de klar, wie selbst­ver­ständ­lich Spi­ri­tua­li­tät und Natur­ver­bun­den­heit in jeg­li­che Hand­lung ein­flie­ße. Die »Mil­pa Forest Gar­dens« der Maya im Kapi­tel »Forests« zeig­ten, wie ganz­heit­li­ches Kreis­lauf­den­ken in die Pra­xis umge­setzt wer­den kön­ne. Wat­son erklärt, dass bei die­ser Form der Land­wirt­schaft der Anbau von Mais im Fokus ste­he. Dabei wür­den in jedem Wachs­tums­sta­di­um auf­wen­di­ge Zere­mo­nien und Ritua­le abge­hal­ten. Auch die Kayapó im Ama­zo­nas­be­cken ver­deut­lich­ten: “Each step in the crea­ti­on of their com­mu­ni­ties is an inspi­ra­ti­on for desi­gners on how to col­la­bo­ra­te with natu­re (…)” (S. 196) Dass indi­ge­ne Infra­struk­tu­ren alles ande­re als pri­mi­tiv sei­en, son­dern »monu­men­tal ear­thworks that are impres­si­ve in their Lo―TEK sophisti­ca­ti­on« (S. 244), doku­men­tier­ten Jahr­tau­sen­de alte Was­ser­lei­tun­gen der Per­ser im Kapi­tel »Deserts«.

Die Mar­schen­be­woh­ner Ma’dan, süd­lich im Irak behei­ma­tet, ver­wen­den eine regio­na­le Schilf­pflan­ze sowohl für Nah­rung und Tier­fut­ter als auch für den Bau von Gebäu­den und Boo­ten, so die Autorin. Die­ses Schilf bil­de durch eine intel­li­gen­te Inte­gra­ti­on bio­lo­gi­scher Pro­zes­se die Grund­la­ge für die schwim­men­den Inseln, auf denen das Volk lebe. »(…) lite­ral­ly using bio­di­ver­si­ty upon which the­se cul­tures float« (S.311), gibt die­ses Bei­spiel aus »Wet­lands«, dem letz­ten Kapi­tel des Haupt­teils, dem Anlie­gen der Autorin noch ein­mal Nachdruck. 

In ihrer Schluss­fol­ge­rung ruft Julia Wat­son zu einer neu­en Denk­wei­se, einem neu­en Umgang mit den Her­aus­for­de­run­gen in unse­rem Zeit­al­ter des Anthro­po­zäns[1] auf. Sie betont, dass ein Pro­blem nicht auf die­sel­be Art wie des­sen Ursprung gelöst wer­den kön­ne, und äußert »opti­mism that a col­la­bo­ra­ti­on with Natu­re can save us« (S. 398). Die Ver­gan­gen­heit gäbe dabei wie ein Kom­pass Ori­en­tie­rung (S. 399). “As desi­gners, our role is to crea­te a new ground for a posi­ti­ve enga­ge­ment with Natu­re. Re-estab­li­shing this rela­ti­onship means ack­now­led­ging that humans have always lived with natu­ral sys­tems.” (S. 399) Wat­son nennt abschlie­ßend die Inten­ti­on des Buches eine Zusam­men­stel­lung von indi­ge­nem Design, ein »frame­work for adapt­a­ti­on and inno­va­ti­on« (S. 399), das ein »emer­gent move­ment of design« (S. 399) aus­lö­sen sol­le. Die­se Werk­zeug­kis­te soll laut der Har­vard-Pro­fes­so­rin dabei hel­fen, unse­re Bezie­hung mit der Natur neu zu ver­wur­zeln: von einer ober­fläch­li­chen zu einer symbiotischen.

Obgleich ein Groß­teil des Werks in einem Archi­tek­tur­kon­text steht, dürf­ten desi­gn­af­fi­ne und umwelt­in­ter­es­sier­te Men­schen dar­in jede Men­ge beein­dru­cken­de, neue Erkennt­nis­se fin­den. Die beson­de­re Auf­be­rei­tung des Buches mit der Schwei­zer Bin­dung, den kup­fer­far­be­nen Details und den auf­wen­di­gen Dar­stel­lun­gen ent­spre­chen in ihrer Wer­tig­keit dem Inhalt. Julia Wat­son gibt Anstö­ße für eine bewuss­te­re und har­mo­ni­sche­re Lebens- und Arbeits­wei­se und Anstö­ße für den Umgang mit unse­rem Umfeld. Die erstaun­li­chen Ein­bli­cke in indi­ge­ne Kul­tu­ren wecken Fra­gen an moder­ne, tech­ni­sche Ent­wick­lun­gen und das sich dadurch ändern­de Ver­hält­nis des Men­schen zur Natur. Aktu­el­ler könn­te dies im jet­zi­gen Welt­ge­sche­hen und dem Vor­marsch des Web 3.0 gar nicht sein.

Buchbesprechung

»Sie erreichen das Ziel«

Isabel Garcia über die größten Kommunikationsirrtümer

Wer weg­schaut, wäh­rend er spricht, wir­ke unsi­cher oder lüge. (S. 27) Wer wäh­rend einer Prä­sen­ta­ti­on her­um­läuft, wir­ke unse­ri­ös. (S. 45) Aber wer hüft­breit (S. 167) ste­he, wir­ke seri­ös. Der­lei The­men bespricht Isa­bel Gar­cia in ihrem Buch und räumt, so der Unter­ti­tel des Ban­des, mit den »größ­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­irr­tü­mern« auf. Gar­cia wird zu den am Markt füh­ren­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­exper­ten Deutsch­lands gezählt und ver­öf­fent­lich­te meh­re­re erfolg­rei­che Bücher und Hör­bü­cher, sie ist pro­fes­sio­nel­le Spre­che­rin und Vor­trags­red­ne­rin und betreibt einen Pod­cast zu dem The­ma »Gut reden kann jeder« (S. 2).

Gar­cia zeigt neu­ar­ti­ge Her­an­ge­hens- und Denk­wei­sen für einen bes­se­ren Auf­tritt, eine sou­ve­rä­ne­re Spra­che und eine kla­re­re Aus­sa­ge. »Rhe­to­rik wird von vie­len so defi­niert, dass wir mit Kom­mu­ni­ka­ti­on unse­re Zie­le errei­chen. Ver­bal und non-ver­bal. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob Sie jeman­den von Ihren Ideen, Pro­jek­ten, Pro­duk­ten oder von Ihrer Per­son über­zeu­gen möch­ten. Sie haben ein Ziel. Sie kom­mu­ni­zie­ren. Sie errei­chen das Ziel. Das ist der Plan.« (S. 9) Gar­cia unter­sucht die geläu­figs­ten Regeln, die ihr unsin­nig vor­kom­men und sich häu­fig als Mythen her­aus­stel­len. Im Zuge ihrer Unter­su­chung spricht sie mit vie­len namen­haf­ten Per­so­nen, dar­un­ter Pro­fes­so­ren, Exper­ten für Psy­cho­lo­gie, Ver­hal­tens­the­ra­pie, Kör­per­wir­kung, Rhe­to­rik und Kom­mu­ni­ka­ti­on (S. 231) und stellt Bezü­ge zur Fach­li­te­ra­tur her. 

Die Kapi­tel des Buches sind ein­zel­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­irr­tü­mer gewid­met, 18 ver­schie­de­ne The­men wer­den behan­delt. Jedes Kapi­tel beginnt mit einer Kapi­tel­trenn­sei­te auf der oben das The­ma, in der Mit­te der »Mythos« (S. 15) und unten ein kur­zer Teaser des Kapi­tels steht. Dar­auf­hin wird auf meh­re­ren Sei­ten das jewei­li­ge The­ma auf­ge­zeigt und erklärt. Zum Abschluss jedes Kapi­tels gibt es »#Bes­ser­spre­cher­tipps« (S. 24), die den Inhalt des jewei­li­gen Kapi­tels in kur­zen Punk­ten zusam­men­fas­sen und die Kern­bot­schaf­ten gebün­delt aufzeigen. 

In Kapi­tel neun geht es um den Mythos »#aber«: »Sagen Sie nie ABER. Sagen Sie dafür UND.« (S. 129). Das Wort Aber wer­de meist ver­wen­det, um eine Aus­sa­ge abzu­schwä­chen. Es gebe drei ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, ein Aber ein­zu­set­zen. Ers­tens: um »eine nega­ti­ve Aus­sa­ge zu rela­ti­vie­ren« (S. 130). Zwei­tens: als iro­ni­schen, leicht angrei­fen­den »Humor« (S. 131). Drit­tens: um »zwei gleich­wer­ti­ge Punk­te gegen­ein­an­der abzu­wä­gen« (S. 131). Oft wür­den Aus­sa­gen mit Aber als nega­tiv gewer­tet. Gar­cia rät, man sol­le sich immer im Vorn­her­ein über­le­gen, in wel­cher Situa­ti­on man das Aber ver­wen­det und in wel­chen nicht, da es schnell die gan­ze Aus­sa­ge in etwas Nega­ti­ves ver­wan­de­le - auch dann, wenn der vor­he­ri­ge Satz posi­tiv sei. Es gebe Situa­tio­nen, in denen man ganz auf das Aber ver­zich­ten und lie­ber auf ande­re Wör­ter zurück­grei­fen soll­te. Zum Bei­spiel bei Feed­back- und Kon­flikt­ge­sprä­chen, da wir in emo­tio­na­len Gesprä­chen dazu nei­gen, alles auf die Gold­waa­ge zu legen. Gar­cia rät dazu, häu­fi­ger die Wor­te »und«, »gleich­wohl«, »sowohl als auch« und »gera­de weil« statt eines Abers zu verwenden.(S. 132) Das schlimms­te Aber sei das »Ja, aber« (S. 133), da man damit dem Gegen­über erst zustim­me und dann dage­gen argu­men­tie­re. Vie­le Bücher über Kom­mu­ni­ka­ti­ons­rhe­to­rik raten des­we­gen, kom­plett auf ein Aber zu ver­zich­ten, aber aus Gar­ci­as Sicht kön­nen Alter­na­ti­ven in man­chen Zusam­men­hän­gen nicht das aus­drü­cken, was ein Aber eben aus­drückt. Hier­bei soll­te man auf die eige­ne inne­re Ein­stel­lung ach­ten und sich über­le­gen, was man rüber­brin­gen möch­te und in wel­cher Art man beim Gegen­über her­über­kom­men möchte. 

Ein wei­te­res Kapi­tel aus Gar­ci­as Buch behan­delt die »#ich­bot­schaf­ten«: »Mit Ich-Bot­schaf­ten kom­mu­ni­zie­ren Sie wert­schät­zen­der.« (S. 207) In die­sem Kapi­tel nimmt Gar­cia Bezug auf den Psy­cho­lo­gen Tho­mas Gor­don und sein Gor­don-Modell. Die­ses Modell besagt, dass »(…) die Men­schen im ers­ten Schritt zuhö­ren und im zwei­ten Schritt dann klar anspre­chen, wie sie sich damit füh­len« (S. 208). Aus­sa­gen wür­den so sach­lich wie mög­lich for­mu­liert, und der Gegen­über bekom­me etwas mit. (S. 208) Gar­cia ist aller­dings der Mei­nung, nur weil ein Satz mit Ich anfängt, sei dies noch lan­ge kei­ne Ich-Bot­schaft. Oft wür­den Ich-Bot­schaf­ten in Kon­flik­ten ver­wen­det, um dem Gegen­über ver­ständ­lich zu machen, wie man sich fühlt oder was man denkt. Je nach For­mu­lie­rung und Ton­la­ge kön­ne das Gegen­über dies aller­dings als Angriff sei­ner Per­son anse­hen. »Wir schau­en bei­de auf die glei­che Situa­ti­on und sehen doch etwas völ­lig Unter­schied­li­ches. Dadurch reden wir anein­an­der vor­bei, weil wir alle Situa­tio­nen unter­schied­lich bewer­ten.« (S. 210) Das Gor­don-Modell macht die unter­schied­li­chen Bewer­tungs­sys­te­me deut­lich. Nach Gar­cia sei es hilf­reich die­se ver­schie­de­nen Bewer­tun­gen zu ken­nen, anstatt sich gegen­sei­tig Vor­wür­fe zu machen. (S. 209)

In den ande­ren Kapi­teln spricht Gar­cia über ver­schie­dens­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­irr­tü­mern, ver­ba­le wie non-ver­ba­le, und zeigt Mög­lich­kei­ten für eine, aus ihrer Sicht, bes­se­re Ver­hal­tens- und Denk­wei­se auf. Sie erwähnt oft die inne­re Ein­stel­lung und das eige­ne Ver­hal­ten ande­ren und sich selbst gegen­über. Oft­mals hel­fe schon eine klei­ne Pau­se, um über alles in Ruhe nach­zu­den­ken und dann erst zu handeln. 

Gar­cia schreibt in einem locke­ren Stil und erzählt alles sehr bild­haft mit­tels Geschich­ten aus ihrem Leben. Dies schafft zum einen eine per­sön­lich Note und zum ande­ren eine leich­te Ver­ständ­lich­keit für das, was sie ver­mit­teln möch­te. Auch lässt sie Bei­spie­le aus Gesprä­chen ein­flie­ßen, an denen sie Mög­lich­kei­ten der Kor­rek­tur und den von ihr emp­foh­le­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on dar­stellt. Gar­cia möch­te mit die­sem Buch eine jün­ge­re Ziel­grup­pe anspre­chen, das merkt man nicht nur an ihrem Schreib­stil. Sie ver­wen­det meh­re­re, aus dem digi­ta­len Bereich bekann­te For­men, wie z. B. das Hash­tag-Zei­chen »#« (S. 5). Das Taschen­buch hat einen gelb-leuch­ten­den Umschlag, der mit pas­sen­den Icons zum Inhalt auf­ge­peppt wur­de. Die­ses Buch möch­te kein Rat­ge­ber sein, aber eigent­lich ist es doch eins. Nicht auf die auf­dring­li­che Art, mit Ver­bo­ten oder Vor­schrif­ten, aber mit sehr deut­lich for­mu­lier­ten Mög­lich­kei­ten, zu kom­mu­ni­zie­ren. Deut­lich zu sagen ist, dass es sich hier­bei um kei­ne wis­sen­schaft­li­che Arbeit oder For­schung im Bereich »Rhe­to­rik« han­delt. Den­noch zeigt es eine ande­re Sicht auf »die größ­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­irr­tü­mer« (S. 1) und regt dazu an, auf sich selbst und sei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on, ver­bal und non-ver­bal, zu ach­ten und sein Gegen­über bes­ser ver­ste­hen zu können.

Essay

»Unermüdet von diesem Schauen«

Über die Rolle der Bilder in den Naturwissenschaft

I. Bil­der in und aus der Wissenschaft

Das Ver­bin­den­de zwi­schen Uni­ver­si­tät und Kunst wird in die­sem Bei­trag aus natur­wis­sen­schaft­li­cher Sicht betrach­tet. Die Uni­ver­si­tät wird dabei als Ort für Wis­sen­schaft und For­schung ver­stan­den, an dem es heut­zu­ta­ge zur selbst­ver­ständ­li­chen Pflicht aller dar­an Betei­lig­ten gehö­ren soll­te, die Öffent­lich­keit über die erziel­ten Ergeb­nis­se und ihre Bedeu­tung zu infor­mie­ren. Die Ver­mitt­lung von wis­sen­schaft­li­chen Ein­sich­ten gelingt oft mit Hil­fe von Bil­dern, und deren Rol­le soll in die­sem Auf­satz beleuch­tet wer­den, wobei sich her­aus­stel­len wird, daß die Bil­der nicht erst bei der Wei­ter­ga­be von wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen, son­dern schon bei ihrer Gewin­nung eine Rol­le spie­len. Da sich Bil­der den Men­schen über die Wahr­neh­mung erschlie­ßen, wird die­se Fähig­keit aus­führ­lich zur Spra­che kommen.

Die beson­de­re Bedeu­tung der Bil­der zeigt allein die immer wie­der gestell­te Fra­ge nach dem Welt­bild der Wis­sen­schaft bzw. nach dem Men­schen­bild der moder­nen Gene­tik. Es wür­de sich loh­nen, der The­se nach­zu­ge­hen, daß die ethi­schen Schwie­rig­kei­ten der moder­nen For­schung dadurch mög­lich wer­den,  weil weder die Phy­sik ein Welt­bild – etwa im Sin­ne der New­ton­schen Mecha­nik – noch die Bio­lo­gie ein Men­schen­bild erken­nen läßt. Die am nach­hal­tigs­ten von Imma­nu­el Kant gestell­te Fra­ge »Was ist der Mensch?« kann weder durch Anga­be von DNA-Sequen­zen noch durch Hin­wei­se auf gene­ti­sche Pro­gram­me beant­wor­tet wer­den. Der Ent­wurf eines adäqua­ten Men­schen­bil­des, das über Maschi­nen­mo­del­le hin­aus­geht, bleibt eine dring­li­che Auf­ga­be, die viel­leicht mit Hil­fe der Kunst gelöst wer­den kann. Wir kön­nen uns ihr nur lang­sam nähern.

II. Beim Betrach­ten von Bildern

Wel­chen direk­ten Ein­fluss Bil­der bzw. Gebil­de der Wis­sen­schaft auf einen Betrach­ter und sein Ver­ste­hen haben kön­nen, zeigt das Bei­spiel von Tho­mas Mann, der am 4. Okto­ber 1951 nach einem Besuch des Muse­um of Natu­ral Histo­ry in Chi­ca­go fol­gen­de Bemer­kung in sein Tage­buch ein­trägt: »Uner­mü­det von die­sem Schau­en. Kei­ne Kunst­ga­le­rie könn­te mich so inter­es­sie­ren.«[1] Tho­mas Mann bewun­dert in den bio­lo­gi­schen Samm­lun­gen des Muse­ums fas­zi­nie­ren­de Quer­schnit­te von »sehr frü­hen Muscheln in feins­ter Aus­ar­bei­tung des Gehäu­ses«, er schaut auf »wun­der­schö­ne zoo­lo­gi­sche Model­le aller Art«, und er betrach­tet die ein­drucks­vol­len »Ske­let­te der Rep­til-Mons­tren und gigan­ti­schen Tier­mas­sen«, die frü­her die Erde beherrsch­ten. Dies ergreift ihn unge­mein, und im unge­stör­ten Gegen­über mit die­sen Figu­ren und den vie­len dazu­ge­hö­ri­gen Bil­dern, die dem Betrach­ter die Ent­wick­lung des Lebens und die Evo­lu­ti­on des Men­schen vor Augen füh­ren, wird Tho­mas Mann immer tie­fer berührt. Er emp­fin­det ein unge­heu­res Ver­gnü­gen. Ihn über­kommt »etwas wie bio­lo­gi­scher Rausch«, und mit über­ra­schen­der Deut­lich­keit erfasst ihn das »Gefühl, daß dies alles mei­nem Schrei­ben und Lie­ben und Lei­den, mei­ner Huma­ni­tät zum Grun­de liegt«. Tho­mas Mann ist außer­or­dent­lich »bewegt von all­dem«, und er kehrt am Mor­gen des nächs­ten Tages in das Muse­um zurück, um sich vie­le wei­te­re Bil­der »früh­mensch­li­chen, zum Teil noch kaum mensch­li­chen Lebens« vor Augen zu führen.

Es ist sicher vor allem das Bio­lo­gi­sche, das den Betrach­ter im Muse­um berauscht sein läßt und ihm Erkennt­nis­se nicht durch Ratio­na­li­tät, son­dern durch sinn­li­che Wahr­neh­mung und Gefüh­le ermög­licht, doch benö­tigt Tho­mas Mann dazu die musea­len Model­le und beson­de­ren Bil­der, die ihn anre­gen und anrüh­ren, und es lohnt sich, den genau­en Grün­den für deren weit­rei­chen­den Wir­kun­gen nach­zu­spü­ren, die uns allen mög­lich und ver­traut sind.

III. Das erwei­ter­te Sehen

Men­schen sind visu­ell begab­te Lebe­we­sen, die sich durch – wört­lich zu ver­ste­hen­de – Augen­bli­cke ori­en­tie­ren. Aus die­sem Grun­de ist es ver­ständ­lich, daß immer schon Bil­der und Illus­tra­tio­nen eine Rol­le in der Wis­sen­schaft gespielt haben. Wer will, könn­te sogar einen Grund­zug der tech­ni­schen Ent­wick­lung in unse­rer Kul­tur dadurch cha­rak­te­ri­sie­ren, daß er auf die zuneh­men­den Bemü­hun­gen ver­weist, das Unsicht­ba­re sicht­bar zu machen. Die­se Bemü­hun­gen begin­nen pünkt­lich im 17. Jahr­hun­dert, also genau in der Epo­che unse­rer Geschich­te, in der die moder­ne west­li­che Wis­sen­schaft ins­ge­samt ent­steht, und im Grund drü­cken bei­de Ent­wick­lun­gen ein- und den­sel­ben Cha­rak­ter­zug unse­rer Kul­tur aus, näm­lich den, sehend wis­sen zu wol­len. Mit dem wis­sen­schaft­li­chen Men­schen wird auch das tech­ni­sche Bild unvermeidlich.

Die Bemü­hun­gen um das erwei­ter­te Sehen sind ein Wesens­zug des euro­päi­schen Wis­sen­wol­lens, in des­sen Rah­men Men­schen ver­su­chen, sich mit dem Mikro­skop die klei­nen und mit dem Fern­rohr die gro­ßen Dimen­sio­nen vor Augen zu füh­ren. Erst schlägt ein Deut­scher – Johan­nes Kep­ler – einen Weg vor, um ein zusam­men­ge­setz­tes Mikro­skop zu bau­en, danach benutzt ein Eng­län­der – Robert Hoo­ke – ein ent­spre­chen­des Gerät, um »Zel­len« in Dünn­schnit­ten von Fla­schen­kork zu fin­den und zu benen­nen, und schließ­lich ent­deckt ein Hol­län­der – Anto­nie van Lee­u­wen­hoek – beim ver­grö­ßer­ten Sehen die win­zi­gen (eben »mikro­sko­pi­schen«) For­men des Lebens, die wir Pro­to­zoen und Bak­te­ri­en nennen.

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»Raus ins Feld«

Harald Reiterer über Mensch und Computer

Von Moritz Diepgen


Prof. Dr. Harald Rei­te­rer, Lei­ter der Human-Com­pu­ter-Inter­ac­tion-Group an der Uni­ver­si­tät Kon­stanz, blickt mit über 30 Jah­ren Erfah­rung auf die Ent­wick­lung der Mensch-Com­pu­ter-Inter­ak­ti­on zurück. 

Im Inter­view beschreibt er die Zukunft sei­nes Fel­des. Zudem erläu­tert er, was Desi­gner und Infor­ma­ti­ker von­ein­an­der ler­nen können. 

 

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»Was bleibt vom Bauhaus?«

Ideen für eine ästhetische Bildung von morgen

Von Julia Huber


Die Kunst­his­to­ri­ke­rin Bet­ti­na Güld­ner reist durch die Design­ge­schich­te des Bau­hau­ses und schlägt den Bogen zur Gegen­wart. Was ist aus den revo­lu­tio­nä­ren Ideen der Bau­häus­ler gewor­den? Einst als die Heim­stät­te der Avant­gar­de bezeich­net, sind vom Glanz und Glo­ria des Bau­hau­ses nur noch die über­teu­er­ten »Design-Klas­si­ker« geblieben.

Oder? Nicht ganz. Die Rele­vanz und Bedeu­tung der Ideen, des demo­kra­ti­schen Gedan­ken­guts sind nicht aus der Zeit gefal­len. Viel­mehr kön­nen die­se Ideen heu­te wie­der Aus­gangs­punkt wer­den, um anders über eine zeit­ge­mä­ße ästhe­ti­sche Bil­dung für Gestal­ter nachzudenken. 

 

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»Wie kann ich das verbessern, was ich mache?«

Brian Switzer über Designforschung und -entwicklung

Von Rebekka Taplick


Der Pro­fes­sor für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign und selbst­stän­di­ge Desi­gner Bri­an Swit­zer spricht über sei­ne Lei­den­schaft der Design­for­schung und -ent­wick­lung. Behan­delt wird, wie Desi­gner mit­hil­fe von wis­sen­schaft­li­chen Metho­den bes­se­re Gestal­tungs­lö­sun­gen fin­den und deren Wir­kun­gen über­prü­fen kön­nen. Das Ziel des Design­pro­fes­sors: Desi­gner zu über­zeu­gen, durch Design­for­schung und -ent­wick­lung mehr über ihr eige­nes Schaf­fen nach­zu­den­ken und qua­li­ta­ti­ve Metho­den in ihre Gestal­tungs­pra­xis ein­zu­bau­en. »Denn das ist kein Hexenwerk.«

Zudem berich­tet Bri­an Swit­zer über die Inter­na­tio­na­li­tät und Inter­kul­tu­ra­li­tät in der Gestal­tungs­bran­che, die er durch die Arbeit in ver­schie­de­nen Design­agen­tu­ren rund um die Welt erfah­ren hat. Ver­tieft wer­den die inter­na­tio­na­len und inter­kul­tu­rel­len Unter­schie­de im Design zwi­schen der USA, Deutsch­land und Großbritannien. 

 

Essay

Kunst und Technik – und dazwischen der Tonmeister

Über Musikrhetorik und Aufnahme

Ich bin gebe­ten wor­den, mir ein paar Gedan­ken über die Rol­le des Ton­meis­ters zu machen.[1] Um die Fra­ge im Titel gleich vor­weg zu beant­wor­ten: Der Sitz des Ton­meis­ters ist nicht zwi­schen Bir­ke und Bor­ke, er ist nicht zwi­schen Kunst und Tech­nik ange­sie­delt, son­dern er hat an bei­den Berei­chen Anteil, es han­delt sich um eine Teilhabe.

Wenn wir von Kunst und Tech­nik reden sol­len, so müs­sen wir wohl zuerst bei der Kunst anfan­gen, und ich beschrän­ke mich hier der Kür­ze hal­ber auf die Kunst der Musik. Mit die­ser Kunst haben Ton­meis­ter ja sehr viel zu tun. Um wel­che Kunst also han­delt es sich bei der Musik?

Musik als Sprache

Abbil­dung 1 zeigt einen Rhap­so­den, einen Erzäh­ler, und er hat zur Unter­stüt­zung sei­ner Erzäh­lung eine Lyra dabei, also ein Instru­ment mit ein paar Sei­ten, die er wahr­schein­lich nach der pytha­go­rei­schen Ton­lei­ter gestimmt hat. Der Rhap­so­de ist der Geschich­ten­er­zäh­ler. Zunächst tut er dies münd­lich und erzählt es so, wie es ihm ein­fällt und wie er die Geschich­te im Gedächt­nis hat. Um die Wir­kung etwas zu ver­stär­ken, aber auch um sei­ne Geschich­te bes­ser memo­rie­ren zu kön­nen, benutzt der Rhap­so­de – das beginnt zeit­lich unge­fähr kurz vor Homer – eine rhyth­mi­sier­te Sprache:

Sage mir, Muse, die Taten des viel­ge­wan­der­ten Mannes,
wel­cher soweit geirrt nach der hei­li­gen Tro­ja Zer­stö­rung.
[2]

Abb. 1: Rhap­so­de, Ber­lin Pain­ter; Ter­ra­cot­ta-Ampho­re, ca. 490 v. Ch.; Grie­chen­land. The Metro­po­li­tan Muse­um of Art, New York, Flet­cher Fund, 1956 (56.171.38)
http://www.metmuseum.org/Collections/search-the-collections/254896.

Die­ser Rhyth­mus in der Spra­che bestimmt, ja erzwingt dann das Vers­maß. Die­ser Rhyth­mus spielt auch eine sehr gro­ße Rol­le spä­ter bei den Lie­dern, die die Arbeit beglei­ten – das Repe­ti­ti­ve im Rhyth­mus von Arbeits­schrit­ten fin­det sich sodann im Rhyth­mus, zum Bei­spiel beim Rudern im Boot, bei den Schrit­ten des hän­di­schen Trans­ports oder beim Hämmern.

Es sind also Rhyth­mus und Vers­maß, die zunächst bestim­men, wie der Rhap­so­de sei­ne Vor­stel­lung macht. Um die Wir­kung des Gan­zen noch zu ver­stär­ken, kommt der melos hin­zu, d. h. die Melo­die, gleich­sam die Phra­sie­rung, also das, was den Bogen in der Erzäh­lung aus­macht und dann mit der Ton­hö­he und deren Ver­än­de­run­gen ent­spre­chend unter­stützt. Der tonus rec­tus in den lit­ur­gi­schen Gesän­gen der Welt­re­li­gio­nen hat die­sel­be Funktion.

Der nächs­te Schritt besteht dar­in, dass der Rhap­so­de sich ein Instru­ment zulegt und sich selbst zu sei­nem Gesang beglei­tet. »Iljas« und »Odys­see« sind von Homer in Gesän­ge auf­ge­teilt wor­den. Zum einen glie­der­te dies den Stoff, zum ande­ren erleich­ter­te der Sprach­rhyth­mus (Hexa­me­ter, Pen­ta­me­ter) dem Erzäh­ler das Memo­ri­en des Stoffs. Nun kommt das Instru­ment hin­zu und beglei­tet die Erzäh­lung. Wir beob­ach­ten die Tren­nung von melos und dem, was sprach­lich sich ereig­net: Es ent­steht das Lied. Das Lied war anfäng­lich immer eine Erzäh­lung, aber es muss heu­te nicht immer eine expli­zi­te Erzäh­lung sein. Die Stim­me wird nun selbst zum musi­ka­li­schen Pro­du­zen­ten. Dies ist die Tren­nung von melos und von der Pro­so­die, d. h. der sprach­li­chen Aus­drucks­wei­se, und sie macht die Melo­die eigenständig.

In der nächs­ten Stu­fe der Ent­wick­lung macht sich nun auch das Instru­ment selbst­stän­dig, es reißt den melos an sich, und es beginnt die Pha­se der instru­men­tel­len Musik. Nun begin­nen sich Musik, aber auch die Instru­men­te zu ent­wi­ckeln und damit die dazu­ge­hö­ri­ge Technik.

Mythen des Alltags

Duschen

Was das Brausen über uns sagt

Wie­der spät dran, der Wecker hat schon drei­mal geklin­gelt. Noch schnell unter die Dusche, das eis­kal­te Was­ser pras­selt ins Gesicht – sofort ist man wach. Oder doch eher der Typ Mor­gen­mensch: direkt nach dem ers­ten Alarm­ton auf­ste­hen, aus­gie­big früh­stü­cken und in aller Ruhe unter die war­me Dusche, um ent­spannt in den Tag zu starten.

Dusch­ge­wohn­hei­ten sind von Mensch zu Mensch unter­schied­lich, auch wenn sich die Tätig­keit an sich kaum unter­schei­det. Die einen duschen mor­gens, die ande­ren lie­ber abends, man­che jeden Tag und man­che nur, wenn sie Sport gemacht haben. Über Zeit­punkt und Häu­fig­keit erfährt man rela­tiv schnell etwas, wenn die­ses The­ma zufäl­lig zur Spra­che kommt. Wor­über man meist nicht redet? Über die Tem­pe­ra­tur, die Dusch­zeit oder ob man sich wäh­rend­des­sen noch die Zäh­ne putzt. Aber genau bei die­sen Din­gen wird es beson­ders inter­es­sant. Denn es gibt Stu­di­en und Umfra­gen, die behaup­ten, dass man anhand von Dusch­ge­wohn­hei­ten die kör­per­li­che Gesund­heit, die men­ta­le Grund­stim­mung und die Lebens­ge­wohn­hei­ten eines Men­schen able­sen kann.

Eine Fra­ge, die sich bei jedem Duschen stellt: warm oder kalt? Im Win­ter wird vor­wie­gend warm geduscht, im Som­mer eher küh­ler. Neben der Regu­la­ti­on von Kör­per­wär­me und Außen­tem­pe­ra­tur habe der Wär­me­grad des Was­sers wei­te­re Ein­flüs­se auf das kör­per­li­che Wohl­be­fin­den und die Gesund­heit. War­mes Duschen sor­ge für eine Erwei­te­rung der Blut­ge­fä­ße und einer damit ein­her­ge­hen­den Rela­xa­ti­on der Mus­keln.[1] Neben dem Grund der Rei­ni­gung und Kör­per­pfle­ge wür­den rund 44 % der Deut­schen den Effekt von war­men Was­ser bevor­zu­gen und haupt­säch­lich zur Ent­span­nung duschen.[2] 33 % dage­gen gehe es vor allem um einen fri­schen Start in den Tag[3], kalt Duschen rege die Durch­blu­tung an und mache wacher.[4] Vor allem für Sport­ler sol­le sich das täg­li­che Kalt-Duschen als eine Ergän­zung zum Sport eig­nen, da ähn­li­che Pro­zes­se wie beim Aus­dau­er­trai­ning in Gang gesetzt wer­den.[5] Die erhöh­te Pro­duk­ti­on von Mito­chon­dri­en sor­ge für mehr Ener­gie, die ange­reg­te Durch­blu­tung für einen bes­se­ren Blut­druck, und das Immun­sys­tem wer­de gestärkt.[6]

Doch es exis­tie­ren auch Vor­ur­tei­le zu den ver­schie­de­nen Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren. Das Ste­reo­typ über den Kalt­du­scher klingt ein­leuch­tend: Er gilt als fit und aktiv. Dem­ge­gen­über steht das eher unlo­gisch klin­gen­de Ste­reo­typ über den Warm­du­scher: Er gilt als schwäch­lich und fei­ge. Wor­an liegt das? Der Begriff »Warm­du­scher« bekam sei­ne kli­schee­haf­te Begriffs­de­fi­ni­ti­on durch einen Gag zuge­wie­sen. In einer sati­ri­schen Kom­men­tie­rung der Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft 1998 bezeich­ne­te Harald Schmidt den Natio­nal­spie­ler Jür­gen Klins­mann als »Warm­du­scher« und lös­te damit einen medi­en­wirk­sa­men Skan­dal aus – das Ste­reo­typ des Warm­du­schers wur­de gebo­ren.[7]

Zusätz­lich zum kör­per­li­chen Wohl­be­fin­den sol­le man auch die men­ta­le Grund­stim­mung eines Men­schen anhand der von ihm favo­ri­sier­ten Was­ser­tem­pe­ra­tur erken­nen kön­nen. Warm Duschen sol­le nicht nur den Kör­per ent­span­nen, son­dern auch den Geist. Die Erwei­te­rung der Blut­ge­fä­ße wür­den zu einer Erwei­te­rung des Bewusst­seins füh­ren und die Gedan­ken zur Ruhe kom­men las­sen. Kalt Duschen hin­ge­gen spre­che das sym­pa­thi­sche Ner­ven­sys­tem an. Es sor­ge für die erhöh­te Pro­duk­ti­on von Endor­phi­nen und Nor­ad­re­na­lin und erhö­he den Adre­na­lin­spie­gel: Die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit wer­de gestei­gert und die Stim­mung geho­ben. Auf­grund die­sen Effek­tes emp­feh­len eini­ge For­scher sogar das Duschen mit kal­tem Was­ser als eine Maß­nah­me zur The­ra­pie von Depres­sio­nen.[6] Laut einer Stu­die der Yale Uni­ver­si­ty duschen vor allem ein­sa­me Men­schen mit wenig sozia­len Kon­tak­ten sehr warm und lan­ge. Die Wär­me und Ent­span­nung, die auf­grund der Erwei­te­rung der Blut­ge­fä­ße ent­ste­he, sor­ge für ein »in Wat­te gehüll­tes« Gefühl und imi­tie­re die mensch­li­che Wär­me.[8]

Zum The­ma »Dusch­zeit« exis­tiert eine aus­führ­li­che Umfra­ge. Die kür­zes­te Dusch­zeit sei bei rund 19 % der Deut­schen der Fall: Sie duschen unter fünf Minu­ten.[9] Zu ihnen wür­den die Men­schen gehö­ren, die kal­tes Was­ser für einen fri­schen Start in den Tag bevor­zu­gen. Etwas län­ger dusche die Mehr­heit der Befrag­ten, bei denen der Haupt­zweck der Kör­per­rei­ni­gung erfüllt wer­den sol­le: Rund 39 % duschen zwi­schen fünf bis zehn Minu­ten, laut Der­ma­to­lo­gen eine idea­le Zeit, um die Haut nicht zu über­stra­pa­zie­ren.[10] Zwi­schen zehn bis fünf­zehn Minu­ten wür­den 16 % der Deut­schen duschen.[11] Bei ihnen ste­he eine län­ge­re Ent­span­nung im Vor­der­grund, meist in Kom­bi­na­ti­on mit war­men Was­ser. Die Spit­zen­zeit im Duschen von über fünf­zehn Minu­ten wür­den ins­ge­samt 17,6 % der Befrag­ten errei­chen: 9 % duschen über fünf­zehn Minu­ten, 5,6 % bis zu zwan­zig Minu­ten, rund 2 % mehr als zwan­zig Minu­ten und rund 1 % dusche über drei­ßig Minu­ten.[12] Je län­ger die Dusch­zeit, des­to mehr stei­ge die Wahr­schein­lich­keit von Ein­sam­keit.[13] Dass fast 34 % der Deut­schen es lie­ben, aus­gie­big und lan­ge zu duschen, muss aller­dings kein Grund zur Sor­ge sein. Mit der Yale-Stu­die im Hin­ter­kopf soll­te man im Blick behal­ten, dass ein­sa­me Men­schen zwar lan­ge duschen, aber nicht jeder, der lan­ge duscht, auch ein­sam ist.

Und zum Schluss der am häu­figs­ten ver­ges­se­ne Aspekt des Duschens – die zusätz­li­chen Rou­ti­nen. Ob aus Grün­den des Zeit­drucks oder zum Was­ser­spa­ren, 46 % der Deut­schen wür­den wäh­rend des Duschens noch wei­te­re Tätig­kei­ten erle­di­gen.[14] Vor allem das Zäh­ne­put­zen sei eine beson­ders belieb­te Gewohn­heit, die meist mor­gens mit einem Sprung unter die Dusche kom­bi­niert wer­de. Auch die Rasur fin­de häu­fig unter der Dusche statt: Män­ner wür­den sich vor­wie­gend bei der mor­gend­li­chen Dusche rasie­ren, Frau­en eher abends.

Wenn man, laut den Stu­di­en und Umfra­gen, so viel über einen Men­schen allein anhand sei­ner Dusch­ge­wohn­hei­ten her­aus­fin­den kann – war­um wird das nicht im All­tag genutzt? Wie wäre es, wenn man sich bei einem ers­ten Ken­nen­ler­nen nicht mit sei­nen Inter­es­sen, son­dern direkt mit sei­nen Dusch­ge­wohn­hei­ten vor­stell­te? Dann könn­te man mit der Auf­zäh­lung von nur einer Gewohn­heit alles über den Gegen­über erfah­ren – und spart sich lang­wei­li­ge Standardfragen.

Also: Warm­du­scher, 5 Minu­ten, ohne zusätz­li­che Rou­ti­nen. Und Sie?

  1. [1] Schim­mel­p­fen­nig GmbH & Co. KG: Unse­re Dusch­fak­ten: Heiß, Kalt oder Wech­sel­du­sche? URL: https://www.badshop.de/heiss-oder-kalt-duschen-und-weitere-duschfakten (Stand: 14.11.2022).
  2. [2] ebd. 
  3. [3] Hans­g­ro­he SE: Pres­se­infor­ma­ti­on. URL: https://badezimmer.com/document/33.415/Hansgrohe-Studie (Stand: 9.1.2023).
  4. [4] Bud­de, Jan­nis: Kalt duschen: Vor­tei­le und Schritt-für-Schritt Anlei­tung. URL: https://www.primal-state.de/kalt-duschen/ (Stand: 14.11.2022).
  5. [5] ebd. 
  6. [6] ebd. 
  7. [7] Rich­ter, Chris­ti­an: Der Fern­seh­fried­hof: Harald Schmidt und die Schwuch­tel-WM. URL: https://www.quotenmeter.de/n/42510/der-fernsehfriedhof-harald-schmidt-und-die-schwuchtel-wm (Stand: 14.11.2022).
  8. [6] Theo­fi­lopou­los, Zoi: War­um soll­te man jeden Tag kalt duschen? URL: https://www.viactiv.de/deshalb-solltest-du-jeden-tag-kalt-duschen#:~:text=Kalt%20duschen%20macht%20gl%C3%BCcklich,von%20Endorphinen%20und%20Noradrenalin%20erh%C3%B6ht (Stand: 14.11.2022).
  9. [8] Bargh, J. A., & Shalev, I.: Emo­ti­on. The Sub­sti­tu­ta­bi­li­ty of Phy­si­cal and Social Warmth in Dai­ly Life. URL: https://acmelab.yale.edu/sites/default/files/2011_the_substitutibility_of_physical_and_social_warmth.pdf (Stand: 14.11.2022).
  10. [9] Dusch­meis­ter GmbH & Co. KG: Deutsch­lands Dusch-Dia­gno­se. URL: https://www.duschmeister.de/service/dusch-diagnose/ (Stand: 9.1.2023).
  11. [10] ebd. 
  12. [11] ebd. 
  13. [12] ebd. 
  14. [13] Bargh, J. A., & Shalev, I.: Emo­ti­on. The Sub­sti­tu­ta­bi­li­ty of Phy­si­cal and Social Warmth in Dai­ly Life, a. a. O. 
  15. [14] Dittrich, Lisa: Eine Umfra­ge zeigt, was die Deut­schen wirk­lich unter der Dusche machen – und was sie künf­tig ändern soll­ten. URL: https://www.businessinsider.de/wissenschaft/duschverhalten-deutsche-energiesparen-geldsparen-klimaschutz-a/ (Stand: 13.11.2022).
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